3 XL 24. Beiblatt zum„Feierabend.“ 1857.
Geſchwind, was giebts Neues?
Im Lande der Mormonen bereiten ſich ernſte Ereig⸗ Schritt vorwärts gethan.“ Im tiefſten Grunde freilich iſt niſſe vor. Das jetzige Oberhaupt der Sekte Brigham die Abtragung von Nationaldankſchulden durch Denkmale — Young nahm ſchon längere Zeit ein großes Aergerniß an aus kaltem Geſtein mehr eine Phraſe als eine lebendige dder Anſtellung„heidniſcher“ d. h. nicht zur Sekte gehöriger Wahrheit und dient unendlich häufiger der Eitelkeit der Er⸗ ſt Beamten und hat neuerdings erklärt, dies nicht mehr dulden richter und Kunſtprotektoren als dem dadurch befriedigten a wollen. Darin und in einigem Andern wird die Bundes⸗ Gemeinbewußtſein des Volkes. Ueber die„Schillerſtiftung“, reegierung nun wohl endlich wohlbegründete Veranlaſſung zum über ein Denkmal aus lebendigen Geiſtern und Herzen,“ Einſchreiten finden und hernach auch das Recht in Anſpruch rümpft man die Naſe und findet kein Ende im Bemäkeln,—4
nehmen, die Vielweiberei zu verbieten, da die Ehe in den aber über ein Denkmal aus todtem Erz geräth man in vereinigten Staaten eine bürgerliche Einrichtung iſt und in Extaſe. Wunderliche Menſchen!
dden Territorien, welche noch keine eigene Staatsgeſetzgebung 83 3
haben können, das die Polygamie ſtrafende engliſche Geſett Eine Uhr aus Stroh— iſt kürzlich erfunden worden. gilt. Man wird daher ſehr bald von ernſten Vorfällen in In einem der pariſer Strafhäuſer befindet ſich nämlich ein Utah hören. Die Unterwerfung der Fanatiker wird freilich lunger Mann von 18 Jahren, der, in eine Diebſtahlsge⸗ ceein leichtes Stück Arbeit ſein, da ihr Land eine natürliche ſchichte verwickelt, vor ungefähr einem Jahre zu fünfjähriger Feſtung iſt, eine 200 deutſche Meilen lange Wüſte ſich vor Gefängnißſtrafe verurtheilt wurde. Der junge Mann hatt ihnen nach Oſten hinſtreckt und da die letzte Zählung eine wunderbare Begabung zum Kopfrechnen und zur An⸗ 77,000 Köpfe ergab, zu welcher Summe ſogar noch 20,000 wendung deſſelben auf mechaniſche Combinationen. Trotz neue ſeitdem eingewanderte Koloniſten hinzukommen. des Mangels an geeigneten Werkzeugen führt er ohne Unter⸗ laß ſeine kleinen Erfindungen aus. Das Außerordent: lichſte leiſtete er jedoch vor einigen Tagen, er fertigte eine Uhr aus Stroh an. Als der Direktor, der ſich für das junge Talent intereſſirt, den Künſtler in ſeiner Zelle beſuchte, redete ihn dieſer mit den Worten an:„Wollen Sie, Herr Direktor, mir wol die Zeit auf Ihrer Uhr angeben, auf daß ich die meinige danach richten könne?“„Sie haben alſo eine Uhr?“ fragte der erſtaunte Direktor.„Ja, ſeit geſtern“, lautete die Antwort, und er wies ſein kleines Kunſtwerk vor.
V In München hat man angeblicherweiſe einen Ver⸗ e lobungs⸗ oder Trauring Dr. M. Luthers aufgefun⸗ Etr deen. Solche Lutherringe tauchen ſeit einiger Zeit wieder⸗ V holt auf und mit dem echten Exemplar geht es wie mit dem cchten Ringe in Leſſing's„Nathan der Weiße“ So befindet — ſich z. B. ein ſolcher im langjährigen Beſitz einer Familie in Zittau; ein anderer wurde vor einigen Jahren dem Hofrath Schulz für das hiſtoriſche Muſeum zum Kauf angeboten;
— eein dritter wurde von Ronge im Jahre 1847 als der echte Daſſelbe mißt ungefähr fünf Centimeter im Durchmeſſer — ausgegeben. Der Chef der Silberwaarenfabrik P. Bruck⸗ bei einer Stärke von zwei Centimeter; die Uhr läuft, ei⸗: — mann& Söhne in Heilbronn theilt übrigens öffentlich mit, mal in Gang gebracht, ununterbrochen drei Stunden hin⸗
daß ſolche Ringe von ihm geprägt werden. Auch den Ronge⸗ durch. Sie iſt aus Stroh, Zwirnfäden, zwei Näh⸗ und 5 ſcchen habe er damals als ſein Fabrikat erkannt. Der Ring einer Stecknadel angefertigt; das Zifferblatt iſt aus Papier.
Neonges ſtand alſo in demſelben Verhältniß zu dem Ringe Der Erfinder hofft dieſelbe bis zu einer Gangdauer von Luthers, wie Ronge zu Luther ſelbſt— nämlich in nachge⸗ 12 Stunden zu vervollkommnen. machtem. Hoffentlich war der Ring beſſer nachgemacht.
. Der Untergang der Welt iſt, nach den neueſten Vor einigen Tagen iſt in der königl. bairiſchen Erz⸗ telegraphiſchen Nachrichten von der Sternwarte zu Para-
gießerei der Guß des Goethe-Schiller⸗Denkmals vor matta, noch einige Monate aufgeſchoben worden. Er V ſich gegangen. Derſelbe ſoll vollkommen gelungen ſein und findet nun erſt am 13. September ſtatt. Das iſt recht ees ſcheint nun unzweifelhaft möglich, das Denkmal zur feſt⸗ erfreulich, beſonders für die Zeitungen, die Journale und geſetzten Zeit, am 3. Sept. d. J., dem 100jährigen Geburts⸗ die prächtig angewachſene Weltuntergangsbroſchürenliteratur, tag Karl Auguſt's von Weimar, vollſtändig fertig zu deren Flor nun erſt noch die wahre Höhe erreichen kann. bringen. Unter den Zeugen des in erhebender Weiſe ſtatt⸗—— findenden Guſſes befanden ſich der Miniſter v. d. Pfordten, Franz Bacherl wollte kürzlich in Wien Vorleſungen
der preußiſche Geſandte v. Bockelberg, Wilhelm v. Kaul⸗ halten. Bereits waren die Anſchlagzettel an den Ecken an⸗ bach, Berthold Auerbach und Franz Dingelſtedt.„Mit dem geklebt, die Zeitungen hatten ſich über das Vorhaben ent⸗ heutigen Tage“— meint ein Berichterſtatter der Feierlich⸗ ſchieden ausgeſprochen, als die Polizei die Vorleſungen ver⸗ keit—„iſt an der Löſung der Schuld, welche Deutſchland bot und die bereits eingelaufenen Kaſſenbeträge, ungefähr ſeinen geiſtigen Größen abzutragen hat, ein bedeutſamer 140 Fl., mit Beſchlag belegte. —


