Ausgabe 
27.10.1866
 
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1868 inel. dienstpflichtig werdenden jungen Leuten

stimmt die Verordnung, daß den bis zum Jahre Preußen und Meiningen abgeschlossenen Friedens- vertrags ist in seinen wesentlichen Punkten folgen- Bildung der: Beitritt des Herzogthums zu dem nord- ssen sein soll. Vergl. Berlin. deutschen Bund, Verbleiben im Zollderein, Be Die Regierung soll die Errichtung einer seitigung des Thurn und Taxis'schen Postwesens, Kriegsschule dahier beabsichtigen. Zahlung der Kosten für das preußische Felbpost⸗ Frankfurt. Die Mitglieder der Bundes- relais in Meiningen, unbeschränkte Anlegung liquidations Commission sind bis auf und Benutzung von, Telegraphen, Abtreten der wenige(Bayern, Hessen und Luxemberg) dahier Hoheitsrechte des Herzogs in dem Dorfe Abt eingetroffen, sie waren bereits zu einer Sitzung Löbnitz an den König von Preußen und schließlich vereinigt und constituirten sich gemäß des Prager Auspfarrung mehrerer bisher in meiningischen Friedensvertrags alsCommission behufs Aus- Parochien gelegenen preußischen Filialen. einandersetzung des bisherigen Bundeseigenthums. Würtemberg. Auf Anordnung des Kriegs- Die von Ulm und Augsburg zurückverbrachten, ministeriums werden vom 1. Dezember an in noch 450,000 fl. betragenden Bundesgelder, so- sämmtlichen Garnisonen des Landes militärwissen wie vom Hause Rothschild deponirte ca. 6 Mill. schaftliche Vorträge für die jüngeren Ofsiziere Werthpapiere und die Akten des Bundestages veranstaltet werden. und der Bundesmilitär-Commission wurden in Baden. Die Debatte in der Ab⸗ Verwahrung genommen. 3 n geo rdnetenkammer über den Waffenstillstands- Der Hirtenbrief des Bischofs von Lim- und Friedensvertrag drehte sich zumeist um die burg schmeichelt dem Könige von Preußen, weil Frage eines unbedingten oder eines bedingten

Nachweis einer wissenschaftlichen

er die Krone vom Altare des Herrn Anschlusses Badens an den norddeulschen Bund. genommen habe und erkennt an, daß die Der Commissions- Antrag wurde schließlich nach

katholische Kirche in Preußen verfassungsmäßig eine würdigere, ihrer göttlichen Stiftung und Sendung angemessenere Stellung einnimmt, als anderwärts! Der Hirtenbrief führt weiter an, daß von Preußen für die Einheit und Freiheit Deutschlands noch Großes zu erwarten sei.

F. Homburg. Vor einigen Tagen hat dahier eine Versammlung von Beamten und Bürgern aus Homburg und Friedrichsdorf statt⸗ gefunden, um wegen Erbauung einer Eisenbahn von Homburg nach dem Lahnthal zu berathen. Man entschied sich für keines der vorliegenden Projekte, sondern beschloß, da jede Fortsetzung der Homburger Bahn im Interesse Homburgs liege, in diesem Sinne thätig zu sein und nach allen Seiten hin Verbindungen anzuknöpfen. Eine Bahn von Homburg nach Friedberg dürfte wohl als wichtigste Verbindung mit dem Norden zunächst ins Auge zu fassen sein.

Die Truppen des ehemals hessen-hom⸗ burgischen Contingents tragen seit dem 17. d. die schwarz⸗ weiße Cocarde. Sie gehen fast sämmtlich auf unbestimmte Zeit in Urlaub.

Wiesbaden. Die Reste der nassauischen Truppen haben nunmehr ebenfalls dem Könige von Preußen als neuem Kriegsherrn den Fahnen⸗ eid geleistet.

zweitägiger Debatte angenommen, wornach mit aller Entschiedenheit jede irgend mögliche Annähe- rung an Preußen und den norddeutschen Bund erstrebt werden soll. Von mehreren Seiten wurde gegen Ueberstürzung der Sache gesprochen, worauf der Ministerpräsident v. Frepdorf sagte:Für uns ist der Anschluß an den norddeutschen Bund eine Existenzfrage; er ist zudem der einzig mög liche Weg zur Rettung der Einheit Deutschlands. Preußen und der norddeutsche Bund können ohne uns existiren, ja, sie sind in der Vertheidigungs stellung vielleicht stärker ohne uns, als mit uns.

Auf Fürsprache des Königs von Preußen hat der Großherzog von Baden den in Bruchsal einhaftirten Oskar Becker mit der Bedingung begnadigt, sofort das Land zu verlassen und nie mehr das Gebiet eines deutschen Staates zu betreten.

