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1866.
Samstag den 24. November.
M94.
5 A nzeiger
für Oberhessen.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Iticdberger Jnutelligenzblatt.
Erscheint wöchentlich zweimal, Mittwoch und Sauslag.
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Betreffend: Die Bettrett ung der Communallntraden in den Gemeinden des Kreises Friedberg für
Amtlicher Theil.
1866.
Friedberg den 20. November 1866.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.
Unter Hinweisung auf unser Ausschreiben vom 26. August 1852, Berichten, nach Vernehmung des Gemeindeeinnehmers,
wir binnen 8 Tagen ihren
stände der Gemeinde das Beitreibungsverfahren eingeleitet worden ist oder nicht, Sie werden sowohl im Mahn- als im Pfandbefehl die Verf
ob das Zwangsverfahren zu rechter Zeit eingeleitet worden ist oder nicht.
allzeit der einzelnen Gefälle angeben lassen,
Amtsblatt Nr. 2, und 25. März 1854, Amtsblatt Nr. 7, sehen darüber entgegen, ob nunmehr auf die sämmtlichen Rück⸗ und letzteren Falls warum nicht.
damit wir gontroliren können,
Nachlässigkeiten ig dieser Beziehung müßten wir strenge rügen. t Trapp. Hessen. Darmstadt. Die gegenseitigen entstanden. Es scheint) als habe die Saline sicher meist Solche, die schon in früheren Jahren diplomatischen Vertretungen der beiden Regierungen einen alten Freund, der sie schlecht machen möchte, mit ihren Eltern auswanderten resp. nach von Preußen und Hessen sind nunmehr durch Er- aus Aerger übee den eintretenden Herrenwechsel. Amerika reisten. nennung des Geh. Legationsraths von Wentzel Eine Verbindung mit den Großherzogl. Braun- Preußen. Berlin. Der Minister des zum Königl. Preuß. außerordentlichen Gesandten kohlenlagern, ein specplativer Betrieb, nach den Innern bat an die Behörden der einverleibten und bedollmächtigten Minister am Großh. Hofe neuesten Anforderungen der Industrie, Erhöhung Provinzen Anweisungen Behufs ausdrücklicher
wieder erneuert. Der Gesandte ist bereits in Darmstadt eingetroffen und in besonderer Audienz von dem Großherzoge empfangen worden.
— Es wurde schon früher gemeldet, daß an die drei Superintendenten unseres Landes die Aufforderung ergangen sei, sich über Einsührung einer Synodal- und Presbyterialverfassung gutächt⸗— lich zu äußern. Wie nun verlautet, soll sich bereits Prälat Dr. Zimmermann in einem ausführ- lichen Gutachten für die Einführung ausgesprochen haben. Diese Lebensfrage der evangelischen Kirche
wird auch den Decanatsconferenzen zur Berathung
und Aeußerung vorgelegt werden.
Friedberg. Bei der am 21. d. M. vor⸗ genommenen Wahl eines Landtags- Abgeordneten der Stadt Friedberg wurde der bisherige Ab- geordnete Landrichter Dr. Stockhausen zu Broßumstadt einsimmig wiedergewählt.
— Die„Darmst. Ztg.“ widerlegt ossiziell einen in dem Mainzer Abendblatte erschienenen Artikel, welcher die Bildung der zwei Regimenter, die Oberhessen zum norddeutschen Bunde zu stellen habe, als in ganz kurzer Zeit bevorstehend er⸗ klärte und dabei bemerkte, wie dies nur möglich sei, wenn das preußische Wehrspstem in seiner ganzen Strenge auf Oberhessen Anwendung fände. Die harten und drückenden Lasten, welche hier⸗ durch der Provinz Oberhessen aufgebürdet werden sollten, hätten einen sehr traurigen Eindruck auf die allßemeine Stimmung verursacht, zumal noch verlaute, daß unsere beiden Regimenter in preu— ßische Garnisonen und zwar nach Celle Denabrück verlegt werden sollten. Die Darmst. Ztg. erklärt nun diesem Artikel entgegen,„daß noch gar nichts bestimmt sei, und daß noch gar keine Verhandlungen zwischen Preußen und Hessen stattgefunden hätten, wie die militärischen Leistungen der Provinz Oberhessen als Bestandtheil des norddeutschen Bundes geregelt werden sollten. Die Regierung werde besorgt sein, daß für Ober- hessen keine neuen Lasten erwachsen würden.“— Es ist diese Frage allerdings diejenige, welche alle Klassen der Bevölkerung vorzugswelse be schäftigt und in einer gewissen Aufregung erhält. Trotz aller von der Darmst. Zig. gegebenen Be ruhigung wärt sehr zu wünschen, daß diese Frage bald zur Entscheidung käme, denn man ist in Oberhessen auf das Wie in höchstem Grade gespannt, ja vielfach in einiger Besorgniß und Unruhe über die schließliche Ordnung dieser Frage.
