wurde mit 26 gegen 9 Stimmen abgelehnt, die beiden obigen Gesetzentwürfe, sowie ein auf pro— visorische Ausdehnung der hessischen Steuergesetz- gebung(mit Ausnahme der Grundsteuer) gerich- tetes Amendement des Berichterstatters Krafft wurde mit 26 gegen 9 Stimmen angenommen.
— Kriegsministerialrath Oberst Schwaner ist in den Ruhestand versetzt worden.
v. Friedberg. Wenn die Beziehungen zwischen Friedberg und Nauhelkm seither schon intim waren, so sind dieselben durch die Ver— einigung Nauheims mit unserem Großherzogthum, resp. mit dem Kreis Friedberg, nur noch inniger geworden. In Ihrem Blatte ist unlängst über die Verkebrswege zwischen beiden Städten die Rede gewesen und wurde der sogenannte Stetter- weg zur Verbesserung und Chausstrung empfohlen. Wir haben gegen diesen Vorschlag Nichts einzu- wenden, meinen aber, daß auch der seitherige Wiesenweg zu verbessern und möglichst in gerader Linie, von Kastanienbäumen beschattet, bald, d. h. in den nächsten Monaten, anzulegen sei. Wir glauben nicht nöthig zu haben, die gegenseitigen Vortheile, welche beiden Städten von einander er wachsen, hervorzuheben; sie sind bekannt und der seither schon rege Verkehr wird täglich zunehmen. Ebenso bekannt sind aber die Mängel des Fuß⸗ wegs, welcher sich zwischen erbärmlichen Obst⸗ bäumchen, durch einen unheimlichen Tunnel unter dem Gradirbaue und an glühender Asche vor— bei windet. Diesen Uebelständen müßte unter allen Umständen alsbald abgeholfen werden. Noch börten wir aber nicht, daß von Seiten der Vor- stände beider Städte, resp. auch der höheren Be⸗ hörde, diese Sache, die so sehr im Interesse des Publikums liegt, in's Auge gefaßt und nur irgend Etwas geschehen wäre. Von Seiten der Kur- haus- Administration dürfte eintretenden Falls sicherlich petuniäre Unterstützung zu erwarten sein. Zugleich erscheint uns als Pflicht derselben Be- hörden unter den nunmehrigen Verhältnissen auch dahin zu wirken, daß die enormen Eisenbahn⸗ Fahrpreise der Strecke Friedberg⸗Nauheim baldigst entsprechend herabgesetzt werden. Was liegt daran, ob das Eisenbahnpersonal mehr Arbeit oder Un⸗ bequemlichkeiten hat. Wir theilen ganz die sich immer mehr geltend machende Ansicht, daß Post⸗ und Eisenbahnbehörden namentlich, überhaupt aber alle Behörden nur für das Publikum da sind, dieses aber nicht für die Behörden, und er⸗ achten deßhalb Einwände gegen Ermäßigung des beispiellos hohen Fahrpreises zwischen Nauheim und Friedberg, wie wir solche schon vernehmen mußten, als durchaus nicht gerechtfertigt, sondern für gänzlich falsch und verwerflich. Die Fahrt auf der Strecke Friedberg⸗Nauheim dürfte im Verhältniß zu den Preisen anderer gleich großen Entfernungen höchstens 9 kr. für Hin⸗ und Rückfahrt betragen und sollten die Retourbillete für diese Strecke nicht ausgeschlossen sein.
— In eiuer am 22. d. M. dahier abgehal⸗ tenen Versammlung zur Besprechung über die Wahlen zum norddeutschen Reichstag, zu welcher öffentlich eingeladen worden war, wurde die Wahl eines Comite's von 10 Mitgliedern vorgenommen und dasselbe ermächtigt, noch weitere Mitgliede. bis zu 20 zuzuziehen. Das Comite wird sich mit den zum Wahlbezirke gehörigen Orten in Verbindung setzen um überall eine rege Bethei⸗ ligung an den Wahlangelegenheiten wach zu rufen, es soll ferner bei dem Centratcomite in Gießen die baldige Abhaltung einer größeren Versamm⸗ lung in Mitte der Provinz beantragen und Fried- berg hiezu in Vorschlag gebracht werden.
