Ausgabe 
6.10.1866
 
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lichen Herren Offizieren der Garnison freistellt, ohne Abstimmung als außerordentliche Mitglieder di Gesellschaft beizutreten.

Kassel. Aus Anlaß der gestern gesetzlich verkündigten Einverleibung Kurhessens in den preußischen Staat wurden dahier in der Morgen; stunde des heutigen Tages alle Staatsgebäude und Kasernen, sowie das städtische Rathhaus und mehrere Privathäuser mit preußischen Fahnen beflaggt. Abends wurde im Theater vor Beginn von Rossini's OperTell die berühmte Jubel Ouverture von C. M. v. Weber gespielt.

Frankfurt. Für die 6 Millionen, die als Kriegscoutribution an den General Vogel v. Fal kenstein gegeben wurden, hat die hiesige Bank nur einen von dem Bürgermeister Fellner und Senator Dr. Müller ausgestellten Schuldschein erhalten. Genau genommen sind diese beiden Aussteller des Scheins die Schuldner der Bank, denn wenn dieselben auch in Auftrag des Senats gehandelt haben, so ändert dies nicht das Ge ringste an der Sachlage, da der Senat einseitig keine Schulden contrahiren kann, sondern hier bei an die Mitwirkung der gesetzgebenden Ver sanmlung gebunden ist. Daß die Versammlung noch nachträglich die Schuld genehmigen wird, ist nicht gut anzunehmen. In einer fatalen Lage ist deßhalb die Frankfurler Bank, welche zum Unterpfand für die baaren 6 Millionen leviglich den betreffenden Schuldschein hat, dessen Aus steller für den hohen Betrag vielleicht nicht zum hundertsten Theil aufzukommen vermöchten. Wie von guter Seite angedeutet wird, hofft man indeß ein Compromiß zu Stande zu bringen, wonach die Stadt Frankfurt die Schuld als die ihrige an⸗ zuerkennen hätte, wogegen Preußen dann bis zum Betrag von 6 Millionen größere Bauten ausführen würde. Man nennt speciell als solche Bauten die zwei beschlossenen Brücken über den Main und eine Correction dieses Flusses von Frankfurt abwärts bis zu seiner Mündung in den Rhein; möglicherweise auch noch die Wasser leitung aus dem Vogelsberg. Wie die Sache jetzt noch steht, hat Preußen die hiesige Staats- schuld um 6 Millionen vermehren lassen, selbst⸗ verständlich aber, daß es mit der freien Stadt Frankfurt auch die Schulden annectiren muß.

Die Aschaffenburger Zeitung schreibk aus Frankfurt: Es wird nicht ohne Interesse sein, zu erfahren, wie hoch die Summe für die Diners der preuß. Generale in den ersten Tagen der Occu pation der hiesigen Stadt sich beliefen, welche dieselbe dann zu zahlen hatte. Die Diners für den General Vogel v. Falkenstein am 14., 15. und 16. Juli betrugen die Summe von 1274 fl. 24 fr., die des Generals v. Manteuffel am 16., 17, 18., 19. und 20. Juli 1412 fl. 6 ke., die des Generals Fließ am 20. und 21. Juli 299 fl. 15 kr., die des Generals v. Manteuffel(bei seiner Rückkehr von Frankfurt) am 21. und 22. Juli 483 fl. 27 kr. Totalsumme der Diners vom 14. bis 22. Juli 3465 fl. 30 kr.

Nach einem hiesgen Blatte wurden den Wirthen im Russischen und im Englischen Hofe in den letzten Tagen 36,000 resp. 34,000 fl. von Seiten der Stadt ausbezahlt zur Ausgleichung der Kosten für die in diesen Gasthöfen vom 16. Juli bis zum 10. d M. untergebrachten

Stäbe, Hauptquartiere ꝛc.

Ueber die politische Eintheilung der ein verleibten Länder, Kurhessen, Nassau und Frank⸗ furt, sind noch keine definitiven Entscheidungen ge troffen, es verlautet jedoch so viel, daß dieselben wahrscheinlich eine Provinz mit mehreren Re- gierungbezirken bilden werden. Die Verlegung es Oberpräsidiums nach Kassel soll sicher sein.