Oesterreich. In militärischen Kreisen ist die Rede von einem neuen Heeresergänzungsgesetz, wonach das bisherige jährliche Rekrutenkontingent um beiläufig die Hälfte erhöht, also circa auf 120,000 Mann gesetzt werden soll.

Aus Paris wird gemeldet, daß Kaiser Maximilian an seinen kaiserlichen Bruder ein Schreiben gerichtet habe, worin er seine bevor⸗ stehende Abdankung, sowie die Absicht kundgibt, nach Oesterreich zurückzukehren.

UÜsingen. Zur öffentlichen Verkündigung Der Gemeinderath von Wien faßte in des königl. Besitzergreifungspatents vom 3. Oct. seiner jüngsten Sitzung eine Resolution, welche die hatte man bier den 18. Oct. ausersehen und Nichtzulassung der Jesuiten in und um Wien aus- größere Festlichkeiten arrangirt. Nachmittags fand sprach und beantragte die Rechtssection, in Be eine kirchliche Feier, Abends Fackelzug statt. rathung über die geeigneten Schritte zur Ver⸗ Aufstellung des Festzugs auf dem Marktplatz, hinderung zu treten.

Verlesung des Patentes, Festrede, Gesang, drei⸗ Der österr. KriegsdampferElisabeth hat maliges Hoch auf den König, Illumination der vom Kriegsministerium den Befehl erhalten, so Stadt, Festball und Tanzmusik bildeten die Haupt- gleich nach Mexiko abzugehen.

momente der Feier. Wiener Blätter wollen bestimmt wissen,

Sachsen. Die Stadtverordneten in Leipzig daß dennoch Baron v. Beust demnächst zum haben sich mit 40 gegen 13 Stimmen für einen be: Minister des Auswärtigen ernannt werde. schleunigten Friedeusschluß erklärt, und unter einem Der Kaiser setzt seine Reise durch die solchen Anschlusse an den norddeutschen Bund, vom Kriege beschädigten Provinzen fort und hat daß die Wiederholung der jüngsten Politik Sachsens Olmütz, Prag und andere Stadte besucht.. für immer unmöglich wird. Feldzeugmeister Ritter v. Benedek, Feld

Eine in Dresden stattgehabte Volks- marschall⸗Lieutenant Freiherr v. Henikstein und versammlung hat beschlossen, bei der Landescom⸗ Generalmajor Krismanic wurden penstonirt. mission gegen den Zusammentritt der reactivirten Der General Graf Gyulay, welcher in Stände, welche weder rechtlich noch sachlich Volks⸗ dem italienischen Feldzuge von 1859 die öster⸗ vertreter seien, zu protestiren, ferner eine Petition reichische Armee commandirte, ist an einem Schlag- um sofortige Wahlen zu einer verfassungsmäßigen flusse gestorben Volksvertretung einzureichen. Schweiz. Die in Aarau behufs Wahl

Das Gerücht von der Abdankung des eines Systems für Hinterladung zur Einführung Königs findet neuerdings wieder mehr Glauben, in der schweizerischen Armee versammelten Ex- man spricht von einem königl. SchreibenAn perten haben sich dahin entschieden: 1.Fur mein Sachsenvolk, welches die Abdankung zu Einführung einer Waffe sind die Studien und Gunsten des Kronprinzen demnächst verkündigen soll. Proben fortzusetzen; 2. Für Umwandlung der

1 Die Festung Königstein wurde den Preußen bereits vorhandenen Gewehre der schweizerischen übergeben und übernimmt der preußische General Armee ist das von Professor Amtler in Schaff v. Briesen die Commandantur. hausen verbesserte SystemMilbank angenommen;

Die Ratification des Friedensvertrags mit 3. Für die Scharfschützen ist der neu verbesserte Preußen ist am 24. d. in Teplitz erfolgt. König Henry⸗Stutzen einzuführen und sofort eine An Johann wird in Dresden zurückerwartet. Die schaffung von 8000 Stück zu machen. Auf Armee wird theilweise aufgelöst. 1000 Schritt, mit diesem Henry-Stutzen geschossen,

Meiningen. Der Inhalt des zwischen saßen sämmtliche 15 Kugeln, mit welchen er ge

laden werden kann, in einer 6 Quadratfuß, und auf 300 Schritt 30 Kygeln in einer 1 Quadrat- fuß großen Scheibe. Mit 15 Kugeln geladen soll dieses Gewehr nur 10 Pfund wiegen und das Laden und Schießen nur zwei Bewegungen erfordern.

