Jahrgang 
1857
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aber iſt ein Städtchen in Heſſenland. auch Einquartierung von des Kaiſers Heer, denn er hatte ſich

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Kleine Mittheilungen zur Kurzweil und Belehrung.

Warum die Hersfelder den 20. Jebruar 1857 gefeiert haben. Von Th. Kriebitzſch.

Am 20. Februar nun, was weißt du vom 20. Fe⸗ bruar? Es iſt mancher wackere Mann und Held geſtorben an dieſem Tage, 1790 der hochherzige Kaiſer Joſeph II. von Oeſtreich, dem das Herz brach, da er alle Arbeit ſeines Lebens ſelber mußte zu Grabe tragen, 1810 der tapfre An⸗

dreas Hofer, den ſie in Mantua erſchoſſen, weil er ſeinem

Kaiſer und ſeinem Vaterland treu geblieben, 1824 der edle Graf Tauentzien, der 1806 auch nicht hatte Stand ge⸗ halten, aber in den herrlichen Jahren 13, 14 und 15 helden⸗

haft geſtritten und im Jahr 14 am 13. Januar die Stadt

Wittenberg mit Sturm genommen, davon er den Beinamen erhielt:von Wittenberg, wie Bülow von Dennewitz, York von Wartenburg, Blücher von Wahlſtatt, Kleiſt von Nollendorf. Aber von dem Allen wollte ich euch heute nicht erzählen; doch gehört meine Geſchichte in jene Zeit.

Die Jahre 1806 und 7, was waren das für Zeiten des Schreckens und der Angſt! Ja, da hat mancher Mann und mancher Held den Kopf verloren, auch ohne des Feindes Kugel, und Muth und Hoffnung dazu. Es ging Alles drun ter und drüber. Die feſten Städte im Lande ergaben ſich in des Feindes Hand, gar viele wurden zur Stunde der Gefahr offenbar in der Untreue und dem Verrath ihres Herzens, des Feindes Heerſchaaren überſchwemmten die Lande, wie ein rei ßender Strom, und verzehrten und verheerten und zerſtörten Alles zumal, wie ein Heer Heuſchrecken alle grüne Saat zer⸗ ſtört und machet daraus eine weite, öde Wüſte; die junge Mannſchaft mußte mit folgen in die Kriege des Zwingherrn und ſank in den Tod zu vielen Tauſenden. Und die daheim blieben, ach denen gings nicht beſſer. Das Franzoſenvolk preßte ihnen mit Fluchen und Dräuen das Letzte ab, was im Hauſe war an Geld und Speiſe, ſchlug auf die Leute ein mit den Kolben und Säbeln, ſo ſie einen Verdacht hatten, daß ſie noch etwas verborgen hätten vor ihnen, oder ſchoſſen ſie gar todt, und mancher Vater und manche Mutter hat auf ſolche jämmerliche Weiſe vor der Kinder Augen ſterben müſſen. Es war ein Jammer und Schrecken ohn Ende. Davon die Hers⸗ felder ſonderlich ein Lied zu ſingen wiſſen. Hersfeld Das hatte im Jahr 7

das Land unterthan gemacht das Jahr zuvor. Die Leute aber in Hersfeld waren mit ſolchem Wandel des Heeres und des Regiments gar nimmer zufrieden und weigerten ſich, den fremden Kriegsoberſten und Kriegsknechten zu gehorchen in Allem, das ſie von ihnen begehrten. Alſo kam mancherlei Aufruhr und Unordnung aus in der Stadt von einem Tag zum andern. Und einmal, da auch das Volk mit den unge⸗ betnen Gäſten zuſammengerieth, kam es von Wortenzu Schlä⸗ gen, von Schlägen zum Schießen, und fiel mancher Mann von beiden Seiten, darunter auch war ein Officier der Fran⸗ zoſen.. Das war nun ein ſchlimmer Fall. Und die guten Leute in dem Städtchen, als ſie ſich des Handels beſannen, erſchra⸗ ken ſie über die Maßen. Denn das wußten ſie wohl, der Napoleon verſtand keinen Spaß, und er hatte einen eiſernen Willen und einen rieſenlangen Arm. Und es kam alsbald

Gütter und Schätzen.