* Nauheim. Der Großh. Justizminister von Lindeloff war am 28. d. dahier an⸗ wesend, um von den hier vorhandenen, zum Ge⸗ richtelokale geeigneten Gebäuden Einsicht zu nehmen. Unsere Hoffnungen, daß der Stadi Nauheim eine Gerichtsstelle verbleiben soll, sind hierdurch vermehrt.
Gießen. Im gegenwärtigen Wintersemester
studiren hier: Theologen 44, Rechtswissenschaft 50, Mediein 75, Thierarzeikunde 10, Cameralwissen⸗ schaft 36, Architectur 32, Forstwissenschaft 32, Philosopbie und Philologie 53, Pharmacie und Chemie 17, im Ganzen 349.
Mainz. Den Landwehrmännern des 32. Regiments ist am 23. d. M. eröffnet worden, daß ihnen der König die Rückkehr in die Heimath gestattet hat. Sie werden morgen oder über— morgen in der Anzahl von circa 1100 Mann per Eisenbahn nach Hause gebracht. Großer Jubel herrscht unter der geprüften Mannschaft und die Bürgerschaft nimmt den lebhaftesten An- theil an der glücklichen Wendung ihres Schicksales.
Preußen. Berlin. Die Wahlagitation für das norddeutsche Parlament hat dahier mit einer großartigen Versammlung von wenigstens 4000 Menschen begonnen unter dem Vorsitze von Löwe-Calbe. Die hierbei einstimmig angenom— menen Resolutionen sprechen die Nothwendigkeit eines die ganze deutsche Nation umfassenden Bun— desstaates aus, der nur möglich sei, wenn einer— seits die mit dem constitutionellen Königthume Preußen verbundene Centralgewalt für Ehre und Macht nach Außen sorgt, und andererseits ein aus freien Volkswahlen hervorgegangenes Parla- ment für die Freiheit im Innern der Nation die unerläßlichen Bürgschaften bietet. Als erste Grund— rechte der Nation werden verlangt: Allgemeines deutsches Bürgerrecht mit Freizügigkeit; Freiheit der Arbeit und des Verkehrs, unbeschränkte Preß— und Associationsfreiheit, und das allgemeine gleiche Wahlrecht mit geheimer Abstimmung als Schluß— stein des Ganzen und nothwendige Bürgschaft aller anderen Rechte und Freiheiten.
— Das Herrenhaus hat in seiner heutigen Sitzung das Budget in der vom Abgeordneten⸗ hause angenommenen Fassung genehmigt, unter der Erklärung des Bedauerns über die vorgenom— menen Streichungen; ferner wurden die Annexions— gesetze über die Elbherzogthümer, über die bayeri— schen und hessischen Landestheile, sowie der Ver— trag mit Oldenburg nebst der Entschädigungs— summe des Großherzogs angenommen.
— Nassau, Frankfurt, die oberhessischen und bapyerischen Landestheile sollen nicht eine eigene Provinz bilden, sondern der Provinz Kurhessen zugetheilt werden.
— Bezüglich der am Weihnachtsabend zur Vertheilung gelangten Dotation von 1½ Mill. hört die„Berl. Börs.⸗Ztg.“, daß selbige der Art erfolgt sein soll, daß dem Ministerpräsidenten die Summe von 400,000 Thlr., dem Kriegsminister 300,000 und den Generalen Moltke, Steinmetz, Herwarth v. Bittenfeld und Vogel v. Falckenstein je 200,000 Thlr. übermacht sein sollen.
