Jahrgang 
1857
Seite
97
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Naæ 25. 26. Beiblatt zumFeierabend.

Motto: Alles fur Alle.

Geſchmind, was giebts Neues?

Die neunte allgemeine Lehrerverſammlung hat in Frankfurt getagt und dieſe Stadt hat auf eine glän⸗ zende Weiſe ihre Gaſtfreundſchaft bewährt. Die Zahl der Theilnehmenden belief ſich auf 400, würde aber doppelt ſo groß geweſen ſein, wenn die Schulen der Nachbarſchaft Ferien gehabt hätten. Das Praktiſche der aufgeſtellten Fragen und die Ruhe der Diskuſſion haben unparteiiſche und beſonnene Männer, welche die Haltung der Verſamm⸗ lung früher nicht gekannt hatten, freudig überraſcht. Es wäre in der That Zeit, daß die Verbote, die in einzelnen Ländern hinſichtlich des Beſuchs der Verſammlungen den Lehrern gegeben ſind, jetzt, da die Zeit und mit ihr die Dis⸗ kuſſion aller Verſammlungen eine viel ruhigere geworden iſt, aufgehoben würden. Die Lehrer bedürfen einer ſolchen Er⸗ hebung, wie ſie ihnen durch die Vorträge tüchtiger Pädagogen aus allen Gegenden des Vaterlands nahe gebracht wird. Die Regierungen ſollten doch ja nicht verfehlen, ihre Ange⸗ ſtellten zu den Verſammlungen zu ſchicken, damit Geſchehenes und Arzuſtrebendes zur allſeitigſten Beachtung gelange. Ein Mitglied hatte Wien als Verſammlungsort für das nächſte Jahr in Vorſchlag gebracht. Ein norddeutſches Mit⸗ glied aber, welches ein halbes Jahr in Wien gelebt, meinte: man werde allerdings in Wien alles großartig finden, allein eben die Großartigkeit der Großſtadt paſſe nicht für einen deutſchen Schulmeiſter. Als der Präſident, Schulrath Dr. Lauckhard aus Weimar daraufhin erklärte, Weimar

werde die nächſte Lehrerverſammlung in ſeinen Mauern gern

willkommen heißen, entſchied man ſich ohne Widerſpruch für dieſe Stadt.

Ueber den kürzlich verſpürten Erdſtoß ſind von vielen Orten nähere Nachrichten eingelaufen. So aus Wurzen und Falkenſtein in Sachſen. In letzterem Orte wurden ſämmtliche Häuſer erſchüttert. Sehr beſtimmt wurde das Schwanken von verſchiedenen Perſonen in einem zwei⸗ ſtöckigen Hauſe in Leipzig empfunden. Ein offenes Fenſter klappte an den Rahmen ohne irgend einen Luftzug oder eine andere gewöhnliche Urſache. Die Perſonen ſchwankten auf ihren Sitzen und nachdem dieſe Bewegung von ein paar Sekunden vorüber, konnte man ſich dieſe überraſchende Er⸗ ſcheinung nur durch einen Erdſtoß erklären. In Lützſchena in Sachſen fielen ſchlafende Perſonen durch den Stoß von ihren erhöhten Lagern. Es wäre intereſſant, das Gebiet dieſer Wahrnehmungen durch fernere Berichte noch näher kennen zu lernen, um ſo intereſſanter, als das Ereigniß von

Vielen in ein Verhältniß zum 13. Juni geſetzt wird. Nun,

der gefährliche Tag iſt ohne Skandal vorüber gezogen, die Fliegenden Blätter und derKladderadatſch haben rich⸗

tig das letzte Wort behalten, und dem Kometen eine lange

Naſe gemacht.

das Doppelte werth, und rief:Zweihundert. hundert, entgegnete der Künſtler.

Carl von Holtei, der wohlbekannte Dichter und Schriftſteller, erließ im Oktober vorigen Jahres einen Auf⸗ ruf an Deutſchlands Schriftſteller, ihm durch Einſendung literariſcher Beiträge die Herausgabe eines Albums zu er⸗ möglichen, deſſen Ertrag dazu verwendet werden ſollte einen Theil der Schulden zu decken, welche die proteſtantiſche Ge⸗ meinde zu Gratz zum Ankauf eines Kirchhofs kontrahirt hatte. Jener Aufruf hat den erwünſchten Erfolg gehabt, von 132 größtentheils berühmten Namen ſind Beiträge ein⸗ gegangen, und hat das Buch bei Vieweg und Sohn in Braunſchweig, welche Firma uneigennütziger Weiſe den Ver⸗ lag und Druck übernommen hat, ſo eben die Preſſe verlaſſen. Das Inhaltsverzeichniß läßt vermuthen, daß dies Buch für die Gabe, die es erbittet, ein reiches Gegengeſchenk dar⸗ reicht. Wir verſäumen daher nicht, im Intereſſe des löb⸗ lichen Zwecks unſere Leſer auf dies Album aufmerkſam zu machen. Das Werk iſt 24 Bogen ſtark und koſtet 2 Thlr.

Eine gute Lektion! Unlängſt wurde einer armen Frau in Paris, die ihre Miethe nicht bezahlen konnte, das Mobiliar öffentlich verſteigert und das Meiſte vom Mieths⸗ herrn erſtanden. Ein Gemälde reiner Schund wird für 1 Fr. ausgerufen. Der berühmte Maler X., zufällig anweſend und von dem Elend der Unglücklichen tief ergriffen, läßt ſich die Leinwand herreichen, prüft das Fabrikat mit ernſter Kennermiene und gibt es zurück mit dem laut tönen⸗ den Angebot von 100 Fr. Als der Miethsherr dieſes hörte, dachte er: Wenn der 100 bietet, ſo iſt das Ding mehr als Fünf⸗ Sechshundert der Andere. So trieben ſie ſich gegenſeitig raſch in die Höhe, bis der Hausherr das letzte Angebot mit zweitauſend zwei⸗ hundert Fr. hatte. Auf einmal wurde es ſtill; der Commiſ⸗ ſär rief zum erſten zum zweiten zum dritten Mal; der Hammer fiel und das Gemälde hatte ſeinen Beſitzer ge⸗ ändert. Der neue Eigenthümer wendete ſich hierauf an den Künſtler mit der Frage, was er denn eigentlich dem Ding für einen Werth gebe? Aufrichtig geſtanden wenn Sie 3 Fr. 50 Cent. dafür bekommen, ſo können Sie ſich gratuliren; ich wenigſtens wollte es nicht für dieſen Preis. Sie ſcherzen. Nicht im Mindeſten. Sie boten ja ſelbſt zweitauſend Franken! Allerdings! Aber nur, um einem Manne, der 25,000 Fr. Renten hat und eine arme Frau wegen 200 Fr. ſchuldiger Miethe auspfändet, eine Lektion zu geben. Ich habe auf Ihre feine Naſe ſpekulirt und gewonnen. Die Rollen ſind jetzt gewechſelt. Sie ſind der Schuldner und die Frau der Gläubiger, und Sie werden jetzt hoffentlich die Verſteigerung nicht weiter fortſetzen. Sprach's empfahl ſich und komponirte ſeither dieAuction

der armen Frau für eine der nächſten Pariſer Ausſtellungen.