Digitale Giessener Sammlungen / Sammlung Code civil

Historische Bände zum Code civil - Schenkung der Sammlung Rethorn an die Universitätsbibliothek Gießen

Der Code civil (1804) oder auch Code Napoléon (1807) ist das bürgerliche Gesetzbuch Frankreichs, das unter Napoleon Bonaparte (1769–1821) Geltung erlangte. Es zeichnet sich durch seine damalige Modernität und eine klare Rechtssprache aus. Durch Napoleons Eroberungen verbreitete sich der Text schnell und wurde vielfach übersetzt, häufig in die deutsche Sprache, weil es hier zahlreiche Landesherrschaften gab. Der Code civil erlangte Gesetzesgeltung auch in mehreren deutschen Gebieten und brachte innovative Elemente mit sich, wie die bürgerliche Gleichstellung, die Freiheit von Handel und Gewerbe sowie Veränderungen im Strafprozess. Insbesondere bildete sich in der Folge eine präzisere deutsche Rechtssprache heraus, die das zuvor vorherrschende „Kanzleisprachendeutsch“ ersetzte, das bei heutiger Lektüre eher schwerfällig und umständlich anmutet.

Der Code civil wirkte noch lange nach. Teils hatte er noch bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) im Jahr 1900 Gültigkeit, das er beeinflusste. Er wurde noch im Kaiserreich beim 1871 eingerichteten obersten Reichsgericht angewendet. Der Leidenschaft des Gießener Juristen Dr. Dietrich Rethorn für diese Thematik ist es zu verdanken, dass er in den vergangenen Jahren eine Sammlung historischer Bände zum Code civil zusammengetragen hat. Schrittweise auf dem Antiquariatsmarkt erworben, umfasst sie inzwischen über 120 Bände, darunter als Besonderheiten sieben zeitgenössische Mitschriften von Vorlesungen zum neuen Code civil an den Universitäten Heidelberg und Freiburg im Breisgau. Den eigentlichen Schwerpunkt der Sammlung bilden die frühen deutschsprachigen Textausgaben, die nahezu vollständig vorliegen, z.B. für das Königreich Westphalen oder das Großherzogtum Baden. Aber auch französische Erstausgaben, weitere Übersetzungen und mehrsprachige Ausgaben befinden sich darunter.

Dietrich Rethorn hat seine Privatsammlung im Oktober 2024 der JLU zur Aufbewahrung in den Sondersammlungen der Universitätsbibliothek als Schenkung übergeben. Derzeit wird sie dort – unter Einbeziehung der in den Bänden vorhandenen Hinweise auf früheren Vorbesitz – vollständig katalogisiert.

Die Exlibris der Bände wurden von der Gießener Künstlerin Hella Nohl gestaltet.

Von Dr. Olaf Schneider

Neuzugänge [→ Alle anzeigen]

  • vom 23.6.2026
  • Titelblatt

    Code Napoléon

    mit Zusäzen und Handelsgesezen als Land-Recht für das Großherzogthum Baden
    Karlsruhe : im Verlag der C. F. Müller'schen Hofbuchdruckerey, 1809
  • Titelblatt

    Codex Napoleon

    Napoleon <I., Frankreich, Kaiser>
    Strasbourg : bey Treuttel et Würtz, 1808
  • Titelblatt

    Codice Di Napoleone Il Grande Pel Regno D'Italia

    Milano : Dalla Reale Stamperia, MDCCCVI
  • Titelblatt

    Das Badische Landrecht

    mit den Einführungsedikten, Gesetzen, welche das Landrecht abändern und ergänzen, sowie Verweisungen auf Parallelstellen
    Tauberbischofsheim : Druck und Verlag von J. Lang, 1891
  • Titelblatt

    Code Civil Des Français

    Dans Une Seule Série De Numero, Conformément À La Loi Du 30 Ventose An XII, Comprenant 2281 Articles : Suivi Du Tableau Des Distances De Paris Aux Chefs-Lieux Des Départements, Arrêté Par La Gouvernement Le 25 Thermidor An XI, Et D'Une Table Raisonnée Des Matieres
    Édition Stéréotype, A Paris : De Imprimierie Et De La Fonderie Stéréotype De Pierre Didot L'Aîné, Et De Firmin Didot, An XII. - 1804
  • Titelblatt

    Civil Gesetzbuch der französischen Republik

    Lassaulx, Franz von ; Napoleon <I., Frankreich, Kaiser>
    Coblenz : in der Lassaulx'schen Buchhandlung ; Trier bei Linz : [Verlag nicht ermittelbar], [1802]-1805
  • Titelblatt

    Das badische Landrecht mit Einschluß des Handelsrechts und die Prozeß-Ordnung

    annotirt nach den Entscheidungen der badischen Gerichtshöfe und der badischen Doctrin ; unter Hinweisung auf die bezüglichen Gesetze und Verordnungen
    Kah, Karl Ludwig
    Freiburg im Breisgau : Literar. Anstalt, 1860