— Nach der„Rhein. Ztg.“ herrscht unter den aus dem Kriege heimgekehrten Landwehrleuten und Reservisten Arbeitslosigkeit und große Armuth. Die Dinge seien so weit gediehen, daß das Polizei- präsidium dem Berliner Krieger-Unterstützungs- Comite die Genehmigung ertheilt hat, zur Mil- derung der Noth, die unter den heimgekehrten Kriegern herrscht, in den nächsten Tagen eine Hauscollecte zu veranstalten. Angesichts solcher Thatsachen kann man allerdings eigenthümliche Gedanken bekommen, wenn einem gerade das Dota— tionsgesetz einfällt.
Frankfurt. Die Haupt⸗Steueramts⸗Casse (Zollamt) macht bekannt, daß von Anfang künf⸗ tigen Jahres an die Einlösung der fälligen Zins- coupons von k. preußischen Staats schuld⸗Verschrei⸗ bungen, sowie der ausgeloosten oder gekündigten Obligationen bei ihr in den Vormittapsstunden von 9 bis 11 Uhr stattfindet.
Homburg. Die Garnisonsfrage ist nun- mehr nach dem Wunsche unserer Bürgerschaft fest⸗ gestellt Wir werden nicht Kavallerie, welche der Gemeinde bedeutende Kosten für die Erbauung von Stallungen ꝛc. verursachen würde, sondern ein Infanteriebataillon als städtische Besatzung erhalten.
Usingen. Am 16. d. kamen Mitglieder der verschiedenen, an Orten der Nord- und Südseite des Taunus bestehenden Comite's für Erbauung einer Fortsetzung der Homburger Eisenbahn nach dem Lahnthale hin— hier im Gasthaus„zur Krone“ zusammen. Es mögen etwa 30 Männer anwesend gewesen sein, und die Verhandlungen hatten das Ergebniß, daß ein gemeinschaftlicher Ausschuß zur weiteren Behandlung der Sache
gewählt wurde.
Bayern. burg die Urtheilspublication gegen einen Soldaten des Genie Regiments wegen des gegen einen preußischen Hauptmann im Bahnhose zu Aschaf⸗
Am 18. d. erfolgte zu Würz⸗
fenburg verübten Attentates. Das Kriegsgericht verurtheilte den Angeschuldigten zu 4 jährigem Zuchthaus und Fortweisung aus dem Heere.
Spanien. Das Haus Fould hat mit der Regierung ein Anlehen von 90 Millionen ab- geschlossen.
Friedberg. Als Gegenstück zu der Brunnengeschichte vom Jahre 1542 unter den„alten Geschichten“ in heu— tiger Nummer des Anzeigers theilen wir mit, daß am 20. d. M. Abends 11 Uhr ein fremder Mann in ben 80 Fuß tiefen Brunnen bei der Hofraithe des hiesigen Gemeinderaths Reuß am Fauerbacher Thor fiel. Des Unfalls wurde man glücklicherweise alsbald gewahr und gelang es den vereinten Bemühungen einiger kräftiger Männer, die sich bald zur Stelle befanden, den Mann nach mehreren vergeblichen Versuchen lebend und äußer⸗ lich unverletzt berauszuziehen und nach dem Hospital zu verbringen. Man vermuthet, daß sich der Betreffende, ein die Märkte besuchender Hausirer aus Sachsen, in die Reuß'sche Hofraithe einzuschleichen gedachte, um wahrschein⸗ lich daselbst in einem Stalle oder sonst wo ein billiges Nachtlager zu suchen, freilich wohl nicht in den nassen Tiefen, wo er leicht sein Grab hätte finden können.
* Der wegen betrügerischen Bankerotts steckbrieflich ver⸗ folgte Wolf Isaak von Edenkoben soll in Bremen ver⸗ haftet worden sein. Derselbe ist Theilhaber an der in der Gemarkung Niedermörlen liegenden„Kaisergrube“, und und ist sein Antheil bereits zum Verkaufe ausgeschrieben.
Nidda. Auf Anregung des hiesigen Stabtvorstands haben die Lehrer der hiesigen Stadtschulen sich bereit er⸗ klärt, in einer zu gründenden Fortbildungsschule den Unter⸗ richt zu ertheilen. Gegen 80 junge Leute haben sich zum Eintritt gemeldet.
