Ausgabe 
22.12.1866
 
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reit der 1

ber

In der Sitzung der Annexionscommission

vom 17. d., welcher Graf Bismarck beiwohnte, wurde der Vertrag mit Oldenburg, betreffend die Abtretung in Holstein und Zahlung einer Ent⸗ schädigung von 1 Million Thaler, mit 13 gegen 7 Stimmen genehmigt. Der König und der Kronprinz von Sachsen sind zum Besuche am königl. Hofe da hier eingetroffen. Der König von Preußen war denselben bis Großbeeren ntgegengefahren. Die Rückkehr wird am 19. d. erfolgen.

In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 18. wurde das Etatgesetz gemäß den Be schlüssen der Vorberathung definitiv angenommen. Der Ministerpräsident hatte erklärt: Wiewohl beschlossenes Budget die wesentlichen Forderungen der Regierung zurückweise, werde dieselbe jedoch versuchen, damit durchzukommen, um die Achtung des Budgetrechtes des Hauses zu bethätigen.

In dem Entwurse der Bundesverfassung

soll der zu gründende Bund als ein unauflos-

In die Militärcommisston des Bundestages dürften preußischerseits be⸗ deutende, in den letzten Ereignissen bewährte Persönlichkeiten gewählt werden

In der Abendsitzung des Abgeordneten hauses vom 18. d. hat dasselbe die Regierungs- vorlage über die Genossenschaften mit unwesent lichen Amendements, nach der Fassung der Commission, angenommen, nur Paragraph 4 der Regierungsvorlage(Bestätigung durch den Ober präsidenten) wurde abgelebnt.

Hannover. Der hannoverschen General- Adjudantur Geschäftsräume und Papiere sind mit Beschlag belegt und versiegelt worden; wie dieN. H. Z. angibt, weil dieselbe fortgefahren habe, als Behörde sich zu geriren. Andere Blätter wollen daneben wissen, daß Acten ermittelt werden sollten, welche auf ergangene Requisition als nicht vorhanden bezeichnet seien.

Eine Anzahl militärpflichtige Leute, großen⸗ theils Hannoveraner, welche sich obne Legitima- tionspapiere nach Amerika begeben wollten, sind im Bremerhaven von preußischen Offizieren und Soldaten festgebalten worden.

Die Zahl der Suspendirungen ist größer,

licher bezeichnet sein.

als die bisherigen Mittheilungen vermuthen ließen, man berichtet von etwa 16 20 höheren Beamten; ebenso nehmen die Internirungen

einer Anzahl Personen in die Festung Minden ihren Fortgang.

Frankfurt. Die Einführung der beiden ersten Theile des Strafgesetzbuches für die preu ßischen Staaten vom 14. April 1851 nebst Er- gänzungsgesetzen innerhalb des Frankfurter Ge⸗ bietes soll bevorstehen und die darauf bezügliche Verordnung bereits erlassen sein.

In der Sitzung der Bundesliquidations- tommission vom 6. wurde von dem Vorsitzenden in Betreff der Pensionirung der Beamten des vormaligen Bundes bemerkt, daß die betreffenden Beamten mit dem 1. Januar 1867 als pensionirt zu betrachten sein dürften, nach der bisherigen Praxis vis zum 31. März im Bezuge der vollen Gehalte bleiben und von da an die noch näher zu bestimmende Pension erhalten sollen.

Sachsen Am 7. und 8. d. M. ist die letzte, am 30. April k. J. fällige Rate der sächsischen Kriegsentschädigung mit 4 Millionen Thalern unter Abrechnung des vertragsmäßigen Discontos von 5 pCt. in Berlin baar eingezahlt worden, so daß die gesammte, von Sachsen an Preußen zu zahlende Summe von 10 Millionen Thalern gegenwärtig bereits vollständig abge⸗ tragen ist.

