Ausgabe 
13.10.1866
 
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1866. Jamstag den

13. October.

82.

Anzeiger

für O

berhessen.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblatt.

Erscheint wöchentlich zweimal. Mitt 1

derAnzeiger für Oberhessen kann für October, November im übrigen Großherzogthum durch die Post zu 21 kr. bezogen werden. N

und Dezember in hiesiger Stadt durch die Expedition zu 18 kr., Der Raum einer einspaltigen Petitzeile wird mit 3 kr. berechnet.

Amtlicher Theil.

Aus dem Großherzoglichen Regierungsblatte sind zu publiziren:

Nr. 45, sub 1. Edikt, die Auflösung der Ständeversammlung und die Anordnung neuer Wahlen betr. sub 2. Bekanntmachung, die von den Theilnehmern an der Staat versicherungsanstalt für die Stellvertretung auf das Jahr 1867 zu zahlende Einlage betr

Nr. 46. sub 1. Gesetz, den Schutz der Waarenzeichnung betressend

sub 2.

Bekanntmachung, die zur Ergümzung der nen Militärpflichtigen betressend. Friedberg am 11. October 1866.

Feldtruppen für das Jahr 1865 geruf

Großh. Krelsamt Friedberg Trapp.

Darmstadt. Das Großh. Regierungsblatt Nr. 48 enthalt ein Edikt vom 7. d. M., welches die Auflösung der dermaligen Ständeversammlung des Großherzogthums verfügt. Wir verweisen auf den in der heutigen Beilage befindlichen Ab druck desselben.

In den nächsten Tagen sollen in Berlin die Conferenzen in Betreff der Pariser Aus- stellung beginnen und zwar zum Zwecke der Raumvertheilung für die einzelnen deutschen Staaten. Der Großh. Commerzienrath Fink von Darmstadt wird als Vertreter des Groß- herzogthums an diesen Conferenzen Theil nehmen.

Der Großherzog hat dem Vernehmen nach das Protectorat über die Vereine zur Unter stützung von Invaliden und von Hinterbliebenen gefallener Soldaten übernommen.

Vom 16. bis 21. October wird in der städtischen Turnhalle eine Ausstellung land- wirthschaftlicher Produkte und Geräthe veranstaltet werden, welche den Anmeldungen nach zu schließen manches Interessante bieten dürfte.

Die Veröffentlichung der Staatsschulden⸗ Tilgungskasse vom 27. Sept. zeigt, daß unsere Finanzverwaltung ihren Verpflichtungen betreffs Rückzahlung früherer Anleihen, ungeachtet der außerordentlich großen Geldopfer neuester Zeit, auf das Gewissenhafteste nachkommt. Es dürfte auch hier am Platze sein, die Besitzer von großh. bessischen Staatsschuldverschreibungen darauf auf- merksam zu machen, daß aus den Verloosungen

brachten und den

schlag dem

von seiner Familie in den baldigen

gerade letzten einer

schien. des Verblichenen Humanität,

der auch in seiner abgeordneter sich Herzen betrauern.

amten der Justiz.

Die dritte einigten beiden Hessen und Giesien.

Wahl des Prof Dr.

Nummer die Ernennung des seitherigen Geh. Justiz raths Hofmann zum Oberappellationsgerichtsrath aufrichtigen Genesung für denselben aussprachen, wir nicht, daß Gottes Rathschluß es anders wolle. Denn noch am Abend vor Ausgabe des Blattes traf dahier die Trauerkunde ein, daß ein Herz Leben dieses verdienstvollen Mannes unerwartet rasch ein Ziel gesetzt habe erreichte Mittagsmahlzeit der Tod, nachdem sein Befinden f Tagen Wiedergenesung Die zahlreichen Freunde werden durch vorzügliche Eigenschaften des Geistes und Charakters ausgezeichneten Wirksamkeit rühmlich Der einen seiner hervorragendsten und thätigsten Be⸗

Jahresversammlung der ver evangelischen Nassau Weilburg stattfinden und zwar am 18. O Die von Wasserschleben Rector fand nicht die Bestätigung der Regierung, es wurde dieselbe vielmehr dem Prof. Dr. zu Theil, welcher jedoch abgelehnt haben soll.

wo an einem Tage 3 Cholera⸗Todesfälle sich er⸗ eignet haben sollen. In Finthen hat die Seuche noch nicht nachgelassen und sind vor einigen Tagen wieder neun tödliche Fälle in wenigen Stunden vorgekommen. Eben so bösartig und rasch greist sie in dem durch seine Gemüsecultur bekannten Orte Gonsenheim um sich. Man zählte in etwa 7 Tagen über 100 Erkrankungsfälle, wovon ein Dritttheil tödtlich.

Berlin. Gleichzeitig mit leibungs⸗ Patenten sind Nassau, Kurhessen und Hannover erschienen, welche die Oberaufsicht über das Justizwesen in diesen Ländern dem Königlich Preußischen Justizministerium übertragen und wird speziell für Frankfurt an Stelle des Oberappel⸗ lationsgerichts zu Lübeck als oberster Gerichts⸗ bof vom 1. Januar 1867 ab das Ober⸗Tribunal zu Berlin gesetzt.