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ſein Befehl: man ſoll die Stadt, die alſo freventlich ſich ver⸗ gangen wider des Kaiſers Gebot und Kriegsvolk, ausplündern, daß dem Volk, das darinnen iſt, nichts übrig bleibt von all ihrem Gut, danach wird die Stadt an vier Ecken angezündet und niedergebrgnnt. Da ſolches kund ward in der Stadt, ihr könnet denken, welch ein Schrecken da über die Leute kam. Hatte doch ein jeder etwas zu verlieren, klein und groß, arm und reich, und die armen Leute mochten ihr Häuslein und Hüttlein mit dem alten, wurmſtichigen Hausrath und der ge⸗ ringen Habe ſo ungerne laſſen und miſſen, als die Reichen ihre ſchönen, großen Häuſer und deren gab's nicht zu wenig in der Stadt mit allem, was darinnen war an Aber was ſollte man thun? Bitten und Flehen konnte den zürnenden Sieger nicht bewegen, er ſtand mit ſeiner Heerſchaar dazumal in Polen und Preußen, es konnte ſolch ein Funke des Aufruhrs leichtlich ein groß Feuer entzünden hinter ſeinem Rücken, darum gedachte er mit

Gewalt und in einem Kriege den Funken zu zertreten, Furcht

und Schrecken ſollte Alles, was im Herzen wider ihn war, nieder und ſtille halten. Zwar eine Milderung der harten Strafe ward gewonnen, auf Fürbitte der franzöſiſchen Commandanten von Caſſel und Hersfeld: nämlich es wurden nur vier Häuſer an den Enden der Stadt und allein gelegene, angebrannt, und da die Einwohner herbeikamen mit Spritzen und Eimern, den Brand zu löſchen, wehreten ihnen die Franzoſen nicht, alſo daß nur wenige Häuſer niederbrannten. Aber an dem andern Stück ward nichts geändert, die Plün⸗ derung ſollte geſchehen ohne Gnade und Barmherzigkeit. Da gabs nun ein Jammern und Klagen, Laufen und Rennen, Schleppen und Fahren ohn' Unterlaß, zum Erbarmen. Und es war doch den armen Leuten denn arme waren ſie an dieſem Tage allzumal nicht möglich, ihr Beſtes oder viel zu retten in der kurzen Friſt. Nun hatte es aber Gott alſo gefügt, daß dazumal in Hersfeld ein edler, menſchlicher Kriegsoberſter ſtand mit einem badniſchen Jägercorps, der ſollte den Befehl ausführen. Den jammerte des Volkes, das ſo ſchrecklich ſollte zu Grunde gerichtet werden. Aber wie ſollt' er's anfangen, des Kaiſers geſtrengem Befehl zu ge horchen und die bedrängte Stadt zu ſchonen? Nun hört wie ers that.

Da die Stunde kam, wirbelten die Trommeln durch die Straßen alles ſchrie und lief durch einander die Sol⸗ daten aber ſtanden in wenigen Minuten auf ihrem Sammel⸗ platz in guter Ordnung, des Wortes ihres Oberſten ge⸗ wärtig. Und er trat vor ſie hin, erinnerte ſie des Unglücks der armen Menſchen und daß um etlicher Schuldigen willen ſo viel Unſchuldige mit leiden müßten und wie bei ſolcher Plünderung auch gar viel Mord und Frevel geſchehe; danach ſprach er: Soldaten, der Befehl zur Plünderung iſt uns ge⸗ geben, jetzt iſt die Stunde da, wer Luſt hat zu plündern, trete hervor und melde ſich. Aber den braven Soldaten war das Herz bewegt worden von ihres Oberſten wackeren Worten. Es blieb ſtille, es trat keiner hervor, nicht Einer. Des freuete ſich der brave Commandant. Doch mußte nach Kriegsbrauch der Aufruf wiederholt werden; es geſchah, aber es blieb wie zuvor. Denn es wollte keiner ſich an dem Gut ſeines deutſchen Bruders vergreifen..

Alſo ward die Stadt gerettet. Das war am 20. Februar 1807. Der Commandant aber, der auf ſolche Weiſe den Leuten das Ihre erhalten, alſo daß ſie mit der Angſt davon⸗