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er unter die Eiche zu ſeinem übriggebliebenen letzten Kinde, das ſchon durch den Rabenſchnabel den Todesſtoß bekommen hatte, um es in ſeinem eignen Magen zu begraben. Die Mutter nahm an dieſer Todtenfeier rührig Theil. Bald darauf trennten ſich die Ehegatten, nachdem ſie faſt 3 Mo⸗ nate mit einander gelebt, geliebt und gelitten, und geſellten ſich andern Hehern zu, um auf Kirſchbäumen und Eichen ein ſorgenfreies üppiges Leben zu führen.
Es war ein rechter Unglückstag für die Vögel, denn bald nach den erzählten Vorgängen mußten die Kinder, de⸗ nen jedes Neſt in der Umgebung bekannt war, ſehen, wie eine diebiſche, raubgierige Elſter die letzte junge Amſel aus dem gar nicht hoch angebrachten Neſte holte. Dieſes Un⸗ glück brachte ſie zum Weinen, nachdem ſie in vergeblicher Wuth die Elſtern verfolgt hatten. Das Neſt war aber auch gar ſo hübſch, und die Kinder hatten es erſtehen ſehen, wie
nur aus„edler Jagdluſt.“
die erſten Holzzweige in die Aſtgabel gelegt waren, wie dann
der kunſtvolle Bau von trocknem Haidekraut geflochten und zuletzt mit einer klebrigen Maſſe von Lehm und einem grü⸗ nen Stoffe ausgeſtrichen wurde, daß es inwendig ausſah, wie vom Töpfer gedreht. leicht zu beſteigenden Baume ein grünliches Ei nach dem andern, bis es fünf waren; dann ſchlichen ſie vorſichtig und geräuſchlos um das Neſt, um die brütende Amſel, deren ſchwarzer Schwanz hinten über das Neſt hervorragte, nicht zu ſtören. Das zutrauliche Thier blieb aber auch auf den Eiern ſitzen, wenn ein neugieriger Kinderkopf ganz nahe kam,
Sie zählten von einem nahen
und ſah den Beobachter mit ſeinen klugen, ſchwarzen Augen
feſt an. Dann kamen die Jungen, alle mit dicken Köpfen
und gelben Schnäbeln, die ſie noch geſtern über das zu klein
werdende Neſt hervorſtreckten. Die alte Amſel ſang jeden Abend auf dem Wipfel der Fichte, gerad dem Kammerfenſter der Kinder gegenüber, wenn dieſe ſchon im Bett lagen, und
ſie freuten ſich ſchon darauf, wenn die fünf jungen Amſeln
übers Jahr ſich auch auf die Fichte ſetzen und ſingen würden. Sie hatten eben die Elſter hohen Espe in dem nahen Wäldchen entdeckt. der ſie dabei antraf, baten ſie, er möchte doch den Baum umhauen laſſen, damit das Raubneſt vertilgt würde. Dieſer lächelte zu dieſem Begehren, erfüllte jedoch ihren Wunſch der Art, daß er eine Ladung Schrot in das Neſt ſchoß, um die Vögelräuber von dieſer Stelle zu vertreiben. Das vor⸗ ſichtige Elſternpaar hielt ſich außer Schußweite, denn eine Elſter kennt den Jäger ſchon von fern, und läßt ihn nicht nahe kommen.
„Aber, warum frißt denn ein Vogel den andern?“ frag⸗ ten die Kinder den Vater, als ſie den Amſelraub erzählten.
verfolgt und ihr Neſt auf einer Den Jäger,
Der Vater wußte nicht ſogleich die rechte Antwort für Kin⸗ der zu finden, die Mutter aber ſagte:„Weil es garſtige
Raubvögel ſind, die wider Gottes Gebot handeln.“ Als
die beiden Gatten allein waren, und die Mutter dieſelbe Frage noch einmal aufwarf, ſagte der Vater:„Wir beklagen
die jungen Grasmücken und Amſeln, bedauern die kinder⸗ loſen Alten und ſind erbittert über die Räuber und Mörder. Gleichwohl ſind jene lieben kleinen unſchuldigen Vögel, wie wir ſie nennen, nicht beſſer als jene großen. Beide, Amſel und Grasmücke, haben für ſich und ihre Brut heut ſchon hunderte von Würmern, Käfern, Fliegen u. ſ. w. getödtet, die alle ſich ihres Lebens freuten, und ebenſo gut ein Recht am Leben hatten. Das zutrauliche Rothſchwänzchen holt die ſo nützlichen Bienen vom Stocke und aus den Blumen, die Nachtigall unterbricht ihren Geſang, um ein vorbeiflie⸗ gendes Thierchen zu erſchnappen, und mordet täglich hun⸗ derte von kleinen Weſen. Alle ſind Räuber und Mörder.