Bayern. Zufolge allerböchst genehmigten Be⸗ schlusses des Finanzministeriums beginnt nunmehr die Ausgabe von 15 Millionen Gulden unverzins- licher Cassenanweisungen zu 2, 5 und 50 Gulden.

Mheinbayern Die kürzlich in Neu- stadt abgehaltene Gentralversammlung des Pro- testantenvereins der Pfalz war aus allen Theilen von etwa 500 Theilnehmern besucht Nachdem Herr Pfarrer Gelbert, Anwalt Louis aus Landau und Kirchenrath Schenkel aus Heidelberg ge⸗ sprochen, letzterer in einem mit größtem Interesse

aufgenommenen Vortrage über die Aufgabe des Protestantismus, wurden von der Versammlung einstimmig fünf Resolutionen angenommen, deren wesentlicher Inhalt sich auf nachstehende Punkte bezog: 1) unbedingte Zustimmung zu den von der letzten Generalversammlung gefaßten unions freundlichen Beschlüssen; 2) auf ein Festhalten an dem Bestreben und Verlangen, daß die oberste Kirchenbehörde die stetige Fortentwickelung der protestantischen Kirche der Pfalz auf unionsfreund licher Grundlage und innerhalb fassungsmäßigen Bewegungsgebietes der Kirche un ausgesetzt und mit aller Thätigkeit fördere. Dem in der Versammlung vorgelegten berichte entnebmen wir, daß die Zahl der Ver einemitglieder sich auf 20,000 und sein Ver mögensstand auf 12,666 fl. 14 kr. beläuft.

Oesterreich. verschiedenen Provinziallandtagen sind nunmehr beendigt. Dieselben haben gezeigt, daß eine Reform der österreichischen Verfassungsverhältnisse im Geiste unserer Zeit zur dringenden Noth- wendigkeit geworden ist.

Frankreich. DerMoniteur zeigt an, daß der kaiserliche Hof nach Paris zurückgekehrt ist. Gleichzeitig veröffentlicht derselbe den zwischen Frankreich und Italien wegen Regulteung der päpstlichen Schuld abgeschlossenen Vertrag. Der auf Italien entfallende Antheil der Schuld be

trägt 13⅜ Millionen Rente. Italien bezahlt am 15. März die drei letzten Semester mit 20% Millionen in Silber. Der verbleibende

Rest wird in italienische Rente umgetauscht.

Nach den neuesten Nachrichten wird die Kaiserin am 26. d. nach Rom abreisen.

Italien. Die Thronrede König Victor Emanuels soll in Berlin wegen des gänzlichen Todschweigens der Verdienste, die sich Preußen um die Einigung Italiens erworben, einen un⸗ angenehmen Eindruck hinterlassen, dagegen in Paris eine sehr günstige Stimmung hervorge- rufen haben, so daß der Kaiser Napoleon den König Victor Emanuel wegen der in seiner Thronrede ausgesprochenen versöhnlichen Politik beglückwünscht habe.

Nußland. Immer lauter erheben sich in

Rußland die Stimmen für ein Bündniß mit Preußen, das auch von den Interessen des inter- nationalen Verkehrs, des Handels und der In- dustrie geboten erscheint. Indeß wünschen die Organe der russischen Handelswelt nicht einen ein- seitigen Handelsvertrag allein mit Preußen, sondern auch mit Oesterreich. Beide Länder mit ein- ander wetteifernd, werden in solchem Falle Ruß⸗ land größere Vortheile einräumen. Frankreich und Rußland haben ein Arrangement für den Wiederaufbau des Domes der Heiligen-Grab-Kirche in Jerusalem abge schlossen. Der französische und der russische Bot- schafter werden in Konstantinopel verlangen, daß man die Häuser entferne, welche die Umgebung der Kirche verunstalten.