Frankreich. In Lyon herrscht eine große Noth unter den Arbeitern und es ist in den letzten Tagen zu einer großen, glücklicherweise ohne weiteres Unheil vorübergegangen Manifestation gekommen. Die arbeitslosen Seidenweber hatten sich vor der Präfectur zu 8 bis 10,000 versammelt und ent- sandten Abgeordnete an den Präfecten, um Ab⸗ hülfe ihrer Noth zu erlangen. Excesse kamen keine vor. Eine Hauptursache der Noth der Lyoner Arbeiter soll in den Launen der Tages- mode liegen. Die buntfarbigen und buntgewirkten Seidenstoffe werden jetzt nicht getragen. Man verlangt nur einfarbige, glatte Zeuge, die durch die Zuthaten der Näherin aufgeputzt werden.

K. Melbach. Unsere Gemeinde hat kürz lich zwei Feste begangen, welche ihr noch lange in Erinnerung bleiben werden und worüber wir eine kurze Beschreibung in Ihrem Blatte nieder⸗ legen möchten.

Am 16. Sept. d. J. waren es 25 Jahre, daß der Ortsgeistliche Herr Decan Blumhof sein Amt als Seelsorger in der Gemeinde Mel⸗ bach angetreten und seither dieses Amt zur großen Zufriedenheit der Gemeinde verwaltet und geführt hat, so daß er sich der Liebe und Anhänglichkeit feiner Gemeindeglieder in hohem Grade erfreuen kann. In seiner Festpredigt nahm derselbe Be⸗ zug auf sein 25jähriges Wirken in der Gemeinde und schilderte in seiner großen Bescheidenheit mit warmen Worten ein schönes Verhältniß, dessen ferneres ungetrübtes Bestehen ihm und der Ge⸗ meinde allezeit zum Segen gereichen werde. Am Nachmittag brachte der ganze Geme inderath, der Kirchen und Schulvorstand dem Jubilar seine Glückwünsche dar, worauf derselbe tief ge⸗ rührt dankte. Auch hat ihm die Gemeinde zur Erinnerung an diesen Freudentag einen schön verzierten silbernen Pokal mit passender Auf schrift verehrt.

Am verflossenen Sonntag, als am 20. Okt., waren es 50 Jahre, daß die freundliche Kirche zu Melbach erbaut und eingeweiht worden ist. Auͤch diesen Tag hat die Gemeinde würdig begangen. Herr Decan Blumhof hielt in der festlich geschmückten Kirche einen sehr gut ausgearbeiteten Vortrag, in welchem er der bei dem Bauen der Kirche thätig gewesenen Personen und der Gemeinde gedachte und durch seine bekannte Beredsamkeit die zahlreich versammelten Gemeindeglieder in eine der Feier würdige Stimmung versetzte. Der Nachmittag war dem geselligen Vergnügen bei Wirth Philippi und J. Marlof gewidmet, wo dieses Fest bei Tanz und Musik bis spät in die Nachteinen ungestörtenund schönen Verlauf nahm.

(Wir ergreifen diese Veranlassung, an die Herren Geistlichen, Bürgermeister und Lehrer die freundliche Bitte um Mittheilung kurzer Beschreibungen ähnlicher Feste oder anderer der Veröffentlichung werth scheinender Er⸗ eignisse zu richten, welche wir dankend entgegennehmen werden. Die Red.)

Friedberg. Die am 22. im Hotel Trapp dahier unter Leilung des Herrn Grafen von Solms-Laubach ab⸗ gehaltene dießjährige Generalversammlung des landwirth⸗ schaftlichen Vereins von Oberhessen erfreute sich, vom herr⸗ lichsten Wetter begünstigt, einer zahlreichen Theilnahme von nah und fern. Vor dem Versammlungslocale weren verschiedene Ackergeräthe und Maschinen von K. Häuser aus Fauerbach ausgestellt und im Sitzungssaale das, vom Bezirksverein Friedberg der hiesigen Ackerbauschule zur Disposition gestellte und vom Thüringer Gartenbauverein ausgegebene prachtvolle Obsteabinct, sowie eine Auswahl von Garten- land⸗ und forstwirthschaftlichen Geräthen aus der bekannten Fabrik von Dittmar in Heilbronn. Herr Lehrer Schlapp aus Röschen, bei Gießen überraschte die Obsifreunde mit einem Sortiment trefflicher Aepselsorten, welche aus Kernen ohne Veredlung gezogen worden waren.

Die Generalversammlung wurde nach vorausgegangener Ausschußsitzung um 10 Uhr Morgens von dem Herrn Präsidenten mit der statutenmäßigen Rechenschaftsablage eröffnet, wobei der Wanderlehrthätigkeit des Herrn Dr. Henkelmann dahier in 8 Gemeimden unseres Kreises mit Anerkennung gedacht und die Fortsetzung in Aussicht ge stellt wurde. Darauf wurde zur Besprechung der auf der Tagesordnung verzeichneten Fragen übergegangen. Es kann nicht in der Absicht dieses Blattes liegen, den Gang der Verhandlungen bis in's Einzelne zu verfolgen, wir

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