Jahrgang 
1857
Seite
69
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Beiblatt zumFeierabend.

1857.

Motto: Alles für Alle.

Geſchwind, was giebts Neues?

Die Neuenburger Royaliſten haben eine düſtere Weltanſchauung. In ihrem Schreiben an die Conferenz⸗ mitglieder in Paris kommt folgende ſchwarzſehende Stelle vor:Es iſt unnütz zu verhehlen, Europa ſchwebt in der ſteten Gefahr einer Barbaren⸗Invaſion, aber die Bar⸗ baren kommen nicht mehr aus dem Norden, ſie leben in unſerer eigenen Mitte, ſie belauern jedes unſerer Worte, beobachten jede unſerer Bewegungen, bereit in jedem Nu aus dem Schooß der civiliſirten Geſellſchaft hervorzubrechen. Die Conferenz thäte wohl, ihnen mit dem Sprüchwort zu ant⸗ worten: Wie wir die Welt anſehen, ſo ſieht ſie uns wieder an!

In der Schweiz trägt man ſich gegenwärtig mit der Idee einer Nationalſubſcription zu Gunſten Neuen⸗ burgs, die allerdings, einmal vom Volke in's Werk gerichtet, in kürzeſter Friſt eine ſchöne Summe, wenn nicht vielleicht den ganzen von Preußen geforderten Loskaufungspreis ab⸗ werfen dürfte.

Den Hamburger Nachrichten ſchreibt man: Die Be⸗ rufung des Dr. Schwarz als Hofprediger und Conſiſtorial⸗ rath nach Gotha, welche auf unſere thüringiſchen Regierungen anfangs einen ſehr unangenehmen Eindruck machte, hat eine ſo tief anregende und belebende Einwirkung auf den religiöſen Geiſt der gothaiſchen Bevölkerung zur Folge gehabt, daß ſie auch der Befangenſte nicht mehr verkennen kann. Dieſe Anregung iſt ſo groß, daß Leute, die ſeit 10 Jahren in keiner Kirche geſehen worden, jetzt bei keinem Gottesdienſt, wo Dr. Schwarz predigt, fehlen und alle Klaſſen der Bevölke⸗ rung wieder ein lebhaftes Intereſſe an Religion und Kirche nehmen.

Der berüchtigte Fechter von Pfaffenhofen, Herr Franz Bacherl, iſt unerſchöpflich productiv an Lachſtoff, den er der ſtoffhungrigen Preſſe zu liefern nicht aufhört. Er

ſcheint ſich übrigens auf dem Fechtboden ſeiner Dichterberech⸗ tigung, auf der Tribüne ſeiner poetiſchen Turnübungen und unter dem zunehmenden Platzregen eines homeriſchen Geläch⸗ ters, welchen Preſſe und Publikum über ihn ausſchüttet recht wohl ſein zu laſſen, und im Genuß ſeines lorbeerloſen Bratens nebſt Sauce, welchen ihm der Fechter⸗Skandal eingebracht hat, alszuletzt lachend, recht ordentlich zu ſchwelgen. Wohl ihm! Er hat in der Allg. Ztg. erklärt, ſeine poetiſchen Harlekinaden nur ſo lange fortſetzen zu wollen, als ſieeinträglich ſeien, und jetzt bringt dieſelbe Zeitung eine Nachricht, woraus zu erſehen, daß er daseinträgliche Geſchäft im Großen zu betreiben gedenkt. Das Wiener Theatergeſchäftsbureau von Peter Gläſer zeigt nämlich an, daß es die Beſorgung der Geſchäfts⸗ und Engagements⸗ angelegenheiten des Herrn Franz Bacherl für die öſterreichiſche Monarchie übernommen habe.

Aus Karlsruhe ergeht ein Aufruf anmenſchenfreund⸗ liche Sammlerinnen. Und was ſollen ſie ſammeln? Man höre: Gebrauchte Briefmarken! Ein reicher Engländer hat nämlich die komiſche Wette eingegangen, binnen Jahres⸗ friſt eine Million verbrauchter Briefmarken aus aller Herren Länder zu ſammeln und ſich ein Zimmer damit zu tapezieren. Dieſes Geſchäft übergab er einem Waiſen⸗ knaben in Karlsruhe unter dem notariell aufgenommenen und deponirten Verſprechen, ihm im Falle des Gelingens die Summe von 150,000 Gulden zu ſchenken. Da bis jetzt dem Kinde noch manche 10,000 Marken fehlen, ſo werden alle Menſchenfreunde erſucht, in ihren Kreiſen Briefmarken zu ſammeln und dadurch die Zukunft des armen Waiſen⸗ knaben ſichern zu helfen.

In der Nähe von Rudolſtadt ſoll in Kurzem ein Rettungshaus für verwahrloſte Kinder eröffnet werden, mit deſſen innerer Einrichtung man emſig beſchäftigt iſt.

Kleine Mittheilungen zur Kurzweil und Belehrung.

Fritz, Ziethen und noch Einer. rüber im Unklaren ſind, bemerke ich, daß damit der Preußen⸗ . Von L 4,. könig Friedrich II. gemeint ſein ſoll; der ſogenanntealte an. on L. Würdig. Fritz den die Weltgeſchichte auch denGroßen undEin⸗ Nun, wer der Fritz iſt, das, denke ich, werdet ihr auf zigen nennt, und meiner Treu' nicht mit Unrecht.

V den erſten Blick weghaben, und wenn auch nicht Alle, ſo Auch von dem alten Huſarengeneral Ziethen, auch dooch die Meiſten unter euch. Für diejenigen aber, die da-Vater Ziethen geheißen, habt ihr gewiß ſchon gehört und