Friedberg. Beranlaßt durch unsere Nachricht aus Mainz in voriger Nummer wird uns mitgelbeilt, daß der biesigen Blindenanstalt in diesen Tagen auch 30 fl. von dem Stadlvorstande zu Offenbach und 30 fl. von der Spaar- und Leihkasse zu Ortenberg brwilligt wor; den seien.

tainz. Zu einem im Gartenfelbe wohnenden Zimmer⸗ meister kam vor einigen Tagen ein anscheinend dem Arbeiter- stande angehöriger Mann mit einem Gruße von dem Be⸗ sitzet eines nahegelegenen Steinkohlenlagers und dat, m für Letztern einen Fünfzigtbalerschein zu geben, da der⸗ selde einen solchen mit der Pest verschicken wolle. Der Zummermeister demerkte ihm, daß er ihm nur Zehnthaler⸗ scheine geben könne, worauf der Arbeiter meinte, da müsse er doch erf fragen, ob das seinem Herrn gecht sei. Sprachs und ging ver den Augen des Jimmeymeisters in das Steinkehlenlager, von we er gleich nachber berauskam und die Mittheilung machte, daß fünf Zehnthalerscheine, wenn es sich einmal nicht anders machen ließe, seinem verrn schon recht seien. Er 1 dieselben und ver⸗ schwind. Einige Stunden spater kam unser Zimmer⸗ meister an dem Sieinkohlenlager vorbei, guckte hinein und rug, ob das Geld gestiimmt babe eine Frage, die den sohlenhändler, der von der ganzen Geschichte nichts wußte, vöchlichst überraschte. Noch größer war aber die Ueber-

des kirchenver⸗

Rechenschafts

Die Adreßdebatten in deu

Frankfurt Die preußische Reglerung

beiden ersten Reiben Spertsitz für die Pertren Offiztere und die Errichtung einer königlichen Loge von der Theater- Akstengesellschaft gefordert.

Wiesbaden. Noch in de letzten Tagen vor Schluß der dießahrigen Spielsasson bat das unglückliche Spiel im Kursanle ein Opfer gefordert. Ein junger Mann, der Sobn einer sehr achtbaren Familie, ein Preuße hielt fich einige Wochen hier auf, verspielte große Summen m Kur saale und kehrte alsdann in seine Delmath zurück. Unterwegs zeigten sich bei iom Spuren von Geistes⸗ zerrüttung und völlig wahnsinnig kam er zu Hause an.

an brachte ihn sofort in eine Irrenanstalt und hoffle,

Nach acht Tagen

bat die

Edoch vergebens, auf seine Genesung. [Part der Unglücktiche.

Rom. mtc dasGiorn. di Roma miltheilt, haben die seit dem September 1859 gesammelten Spenden für

ba Peterspfennig einen Betrag von 53 Millionen Frcs.

reicht.

London. In einer Kohlengrube zu Bransley hat leine Explosion stattgefunden. 3000 Personen sollen dabei [das Leben eingebüßt haben. Die Grube ist ganz geschlossen.

Außerdem hat auch in der Kohlengrube ver eine Explosion stattgebabt.

Ein Berliner Arbeiter, der seiner drei muthwilligen Kinder halber seine Wohnung zu verschiedenen Malen verlassen mußte, kam auf den Gedanken, sein letztes Baar⸗ vermögen für einen Eisenbahnwaggon 3. Klasse hinzugeben. Diesen hat er mit Erlaubniß an der Wrangel⸗ und Man⸗ leuffelstraßen Ecke auf einer Baustelle aufgestellt und sich mi Frau und Kindern darin häuslich eingerichtet. Er st jetzt einer der Wenigen, die weder Miethe noch Mietbs⸗ steuer und Schornsteinsegergeld bezahlen. Wird die Stelle

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erbaut, so fährt er weiter. Die Baustellenbesitzer geben gern die Erlaubniß zum Ausstellen des Wagens, weil ste dann immer Jemanden auf dem Platze haben, der

Kauflustigen das Näbere über die Baustelle mittheilen kann.

Landwirthschaftliches und Gewerbliches.

