Leſeſtübch
Næ= 17. VBeiblatt
Geſchwind, mas giebts
Napoleon III. ſammelt fort und fort feurige Kohlen
auf das Haupt ſeiner Feinde und ſieht mit ſtiller Genug thuung, wie einem nach dem andern das wider ihn erhobene Schwert aus der Hand fällt. Auch die Stadt Marſeille weiß davon zu erzähleu, über welche der Kaiſer den Glanz des ſproſſenden Lebens ausgebreitet. Keine Stadt hat ſeit einigen Jahren einen ſo ungeheuren Aufſchwung genommen, als Marſeille. Sie hat jetzt eben ſo viele Verbindungen mit Algier, wie mit Paris. Sie iſt das Entrepot zwiſchen Frank reich und ſeiner großen Colonie geworden, und hat nament lich auch aus der Verbindung mit dem Orient, vor allem aus dem Kriege, außerordentlichen Nutzen gezogen. Mar⸗ ſeille gewinnt jetzt nicht minder im Frieden, da dieſer die großen Verbeſſerungsplane der Regierung in Betreff Al⸗ geriens zur Reife gebracht hat. In Anerkennung dieſer Verhältniſſe, und der außerordentlichen Vortheile, die die Stadt dem Kaiſer verdankt, hat ſie jetzt ihren poli tiſchen Parteianſichten entſagt, und die Bevölkerung gehört gegenwärtig zu den entſchiedenſten Verehrern des Kaiſers. Seine wunderbar ſchaffende Hand hat ſich auch in Lyon bewährt, das in Folge der vom Kaiſer ange ordneten Ralibauken eine ganz andere Stadt geworden zu ſein ſcheint. Die Noth iſt verſchwunden und die Be⸗ völkerung Lyons iſt ſeit dem Beſuch des Kaiſers nach der Ueberſchwemmung mit Dank gegen den Beherrſcher Frank reichs erfüllt.
Die Preſſe als Giftbüchſe. Ein Mitglied des preußiſchen Abgeordnetenhauſes ließ kürzlich bei Gelegenheit des Referats über den Antrag des Abg. Mathis zum
folgende erhabene Rede ſeinen abgeordneten Lippen ent ſtrömen: Der Verkauf körperlicher Gifte wird mit Recht überwacht, um wie viel mehr muß es der Vertrieb eines Giftes werden, d welchee nicht bloß die Leiber, ſondern die Seelen tödtet!“ D tröſten, und mit Maria Stuart ſagen:
„ich bin beſſer, als mein Ruf!“
Die Eiſenbahnreiſewelt wird in Kürze mit einer ſehr angenehmen und bequemen Neuerung überraſcht werden. Der belgiſche Moniteur meldet nämlich, daß zufolge Ueber einkommens zwiſchen den Verwatnande der franz. Nord bahn, der belgiſchen Staatsbahnen, der rheiniſchen Bahn und der Eiſenbahnen des norddeutſchen Verbandes, vom
zum„Feierabend.“
lichkeiten unerwarteter Weiſe Bedenken erhoben,
habe ſich jedoch der armen Sünder erbarmt, Schutze der Preßfreiheit gegen die Eingriffe der Verwaltung hade die Welt nicht untergehen zu laſſen
Welt denn doch nicht untergehen werde, Die arme„freie Preſſe“! Aber ſie kann ſich 3 dc) Uldei ergehe dd
bevorſtehende Exreigniß benutzt worden, haß gegen die
1857.
Motton Alles für Alle.
Neues?
1. Mai ab direete Fahrbillets in Form kleiner Büch lein an die Reiſenden verabreicht werden ſollen, dienend für die Reiſen ſowohl von der einen Seite nach Brüſſel, Ant werpen, Oſtende, London und Paris, als von der andern Seite nach Hannover, Bremen, Harburg(Hamburg), Braun ſchweig, Magdeburg, Berlin, Leipzig und Bresden. Die Coupons, welche das Büchlein enthält, ſind auf die Dauer
eines Monates gültig für alle Züge und geſtatten dem Rei⸗
ſenden ſeinen Weg beliebig zu unterbrechen und an den Zwiſchenorten zu verweilen. Nun hat zwar der preußiſche Miniſter v. d. Heydt gegen dieſe dankenswerthen Annehm doch iſt zu hoffen, daß dieſelben recht bald Beſeitigung ſinden werden und die bezweckten Einrichtungen dem Reiſepublikum nicht länger vorenthalten bleiben.
Der berühmte 13. Juni, der Weltuntergangstag, geht um wie ein brüllender Löwe, ſuchet wen er verſchlinge, und ſpukt fürchterlich in den armſeligen Köpfen der polniſchen⸗ Grenzbewohner. Die Regierung hat ſich bereits genöthigt. geſehen, die Verbreiter dieſes Unſinns aufzuſpüren und zur Strafe zu ziehen. Die nöͤthigen Feldarbeiten bleiben liegen, und während die einen ihre geringe Habe noch zu guter Letzt in der Schenke verpraſſen, glauben die andern Buße thun zu müſſen, und bringen ihre Zeit in der Kirche hin. Was für ſaubere Leutchen ihre Hand dabei im Spiele haben, kommt deutlich heraus, wenn man auf das Schwatzen der alten Weiber Acht giebt. Sie erzählen ſich untereinander: der Untergang der Welt ſei im Himmel beſchloſſen wegen der Sündhaftigkeit der Menſchen; die allerheiligſte Jungfrau und Jeſum ge ſei indeſſen bis jetzt noch nicht erhört worden, weil die Sündhaftigkeit der Menſchen zu groß ſei. Man müſſe jedoch noch hoffen, daß es ihr gelingen werde den Exrlöſer zu erweichen, ſo daß die deßhalb müſſe mam Buße thun ꝛc. Daß dabei auch lächerliche Scenen mit unter laufen, iſt begreiflich; ſo verlangte ein Landmann vor wenigen Tagen vor einem Rechtsanwalt noch zuvor ſein Teſtament zu machen. Bei dem polniſchen niederen Volke iſt ſogar das um dem National Deutſchen neue Nahrung zu geben. Die Menſchen, heißt es, hätten es nicht wiſſen ſollen, an welchem Tage der Weltuntergang erfolgen werde, aber ein abſcheu⸗ licher deutſcher Gelehrter habe den Tag herausgerechnet, um die Leute mit Schrecken und Todesangſt zu erfüllen.