75 Die Speculation in Immobilien, welche seither Munchem zu schnellem Reichthum verhalf, hatte allerdings durch den Krieg und durch den Wegzrg vieler reichen Familien, namentlich der Gesandten, vieler reichen Fremden ꝛc. schwere Schläge erhalten, von denen Mancher glaubte, daß das Immobilien- Geschäft fich so leicht nich! wieder erholen werde. Schon im vorigen Monate machte sich indeß im Immobilien-Geschäfte einiges Leben bemerkbar, das sich im abgelaufenen Monate

geschehen erkläre.

bedeutend steigerte. Betrug der August auch nur fl. 200,000, so stieg er im September schon auf fl. 380,000 und wird sich zuversichtlich im Oktober verdoppelt haben.

DasIntelligenzblatt enthält die amt⸗

liche Bekanntmachung des 20. Sept., die Vereinigung des Königreichs Hannover, des Kurfürstenthums Hessen, des Herzogthums Nassau und der freien Stadt Frank furt mit der preußischen Monarchie betreffend. Hanau. Der Kurfürst ist dahier in später Nacht eingetroffen, mit Hoch's begrüßt von einer der Ankunft harrenden Volksmenge. Wiesbaden. Auf dem am 29. dahier stattgehabten mittelrheinischen

Gesetzes vom

S ept. Ge⸗

nossenschaftstag waren 22 verschiedene Ver

eine vertreten. Nachdem Bericht über die Thätig keit der Vereine erstattet war, schritt man zur Wahl eines Abgeordneten zu dem in Kassel statt findenden allgemeinen deutschen Genossenschaftstage

Das heute erschieneneVerordnungsblatt des Herzogthums Nassau publieirt das Gesetz über die Einverleibung von Hannover, Kur hessen, Nassau und Frankfurt in den preußischen Staat.

Leipzig. Am 28. Sept. sind 37 Cholera todesfälle angemeldet worden. In der ver flossenen Woche(vom 22. zum 28. Sept.) sind hier im Ganzen 345 Personen(gegen 391 in der vorhergegangenen Woche) begraben worden.

München. Heute meldet dieBaperische 31g. amtlich, der König habe sich bewogen ge funden, unterm 31. August dem k. preußischen Ministerpräsidenten Grafen v. Bismarck-Schön⸗ hausen allerhöchstseinen Hausorden vom heil. Hubertus, dem k. preußischen wirklichen Geheimen rathe Kammerherrn v. Savigny das Großkreuz des Verdienstordens der bayerischen Krone, dann dem k. preußischen Geheimen Legationsrathe v. Kendell und dem k, preußischen Geheimen Le gatiensrathe König das Comthurkreuz des k. Verdienstordens vom heil. Michael zu verleihen.

Stuttgart. Eine größere Bürgerversamm lung besprach gestern Abends die Frage wegen Reorganisation des Heerwesens, und beschloß eine Adresse an die Ständeversammlung, in welcher unter ausführlicher Darlegung der Gründe aus geführt wird, daß nur ein Volksheer, ähnlich dem der Schweiz, im Stande sei, den Anforderungen einer Landesvertheidigung nach ihrem vollen Um fang zu entsprechen. Der Abgeordnete der Stadt Stuttgart, Finanzrath Zeller, erklärte, daß er mit den Hauptgrundsätzen der Adresse vollkommen einverstanden sei, und deßhalb dieselbe in der Kammer gern unterstützen wolle, wenn er auch

in finanzieller Beziehung vorerst noch einige Bedenken trage. Karlsruhe. In der G. Braun'schen Hof

buchhandlung dahier ist eben erschienen, was längst mit großer Sponnung im Publikum er- wartet wurde:Mittheilung von That sachen zur Beleuchsung der angeblichenEnt hüllungen über den badischen Verrath.

Oesterreich. Wiener Blätter veröffentlichen einen an die Cabinette Europa's abgesandten, vom 23. September datirten Protest des Königs von Hannover gegen die Annectirung Han novers durch Preußen. Der Protest ruft die Unterstützung aller Mächte gegen die Unterdrückung des Rechts durch die Gewalt an. Der König erklärt, daß er niemals auf seine Souveränetäts⸗ rechte auf seine Staaten veczichten wird, und

daß er alle Handlungen, welche die preußische zwei

Umsatz im

Bismarck'schen Politik.

reichs und Italiens nunmehr thatsächlich abge- schlossen. Schon hat man mit der Paraphirung des Friedensvertrags begonnen. Derselbe wird auch einen Artikel enthalten, in welchem die beiden contrahirenden Mächte einander das Ver sprechen ertheilen, behufs der Neuregelung ihrer commerciellen Beziehung in eine besondere Ver handlung einzutreten, und zwar binnen drei Monaten vom Abschluß des Friedens an gerechnet. In Wien ist der württembergische Ge sandtschafts- Attaché Frhr. Gremp von Frunden stein an der Cholera gestorben. Die Seuche ist überhaupt stark im Zunehmen begriffen.