— m In vem letzten Nauheimer Artikel des Frankfurter Journals ist wiederholt die Be⸗ fürchtung aus gesprochen worden, daß die Saline aufgehoben werde. Dieses Gerücht ist nicht an
und
der Einnahmen und Verminderung der Aus- gaben,— das sind die Aussichten der Saline Nauheim. Also keine Aufhebung, sondern ein gedeihlicher Fortbestand! Wir sind in der Lage die gelesene offzielle Versicherung mittheilen zu können, daß die Großh. Regierung die Erhaltung der Saline„mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln und in Verbindung mit der Ausbeutung der benachbarten Braunkohlenlager sich wird an— gelegen sein lassen.“
— Die Besitzergreifung der dem Großberzog⸗ thum zugefallenen Aemter Nauheim und Reichelsheim ist nunmehr durch Vereidigung der Beamten und öffentlichen Diener, welche der Großh. Regierungscommissär, Regierungsrath Trapp, im Laufe dieser Woche in den zugehörigen Orten vorgenommen hat, vollzogen. In mehreren Orten waren die öffentlichen Gebäude mit roth und weißen Fahnen geschmückt und man hatte sich überhaupt allerwärts bemüht, sich mit freund- lichem Entgegenkommen den neuen unvermeidlichen Verhältnissen und Beziehungen unterzuordnen. Ein solches Verhalten wird nicht verfehlen, das beste Einvernehmen zwischen den Bewohnern der zugetheilten Orte und den betreffenden Behörden, sowie den alten oberhessischen Nachbarn baldigst herzustellen und zu befestigen, für die bisher ja die buntscheckigen Wegwetser und Grenzükkzle keine Scheidewand bildeten. Es wird also wohl demnächst der feierliche Augenblick eintreten, wo der steinerne und hölzerne Löwe in der Nähe unserer Usabrücke sich brüderlich umarmen um in ibrer Hinfälligkeit für immer von dieser Stelle zu verschwinden.
Mainz. Am 16. November traf per Eisen⸗ bahn ein Transport von etwa 40 Mann schwer⸗ verwundeter Soldaten, Preußen und Oesterreicher, dahier ein, und wurden dieselben vorläufig nach dem Militärlazareth gebracht. Die Verwundeten befanden sich bisher in Frankfurt, gingen zum Theil an Krücken und zeigten mitunter schauder⸗ hafte Verstümmelungen. Ein österreichischer Sol⸗ dat vom Regiment Heß Nr. 49, ein blutjunger Mensch, befand sich dabei, dem eine Kugel durch den Hals gegangen und die Zunge weggerissen hatte, so daß er nicht mehr sprechen konnte; rübrend war es zu sehen, wie Preußen und Oesterreicher eirander behilflich waren, um besser in die Droschken zu steigen, mit welchen die Am— putirten und sonst noch schwer Leidenden nach dem Spitale gefahren wurden.
— An Resractären hat der Kreis Bingen ein ordentliches Contingent gestellt, nämlich 45 Mann,— Gau-Algesheim und Ober⸗Ingel⸗
tompetenter, sondern an sehr incompetenter Stelle heim allein je 8 Mann. Es sind dies jedoch
Anerkennung der Freizügigkeit erlassen, und daß ein Gleiches in Betreff des Gewerbebetriebes bevorstehe.
— Der Kronprinz soll beabsichtigen, sich bei Eröffnung der großen Pariser internationalen Ausstellung nach Paris zu begeben. Er ist Vor⸗ sitender der Central-Commission für die Pariser Ausstellung.
— Man schließt auf ein wesintliches Besser⸗
befinden des Grafen Bismarck aus dem Grunde, weil ihm wieder sein übliches Zeitungsbündel nach Rügen gesendet werde, dessen er bisher auf ärztliche Anordnung entbehren mußte. Die alte Streitfrage, ob zweijährige oder dreijährige Dienstzeit erforderlich oder zweck⸗ mäßig sei, hat auch jetzt bereits eingehende Er; örterungen bei unserer Staatsregierung gerade in Bezug auf die Vorlage für das Bundespar⸗ lament veranlaßt. Das Resultat dieser Ver⸗ handlungen soll der Beschluß sein, an der drei⸗ jährigen Dienstzeit unbedingt festzuhalten.— Es gebt das Gerücht, daß die Regierung ein Gesetz, betreffend die Ministerverantwortlichkeit, noch in dieser Session einbringen werde.„Neue Fraktion der nationalen Partei“ ist der Name, unter welchem die am 15. d. zusammengetretene Fraction ihre Constituirung der Fortschritts partei und dem linken Centrum des preuß. Abgeordneten hauses angezeigt hat. Der Vorstand besteht aus den Abgeordneten Twesten, v. Unruh und v. Heunig, Schriftführer ist Dr. John.
— Der Ausschuß des Nationalvereins ist am 18. in Berlin zusammengetreten.
— Gegen den in Frankfurt a. M. so üppig blübenden Promessenschwindel werden demnächst energische Maßregeln erwartet.
Marburg. Für die Wahl eines Abgeord⸗ neten zum norddeutschen Reichstag bat sich da- bier ein Comite gebildet, dessen Aueschuß als Candidaten den Ministerpräsidenten Graf v. Bis- marck aufstellt und diese Wahl in einem be— sonderen Programm zu rechtfertigen sucht. Neuere Nachrichten melden indeß, daß dieser Vorschlag die schönste Aussicht habe, bei der Bevölkerung Marburgs Fiasco zu machen.
Wiesbaden. Der Ausfall in den Staats- einnahmen, namentlich in den Erträgnissen der Staatsbahn, hat die Erbebung eines fünften Simpels directer Steuern nöthig gemacht.— Die vom Großberzogthum Hessen an Preußen abgetretenen Gebietstheile der Provinz Oderbessen sind dem Appellattonsgericht in Dillenburg als Schwurgerichtshof und als Gericht zweiter In- stanz, in dritter Instanz dem Oberappellations- gericht daher unterstellt worden.