Günzburg. An ber Straße von hier nach Bubes⸗ heim steht auf einem Hügel ein Denkmal in Form einer Pyramide. Auf der Vorderseite des Monuments befindet sich das nassauische Wappen aus weißem Marmor, und ist zu lesen:„ier sagte der Herzog Adolf von Nassau seiner braven Armee das letzte Lebewohl, ein schweres Opfer zum Wohle— Deutschlands.“ Links an demselben, Günzburg zugewendet, steht:„Zur Erinnerung an die treue nassauische Armee von ihren Freunden in Günz⸗ burg.“ Rechts an demselben ist kurz angebracht:„Am
8. September 1866.“
* Ein Druckfehler. Die„Hess. Landes⸗Ztg.“ be⸗ richtet in ihrer Nummer vom 27. d. M. von einem Weihnachtsgeschenke, das den Frankfurtern durch Einführung des preußischen Strafgesetzbuches zu Theil ge⸗ worden, und sagt dabei„der großmüthige Ger ber ist König Wilhelm.“— Das erinnert uns an einen ähnlichen Druckfehler, den wir in einer Predigt fanden, dort hieß es:„Einen fröhlichen Ger ber hat Gott lieb!“
* In Preußen erreichen die Pensionirungen von Offizieren eine erstaunlich große Zahl. Bei einer frühe⸗ ren Verhandlung im Abgeordnetenhaus ist schon sehr treffend auf den„scharfen Zugwind an der Majorsecke“ hingewiesen worden, durch welchen so viele Mllitärs dienstunfähig werden. In dem Etat für 1867 find 1220 Mojors als penstonirt bezeichnet, pensionirte Oberst⸗ lieutenants 470, Oberfle 236, Generalmajors 140, Generalltentenants 110, Generale der Infanterie und Cavallerie 24. Die 1220 Majors deziehen im Ganzen 816,334 Thaler.
Amerikanische Wasser leitung. Der große Tunnel, der unter dem Michigansee gegraben worden ist, um Chicago mit Wasser zu versehen, ist vollendet. Der⸗ selbe ist fast zwei Meilen lang und zieht sich 80 Fuß unter dem Bette des Sees, zunächst unter einer Thonschichte, hin. Die Arbeiten begannen am 17. März 1864 und wurden ohne einen einzigen Unfall zu Ende geführt. Der Tunnel faßt 37,000,000 Gallonen Wasser und wird im Frühjabr, zugleich mit den zur e Wassers durch die Stadt aufgestellten Maschinen, Benutzung übergebeu werden.
Theater in Friedberg. Wochenbericht.
Freitag den 21. Dezember.„Deborah,“ Volks schauspiel in 4 Abtheilungen von Mosenthal. Frau Kern war ganz in den Geist ihrer Rolle eingedrungen und führte die Deborah charakteristisch und mit Energie meister⸗ haft durch. Auch Herr Wagenbrunner, der Ortsrichter, Herr Böffinger, Joseph, und Herr Mackauer der Schul⸗ meister leisteten Verdienstliches.
Sonntag den 23. Dezember.„Stessen Langer aus Glogau“, Original⸗Lustspiel von Ch. Birch⸗Pfeiffer. Eines von den älteren effeckreichen Stücken derselben, welches sehr gut gegeben würde. Schade, daß wegen des folgenden Weihnachtstages das Haus weniger besucht war.
Mittwoch den 28. Dezember.„Einen Jux will er sich machen“, Originalposse mit Gesang in 4 Akten von Nestroy. Dieser Jux erregte auch in dem vollen Haus einen stürmischen Jux. Der vacirende Hausknecht, Herr Mackauer, war klassisch. Herr Böffinger, Weinberl, und Frau Kern, Christopherl, führten ihren Jux famos als verfluchte Kerls durch. Herr Wagenbrunner, Zangerl, sowie die Uebrigen vereinten sich, den Jux so pikant komisch wie möglich zu machen. Das Publikum, besonders von
oben, jauchzte, klatschte und juxte und verließ in sehr heiterer Stimmung den Saal. M.
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