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Und der Menſch iſt nicht beſſer, denn auch er iſt aus thieri⸗ ſchem Stoff. Wir laſſen uns das gebratene Täubchen vor⸗ trefflich ſchmecken, und denken nicht an den Schmerz der Eltern und den Todesſchmerz des jungen Thieres. Das jammernde Brüllen der Kuh nach ihrem Kalbe verhindert uns nicht, uns den Braten davon gut ſchmecken zu laſſen. Ja, wir tödten auf der Jagd das Wild oft ohne Bedürfniß, Das thut weder Heher, Elſter und Rabe, noch ein andres Raubthier. Es iſt nun einmal ſo, daß Einer von dem Andern lebt, und darum iſt auch jede Sentimentalität, jedes Bedauern am unrechten Platze, oder man müßte ſich blos von Pflanzen und Milch nähren. Darum können wir in unſrer jetzigen Geſtalt auf der Erde uns nicht zu höheren Weſen aufſchwingen, denn unſer Stoff i*ſt und bleibt thieriſch, wie alles was lebt. Vielleicht iſt es
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auf andern Sternen anders.
gehörtes und Erlebtes. 3. Beſtrafter Vorwitz.
In G. war ein Taſchenſpieler angekommen, um ſeine Künſte zu produziren. Er erwarb ſich durch ſeine Geſchick⸗ lichkeit Beifall und Anerkennung. Auch ich war mehrmals unter den Zuſchauern und ging immer befriedigt von dannen. Eines Abends ſchien ſich der Künſtler ſelbſt übertreffen zu wollen. Von allen Seiten ſprach man ihm ſeine Bewunde⸗ rung aus. Nur einer der anweſenden Herren ſchien es dar⸗ auf abgeſehen zu haben, hinter ſeine Geheimniſſe zu kom— men. Er drängte ſich ſo auffallend vor, daß mehrmals Aeußerungen des Unwillens gegen ihn ausgeſprochen wurden. Der Taſchenſpieler ließ ihn gewähren und bewies gerade da⸗ durch ſeine außerordentliche Fertigkeit. Er ging umher, den Zuſchauern Geldſtücke in die Hände zu geben; wenn ſie die Hand öffneten, hatten ſie ein anderes Stück, als ihnen gege⸗ ben war. Auch zu Freund Vorwitz kam er und gab ihm einen Kronenthaler. Da dieſer das Geld zurückgeben wollte, hüpfte ein Froſch aus ſeiner Hand. Natürlich brauchte er für den Spott nicht zu ſorgen, da er den Schaden hatte. Die Geſchichte iſt mir unvergeßlich geblieben. Ich konnte nicht umhin, an dieſelbe zu denken, wenn ich ſah, wie die klügelnden Verſtandesmenſchen ſich bemühten, dem lieben Gott hinter ſeine Geheimniſſe zu kommen und den Schleier, der die religiöſen Wahrheiten bedeckt, vorwitzig zu öffnen. Bekommen ſie nicht auch einen Froſch ſtatt des edelen Metalles?
1 4. Die Ermordung des Freundes.
Unter meinen Mitſchülern fand ſich ein junger Preuße, ein gar lieber ſanfter Jüngling. Zu ſeinen Freunden ge⸗ hörte ein Jähzorniger, der zugleich ein politiſcher Schwindel⸗ kopf war. Der Preuße war aus einer Garniſonsſtadt ge⸗ bürtig und kehrte zu ſeinen Eltern zurück, um ſeiner mili⸗ täriſchen Pflicht zu genügen. Sein Freund beſuchte ihn während der Ferien und war unter den Gäſten, als der Soldat einigen Offizieren und andern Bekannten ein Nacht⸗ eſſen gab. Es wurde wacker gezecht und geſungen. Auch fehlte es nicht an Trinkſprüchen, wobei der Studioſus auch der Polen gedachte. Es war nämlich gerade zu der Zeit, als die flüchtigen Polen wie im Triumphe durch Deutſchland
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