DieBresl. Zig schreibt:Bekanntlich war gleich nach der Schlacht von Königgrätz von der Ernennung des Baron Beust zu unserem Minister des Auswärtigen die Rede. Die Sache schlief damals vollkommen wieder ein, heute wird mir aber aus einer Quelle, die wenigstens jede Möglichkeit einer Windbeutelei oder Dupirung absolut ausschließt, positiv ver sichert, daß diese Ernennung eine ausgemachte Sache sei.

Frankreich. Die Schrecken und Besorgnisse über das kurz nach dem Friedenschlusse zwischen Preußen und Oesterreich in französischen Blättern lautgewordene Verlangen nach Compensation der Grenzen des Kaiserreichs haben sich so ziemlich gelegt schon mit dem Rücktritt des Herrn Drouyn de Lhuys, des seitherigen Ministers des Aeußern, dem in der Person des Marquis de Moustier ein Nachfolger bestimmt worden ist. Mittlerweile ist von dem französischen Minister La valette an die diplomatischen Agenten Frankreichs ein Rundschreiben ergangen, dessen friedlicher Inhalt bestimmt scheint die oben angedeuteten Compen⸗ sationsgelüste vorläufig von der Tagesordnung zu streichen.

In Folge der anhaltenden Regengüsse während der letzten Wochen sind mehrere Flüsse, die Seine, die Loire, die Rhone und die Dor dogne aus ihren Ufern getreten und haben große Verheerungen angerichtet. Für die durch Ueber⸗ schwemmungen Heimgesuchten haben alsbald der Kaiser 100,000, die Kaiserin 25,000 und der kaiserliche Prinz 10,000 Fres. gezeichnet.

Nach demPays werden im Augenblick mit der preußischen Regierung Verhandlungen über Münzeinigung geführt, die mit denen zusammenfallen, welche die durch den Prager Frieden nothwendig gemachte Restitution des Zollvereins herbeigeführt hat.

DerMoniteur zeigt an, daß das In terim im auswärtigen Amt aufgehört und Mar quis de Moustier von seinem Portefeuille gestern Besitz genommen hat.

Großbritanien. Gottfried Kinkel ist in diesen Tagen von London nach Zürich übergesiedelt, wohin er als Lehrer an das Poly- technikum berufen ist. Eine Anzahl Deutsche hatten ihm ein Abschiedsessen gegeben, an welchem sich ein Theil seiner bisherigen Gesinnungsge- nossen unter den deutschen Flüchtlingen nicht be theiligte, da dieselben nicht einverstanden sind mit Kinkel's neuerer Thätigkeit im Sinne der Kinkel's Rückkehr nach Preußen steht nunmehr in Folge der Amneslie kein Hinderniß mehr im Wege.

Italien. Die letzten Differenzen zwischen Italien und Oesterreich sind ausgeglichen und die Unterzeichnung des Friedensvertrags wird unverzüglich erwartet. Gestern haben i Notabeln von Venedig dem Ministerpräsi⸗

Regierung oder ihre Agenten dort begehen oder denten Rieasoli eine mit 12,000 Unterschriften begehen werden, als ungesetzlich, nichtig und un- versehene Adresse, zur Uebergabe an den König

Der König warnt Diejenigen, Victor Emanuel, überreicht, in welcher verlangt

welche hierbei interessirt sein könnten, und er- wird, daß die italienischen Truppen in Venedig wartet die künftigen Ereignisse mit vollem Ver- einziehen möchten, sobald die österreichischen die trauen in die Gerechtigkeit seiner Sache, beseelt Stadt verlassen.

von der festen Hoffnung, daß die göttliche Vor-

Rußland. DieFranzösische Correspon⸗

sehung nicht säumen wird, die Ränke, Unredlich- denz hört von der Existenz zweier Actenstücke,

keiten und Gewaltsamkeiten zu beendigen, Opfer so viele Staaten und Völker Augenblick mit Hannover geworden seien.

Wie bereits mitgetheilt, ist die Friedens- verhandlung zwischen den Bevollmächtigten Oester

deren welche das Petersburger Cabinet in der letzten in diesem Zeit an seine Agenten im Auslande erlassen hat. Das erste, eine Circularnote und zur Mittheilung an die fremden Cabinette bestimmt, ist eine Er- wiederung auf das Lavalette'sche Rundschreiben.

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