Jahrgang 
1857
Seite
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geleſen. Wegen ſeiner unerſchütterlichen Liebe, Treue und Hingebung zu König und Vaterland, insbeſondere wegen ſeiner perſönlichen Tapferkeit und herzgewinnenden Volks⸗ thümlichkeit war er ſeiner Zeit ungefähr das, was Vater Blücher, oderMarſchall Vorwärts wie ihn die Ruſſen an der Katzbach mitten unter Geſchützdonner und Kolben⸗ ſchlägen tauften, unſerer Zeit war.

Und der Dritte in der Ueberſchrift da oben, mitnoch

ſpäter noch einige Worte.

Zur Sache alſo.

Obgleich die Schlacht bei Torgau am 3. Nov. 1760 zu Ehr' und Ruhm der Preußen ausgefallen war, hatte ſich des Königs Lage im Allgemeinen doch nicht gebeſſert. Konträr, im Sommer drauf war ſelbige eine recht bedenk⸗ liche geworden, denn Land und Leute waren durch die lang⸗ wierigen Kriegsläufte bis auf den Tod erſchöpft, Sachſen zum großen Theil wieder für ihn verloren, und die Ver⸗ einigung ſeiner mächtigſten Feinde, der Oeſterreicher und Ruſſen, hatte im Auguſtmonat ſtattgefunden. In einem gut verſchanzten Lager bei Bunzelwitz in Schleſien harrte der ſo ſchwer geprüfte König Friedrich II. der Dinge, die da kommen ſollten.

Trübe Ahnungen erfüllten ſeine Seele. Nach jahre⸗ langen blutigen Kämpfen und mannigfachen Opfern ſah er ſich nun an der Grenze ſeiner Siege und Ehren, und zwei tapfern Armeen gegenüber, ſchien ihm ſein Untergang unver⸗ meidlich.

Nun aber war Vater Ziethen, des Königs Getreuer, nicht nur ein guter General, ſondern auch, was mehr als alle Macht und Hoheit der Erde gilt: ein frommer Chriſt; und ſchon zu etlichen Malen hatte er verſucht, den nieder⸗ gebeugten königlichen Herrn aus dem friſch ſprudelnden Brünnlein ſeines felſenfeſten Gottvertrauens zu tröſten. Einmal, in einer hellen, freundlichen Mondnacht, hatte der König den alten Ziethen noch ſpät in ſein Zelt befohlen und war gerade heute noch hoffnungsloſer denn je, während Ziethen derſelbe war und blieb, ſtark und unerſchütterlich in ſeinem Glauben zu Gott.

der König ärgerlich:Weiß Er vielleicht einen neuen Ver⸗ bündeten, da Er immer noch auf einen glücklichen Ausgang unſerer verteufelt böſen Lage hofft? HelHalten zu Gnaden, Majeſtät, antwortete Ziethen unerſchrocken,einen neuen Verbündeten freilich weiß ich nicht, denn wo ſollte

zum nächtlich ſtillen Himmel erhoben, ruft er in der ganzen Kraft und Würde ſeines beſeligenden Gottvertrauens:Aber der alte Verbündete dort oben lebt und waltet noch und der wird uns gewiß und wahrhaftig nicht verlaſſen! Kopf⸗ ſchüttelnd entgegnet der König:Ach, der wirkt heut zu Tage keine Wunder mehr!Iſt auch nicht nöthig das, fällt ihm der alte General ſchnell in's Wort,aber was ich weiß, weiß ich, nämlich:Gottvertrauen läßt nimmermehr zu Schande werden!

Und? Ziethen kriegte Recht, denn wider alles Er⸗ warten und Verſtehen griffen die Oeſterreicher und Ruſſen die Preußen nicht an, und Friedrich war gerettet!

Von dieſer allerdings wunderbaren und für ihn überaus glücklichen Wendung der Dinge tief ergriffen, ſprach der König zu Ziethen:Es war richtig ſo, Alter, ſein Verbün⸗ deter hat doch Wort gehalten.

