Ne 14. Beiblatt
zum
Geſchwind was
Napoleon der Erſte iſt in Mailand wieder zu Ehren gekommen, oder vielmehr ſein Standbild. baren Mailänder hatten es unter's alte Gerumpel geworfen
und in den dunkelſten Winkel des Akademiegebäudes ver⸗ wieſen. Da kam der Kaiſer Franz Joſeph nach Mailand,
ſchüttelte ſein kaiſerliches Haupt und ſprach:„Das iſt nicht der richtige Platz; es muß frei vor den Blicken Aller da⸗ ſtehen.
an jedem Tage und zu jeder Stunde ſehen kann!“ Da haben
die Mailänder ſich geſchämt und zu einander geſagt:„Das
iſt ein großer Akt hiſtoriſcher Gerechtigkeit; das iſt halt kaiſerlich geſprochen!“—
Der neue Präſident von Nordamerika, Buchanan, hat ſeine Botſchaft erlaſſen; ſie empfiehlt eine friedliche Politik. Freihaltung von allen Einmiſchereien und Nicht⸗ agitation der Sklavenfrage.
In Gotha haben wir nächſtens den früheren Inten⸗ danten des Münchener Hoftheaters, Franz Dingelſtedt, den die Altbayern endlich glücklich auskabalirt haben aus ſeinem Amte, zu erwarten, indem ſein fürſtlicher Gönner, unſer ver⸗ ehrter Herzog, in bekannter liebenswürdiger Weiſe ihn ein⸗ geladen hat, auf einige Zeit der Gaſt ſeines Hauſes zu ſein.
Das Geſchwätz vom Untergange der Welt am 13. Juni dieſes Jahres trägt bereits ſeine böſen Früchte. In Gallizien ſind ſchon vier arme Schlucker ob dieſes Ge⸗ dankens wahnſinnig geworden, viele Bauern in dortiger Gegend haben die Arbeit eingeſtellt und bereiten einſtweilen gewaltigen Quantitäten Branntweins den Untergang. Ein Knabe in Poſen erhängte ſich aus Furcht— und was der Narrheiten mehr ſind. Auch Herr„Ernſt Heiter“ in Hamburg(Glaßbrenners neue Sonntagszeitung) bereitet ſich und ſeine Leſer auf dieſes Ereigniß vor. Er ſagt in einem„Aufruf an die deutſchen Männer“, in welchen er ſie zur Subſcription auffordert:„Sollte am 13. Juni, an welchem Tage unſer Blatt No. 37 erſcheint, die Welt untergehen, ſo werden wir die an Quartal noch fehlenden Nummern jenſeits nachliefern.“— Ein Gleiches ver⸗ ſprechen Feierabend und Leſeſtübchen ihren Abonnenten.
Die Neuenburger Sache hat viel gutes Papier ver⸗ dorben und manchem Buchhändler einen Ladenhüter mehr in's Haus geſchleppt. Aber da iſt Matthäi am Letzten noch
ein Büchlein flügge geworden, das ſich wenigſtens inſofern
vor ſeinen Vorgängern auszeichnet, als es— nicht lang⸗ weilig iſt. Der Titel heißt:„Die neueſte Schulziade“ Neuenburg 1857, und der Verfaſſer ſucht darin dem Hofrath und Profeſſor H. J. F. Schulze zu Jena, Ritter des Königl. Preuß. rothen Adlerordens und des Portugieſiſchen Chriſtus⸗
Die undank⸗
Napoleon hat viel für Mailand gethan, daß es nicht mehr iſt als recht und billig, wenn Mailand ſeine Züge
„Feierabend.“ 1857.
Motto: Alles für Alle.
giebts Neues?
ordens einige Widerſprüche in deſſen„geſchichtlich⸗ſtaats⸗ rechtlicher Skizze“ über Neuenburg nachzuweiſen.
Das Motto der Schulziade lautet:
Kein Wunder iſt's, Herr Schulze, Wenn in ſo tiefer Sulze
Euch ſtaken Hirn und Pulſe,
Und Euch der Witz vergleicht
Mit Sanchos grauem Zelter, Der, ſchweifend durch die Felder, Heimflieht zum Stammbehälter, Von Prügeln durchgeweicht.
Ein Leſer des Feierabends in Galizien ſchreibt Nan die Redaction:„Die Nummer Ihres Blattes, welche den ſchönen Artikel über den Schnee enthält, kam gerade zur rechten Zeit hier an, um unſer volles Intereſſe in An⸗ ſpruch zu nehmen. Die Schneewehungen überſteigen Alles, was man bisher erlebt. Nicht blos von Dorf zu Dorf, ſondern ſogar von Haus zu Haus war eine Weile jede Communication unterbrochen; in Przemysl reichte der Schnee bis zu den Fenſtern des erſten Stocks. Einige tauſend Hände arbeiteten unausgeſetzt, um eine Gaſſe durch den Schnee zu ſchaufeln. Wo derartige Durchſchaufelungen beſtehen, fährt man zwiſchen zwei oft ungeheuer hohen Schneewänden. Die Befürchtungen vor plötzlich eintre⸗ tendem Thauwetter ſind bei dieſer Sachlage natürlich groß— und rufen große Vorſichtsmaßregeln hervor. Ich erwähne nur die eine, daß ich die Nummern Ihres Blattes, um ſie vor dem möglichen Untergang zu retten, ſeit einigen Tagen auf der bloßen Bruſt trage. Der Weg des Waſſers zum„Feierabend“ geht nur über meine Leiche!“ Möchten ſich doch alle unſere Leſer an dieſer bewunderungs⸗ würdigen Liebe und Treue ein Muſter nehmen!
Die epidemiſch um ſich greifenden Selbſtmorde haben nun bereits ihren Weg aus dem Menſchenreich in das Thierreich gefunden. Wie der Wiener Wandrer meldet, hat ſich kürzlich bei Koscian in Poſen ein lebensſatter
Haſe in demſelben Augenblick als der Eiſenbahnzug darüber⸗ hinbrauſte, ganz gemächlich auf die Schienen gelegt. Welch ein Zeichen der Zeit!
Der„allgemeine deutſche Telegraph“ von Dr. Gall, der in Stuttgart herauskommt und es ſich zur Aufgabe ge⸗ ſetzt hat, die Verbindung aller derjenigen zu vermitteln, welche geiſtige oder materielle Dienſte anzubieten haben oder dieſelben ſuchen— ſcheint ſich zu bewähren. Das Haus Grasmayr zu Feldkirch(Vorarlburg) gewann durch eine einzige Anzeige im Telegraphen in weniger als 14 Tagen 43 neue Kunden; einer Weinhandlung in Ungarn, welche einen Aſſocie mit 6000 bis 20,000 Fl. Kapital ſuchte, führte der V Telegraph deren in vier Wochen ſieben zu.
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