Klelfler zun Aufkleben von Flaschen⸗ setlketten. Wie das Polpt. Notizbl. berichtet, erhalt man einen sehr guten Kleister zum Aufkleben von Flaschen⸗ etiketten, wenn Tischlerleim in starkem Essig aufgeweicht und erhitzt und die Masse wäbrend des Kochens mit einen Mebl verdickt wird, Dieser Kleister beftet sehr gut und kann in einem weitbalsigen Gefäß mit einge⸗ schliffenem Stöpfel in weichem Zustand ohne zu faulen aufbewahrt werden. Belm Gebrauch nimmt man etwas davon mit einem kleinen Spatel heraus, erwärmt den Kleister mittelst der Kerzenflamme, wenn es nötbig ißt, ihn dünuftussiger zu machen, und streicht ihn auf das Papier.

Impfung der Lungenseuche. Der Thierarzt Duat in Valenciennes bat sich bestredt, Mittel aufzu⸗ finden, um dem Mislingen der Impfung der Lungen⸗ seuche vorzubeugen und glaubt das Ziel auf folgende Weise erreicht zu haben: Er dedtent sich zur Operation etner platten, mit Riemen dersebenen, leicht gebogenen Nadel mit scharfer Spitze. Den Impfstoff nimmt er aus der noch warmen Lunge der gefallenen Thiere, in⸗ dem er zugleich Blut und Schleim aus preßt und in einem gläschchen durch Schütteln mischt. Obne Blut ist der Impfstoff oft unwirksam. Duat impft am Schwanze, etwas derhald des Haarbüschels, dringt ader die Lymphe nicht tlefer als nötbig unter die Paut. Jede Verwundung dermeldet er sorgfältig; sollte doch etwas Blut bervorkommen, so wird dasselbe abgewischt.

Mitgetheilt von Cbr. Pecht, Spee ⸗Agent in Friedberg.

Hamburg. Das Hamburger Poftdampfschiff Ger- manila, Capt. Eblers, welches von New Pork am 8. Dezember abging, ist nach einer außergewöhnlich schnellen und glücklichen Reise von 9 Tagen 22 Stunden, wohlbehalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselbst die Vereinigte Staaten-Post sowie die für England und Frankreich bestimmten Passaglere gelandet, unverzüglich die Reise nach Hamburg fortgesetzt Dasselbde bringt 116 Passaglert, volle Ladung und 560,634 Dollars Contanten.

Eingesandt.

(Theater in Frledberg.) Ote Vorstellung der Preciosa- am vergangenen Mittwoch war in jeder Be⸗ ziebung eine glänzende zu nennen Gutes Spiel aller Miliglleder, schöͤne Garderobe und ein ausreichendes Per⸗ sonal vereinigten sich, um den Zuschauern einen recht genußreichen Abend zu bereiten. Die Beneficiantin, Frau Kern, deren Talent wir schon so oft dewunderten, zeichnete sich auch dieemal aus. Das überfüllte Daus lohnte ihr durch Blumenspenden und mehrfachen Pervorruf.

Bis jetzt ist es der Dtrection vortrefflich gelungen, sich die Spmpathlen der biesigen Theaterfreunde zu er⸗ balten, Seit langer Zelt daden wir aber auch keine Gesellfcaft dier gehadt, deren einzelne Mitglieder es so verftanden haben, durch gutes und inelnandergretfendes Spiel zu fessen Von Herzen wünschen wir Hetrs Kern den gleichen Erfolg dis zum Ende seines biesigen Aufenthaltes. Ein Tbeaterfreund.

Soeben ist bei uns eingetroffen:

Hampelmann im Eril.

raschung unseres Zimmermeisters, als er erfuhr, daß et durch einen raffinsrien Gauner geprellt worden, der aller dings vor seinen uugen in das Kohlenlageß gegangen war, aber dort uc eine ganz gleichgültige Frage gestellt hatte.

Von Friedrich Stoltze. Preis 6 kr.. Bindernagel& Schimpff.