Einer bezeichnet, iſt, doch halt mal, davon lieber

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Faſt erbittert über dies trockene Einerlei und dieſe gläubige Zuverſicht des alten Mannes, fragte ihn endlich

Merke: Der beſte Freund, iſt der im Himmel, Auf Erden ſind die Freunde rar!

Wegerich. Von O. Glaubrecht. 14.

Swiſchen der Suppe und dem Munde kann ſich Vieles ereignen.

Wenn Gott will und ein Menſch ſoll geſpeiſt werden zur Zeit der Hungersnoth, dann macht er wohl auch die Naben zu ſeinen Speiſemeiſtern, wie es mit dem Elias ge⸗ ſchah am Bache Crith. Und wenn die Kinder nach Brod rufen, wie dort in der verſchütteten Sennhütte, und der Hungertod ſtiert als ein ſchreckliches Geſpenſt in die Dunkel⸗ heit der Schneenacht und der Verzweiflung hinein; dann läßt derſelbe reiche Herr, der den Elias ſpeiſte, wohl auch ein Gemslein durch den Schornſtein herabfallen zur ſchnellen Kürzung des Hungers. Sonſt aber fällt nichts durch den Schornſtein, als höchſtens der Ruß in die Suppe, und Käſe und Butter wirft bisweilen der feurige Drache, wenn er durch die Luft fährt, den Weibern in den Topf, die wie meine alte Nachbarin ſagt, einen Bund haben mit dem Böſen und alſo von ihm gelohnt werden. Davon möchte ich aber nichts eſſen, denn die ſchmecken ſicher nach der hölliſchen Küche, wo mit Schwefel geheizt wird. Iſt aber nicht manches Menſchenherz drauf und dran, mit dem Böſen einen Bund einzugehen, zumal wenn es ſorgt und ſich grämt und den Nachbar beneidet, und ſich ärgert, daß morgen Sonntag ſei und kein Fleiſch im Hauſe. Alſo ſah es an einem Samſtag in dem Herzen der Urſel aus, die mit ihrem Manne, dem Hanpeter, in dem kleinen Häuschen dort am Berge juſt am Ende des Dorfes wohnte. Die hatte den Kroppen mit Mehlſuppe über das Feuer gehängt und Schmalz und Salz hineingethan, und bei ſich ſelber gedacht:Heut iſt's Samſtag, nun gut, da laß ich mir die Mehlſuppe zum Abend gefallen, aber morgen iſt's Sonntag und iſt kein Loth Fleiſch im Haus. Das Dörrfleiſch i*ſt gegeſſen und Grün⸗ fleiſch, du lieber Gott, wer giebt uns armen Leuten ein Stück friſchen Speck, oder ſonſt ein Brätlein in den Topf zum Sonntag?! Und ſie dachte ſich hinein in den ſchweren

Gedanken und kam tiefer und tiefer hinein, und machte

der uns jetzt herkommen! und die Hand wie betheuernd

wilden Jagd in dem kleinen Häuschen.

unſerm Herrgott eine ellenlange Rechnung und ſchalt über die Nachbarin, die heute ein fettes Stück Fleiſch aus der Stadt geholt und es recht zur Schau getragen, nur daß ſie ſich darüber ärgen ſolle, aus keinem andern Grunde. Und wie ſie ſo recht ingrimmig ward, da kam ihr auch noch ihr Mann, der Hanpeter, mit ſo einer dummen Frage in die Quer, und ſie trumpfte ihn tüchtig ab, und der Mann ſchalt, und die Frau blies ins Feuer, daß die Funken flogen und ſchalt auch, und die Suppe kochte über, und über dem Häuschen auf dem Berge hörte man Rufen und Hunde⸗ bellen und Schießen, gleich als wäre es das Echo von der Das Getümmel aber in dem Hohlweg galt einem armen Haſen. Den hatten

die Hunde vom Berge herabgetrieben und der Langohr wußte

nicht, wohin er ſich wenden ſollte, denn oben und unten ſtanden die Schützen und die Schrote fuhren um ihn her wie Hagel. Da that der Haſe einen verzweifelten Sprung, wie er meinte, einen Berg hinauf, aber eigentlich aufs Dach, unter dem die Urſel und der Hanpeter Sorgenjagd hielten, und