Der Verwaltungsorganismus der annet⸗ tirten Länder wird dergestalt, daß zu den gegen⸗ 0 wärtigen acht Provinzen des preußischen Staates noch drei neue kommen: Schleswig- Holstein, Hannover und Hessen, letztere mit der Hauptstadt Kassel. Die Provinz Hessen soll drei Re⸗ gierungsbezirke zerfallen; 1) Kassel, aus den bis⸗ herigen kurhessichen Provinzen Oberhessen, Nieder⸗ hessen und einem Theil von Fulda, sowie den Kreisen Biedenkopf und Vöhl bestehend; 2) Wies⸗ baden, dem bisherigen Herzogthum Nassau mit dem Kreise Wetzlar; 3) Frankfurt, zusammenge⸗

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ihn kurz nach der den Ein ver⸗ für Frankfurt, zu der Hoffnung Verordnungen zu berechtigen und Verehrer den Tod dieses durch Mannes, Landtags- von

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früherer Jahre bis 1856 zurück, eine Masse Mainz. Die Cholerafälle in hiesiger Stadt setzt aus dem Gebiete der freien Stadt Frankfurt, Capitalien 106,000 fl. nur au verloosten Obli- haben abgenommen. Bis jetzt sind im Ganzen der kurhessischen Provinz Hanau mit einem Theil gationen unerhoben geblieben sind, wovon Zinsen, ca. 130 Erkrankungen angemeldet, unter denen von Fulda und den früher baperischen Bezirken, seit der bestimmten Erhebungszeit an, nicht mehr etwa 80 einen tödtlichen Verlauf genommen. der Landgrafschaft Homburg, dem Bezirhe Rödel. vergütet werden. Jetzt hat die gräßliche Seuche unserer Nachbar- heim und dem nassauischen Bezirke Höchst. Da.

Friedberg. Als wir in unserer vorigen stadt Castel ihren schrecklichen Besuch abgestattet, gegen werden die kurhessischen Kreise Schmal,

Der Gu an

Von Dr. Curtman.

In älteren Zeiten wußte man von keinem anderen Dünger auf den Feldern, als demjenigen, welchen das Vieh in den Ställen verfertigte. Die neuere Zeit begnügt sich nicht mehr mit dieser natürlichen Düngung. Nachdem man die Wichtigkeit und Nothwendigkelt auch der künstlichen Düngung immer mehr erkannt hat, haben die Landwirthe nicht nur neue Dungmittel aufgesucht und gefunden, sondern auch die Anwendung der selben auf immer rationellere Weise ausgedehnt. Von den Knochenresten auf den Schlachtfeldern der deutschen Freiheitskriege an bis zu der Decke von Vogelkoth auf den Juseln in dem Stillen Meere wird Alles durch wühlt, um in den Culturländern Europas dem ausgesogenen Boden zu Hülse zu kommen. Der Guano auf den Chincha-Inseln an der West küste von Peru bildet eine zusammenhängende Decke über deren Ober fläche, welche schon A. v. Humbold als die Excremente von Seevögeln bezeichnete, und welche schon seit uralter Zeit von den benachbarten

Peruanern als Dungmittel abgehackt und auf ihre Ländereien gefahren worden war. Aber erst seit 1840 ergriff der Spekulationsgeist der Eng länder die Ausbeutung dieses unsauberen, aber einträglichen Handels-

e Schon in einem der nächsten Jahre wurden über 100,000 Ctr.

ano auf englischen Schiffen nach der alten Welt geführt. Auch Deuischland erhielt seinen Antheil in 6 7000 Säcken. Doch weit groß artiger wurde diese Einfuhr, als der Chemiker Nesbits in einer durch

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blos aus Peru selbst Eingeborene und

mehrere Hunderttausende verbreiteten Flugschrift das landwirthschaftliche Publikum auf dieses neue und höchst wirksame Dungmittel aufmerksam

machte. Bei der colossalen Einfuhr des Guano, welche von nun an, namentlich in England stattfand,(1847 über 237,000 Tonnen) konnte man sich der Besorgniß nicht erwehren, die Guanodecke der Chinchas möge, so ungeheuer sie auch vorläufig erschien, doch rasch erschöpft werden. Man dachte deßhalb auf anderweitige Surrogate. Denn soviel hatte man erkannt, daß die eigentlichen Dungstoffe nicht ausschließlich in dem

Vogelmist, sondern auch in anderen en

iher findbaren Substanzen enthalten

seien, z. B. in Knochen Salpeter Ammoniak, Phosphor u. s. w. Man errichtete deßhalb nich n England, sondern auch in Frankreich und Deutschland eigne Fabriken, worin die der

Stoffe zugerichtet und in

gehörigen Mischung bereitet wurden, so daß die Landwirthe dieselben wo nicht billiger, doch zuverlässiger und sogleich in der rechten Zubereitung erhalten könnten, als von den Guano-Inseln unmittelbar. Daneben dauerte jedoch die Zufuhr aus Peru fort, und zwar so reichlich, daß die dortige Regierung dieselbe als eine ihrer ergiebigsten Abgaben betrachtete, Natürlich bedurfte es zu dieser Herbeischaffung und Verladung des Guano zahlreicher Arbeitskräfte; und zwar wurden, da der Aufenthalt auf den kahlen, unfruchtbaren Eilanden durchaus nichts Anziehendes hatte, nicht freie Neger durch sehr hohen Arbeitslohn herbeigelockt, sondern man gewann auch Cbinesen und selbst abenteuernde Europäer, welche sich sämmtlich in hölzernen Hütten nieder- ließen und ihre Arbeit vorzugsweise bei Nacht verrichteten. Denn während