Jahrgang 
1857
Seite
31
Einzelbild herunterladen

den Firniß fiel, womit der Pfragner die Buchſtaben und Nummern auf ſeine Säcke machte, und kohlſchwarz von dem Bart an bis zur Schwanzſpitze wieder herauskam, hatten die Mänuſe eine große Freude, und eine ſagte zur andern:Der Kater hat ſich bei den Karthäuſern einkleiden laſſen und darf nun nicht mehr öfter, als des Jahres einmal Fleiſch freſſen. Und als ſich das Gerücht von ſeiner ſchwarzen Kutte durch

Guter Rath in

Herrn Dr. Rathgeber

bin ich ſehr dankbar für Mittheilung der verſchiedenen Heil⸗ mittel gegen friſche und alte Froſtſchäden(Nr. 5.). Habe ſie der Köchin alle vorgehalten, weiß aber nicht, welches ſie davon gewählt hat, mag's auch nicht wiſſen; denn, aufrichtig geſagt, ich denke nicht gern daran. So viel iſt gewiß, daß ich bis zum Sommer weder Hering noch ſaure Gurken an⸗ rühre. Ich bitte Sie um alles in der Welt, mein beſter Herr Doctor, bleiben Sie den Leuten mit ſolchen Mitteln vom Halſe. Hering und erfrorene Füße oder Naſenſpitzen, da ſchaudert einem die Haut, wenn man nur daran denkt.

Nun alſo, das wäre abgemacht, und ich will nun mit dem Anfang beginnen, nämlich mit dem, was eigentlich hätte zuerſt kommen ſollen. Ich thue Ihnen, verehrteſter Herr Dr., in aller Form Abbitte wegen meiner Zweifel. Habe mich ganz in der Stille nach Ihrem Treiben erkundigt und erfah⸗ ren, daß Sie auch ſonſt ein guter Narr ſind, und in Ihrer Umgebung umſonſt allerlei Rath ertheilen. Hab' auch er fahren, daß Sie kein mediziniſcher Doctor ſind, indem man Ihren Rath auch von anderer Seite verlangt hat. Es iſt doch merkwürdig, wie die Leute gleich rennen und laufen, wenn etwas nichts koſtet. Man könnte wer weiß was ausbieten, es würde dennoch verlangt. Aber nehmen Sie ſich in Acht. Das Medizinalcollegium ſpaßt nicht, und ehe Sie daran denken, faßt es Sie beim Wickel. Dann heißt's nicht mehr: umſonſt.

Weil Sie nun ſo gütig waren, mir umſonſt Rath zu er⸗ theilen, ſo werde ich mir erlauben, Ihnen denken Sie nicht etwa an ein Geſchenk, denn dazu bin ich nicht aufge legt eine neue Frage vorzulegen. Dieſe lautet: Woher beziehe ich für meinen Garten, der nun bald in An⸗ griff genommen wird, die beſten Blumen⸗Säme⸗ reien?

Ergebenſt H. F. J.

Postscriptum. Noch Eins, mein Lieber! Meine Frau iſt eine eingefleiſchte Kaffeeſchweſter.Kaffeechen, Dir leb' ich, Kaffeechen, Dir ſterb' ich! das iſt ihr Wahlſpruch. Aber der hinkende Bote iſt nicht ausgeblieben. Magenkrämpfe, Nervenſtörungen, Schlafloſigkeit, und wie die Uebel alle heißen, ſind ihre täglichen Gäſte geworden, die nicht weg bleiben und wenn ſie mit einem noch ſo bitterböſen Geſicht empfangen werden. Da hat der Hausarzt gemeint: Stirb, oder entſage dem Kaffee! Noch weiß ſie nicht, was ſie wählen ſoll. Aber in ihrer Angſt und Noth läßt ſie an⸗ fragen: Welches das beſte Erſatzmittel für den Kaffee ſei? Ich frage und klage mit ihr, indem ich aber mals verbleibe Ihr ꝛc.

2 6

das ganze Haus verbreitet hatte, kam Jung und Alt aus den Löchern hervor. Sobald aber der Kater die dummen Leute ſah, fuhr er unter ſie wie ſonſt und packte die fetteſte unter ihnen. Ehe ſie aber unter ſeinen Klauen den Geiſt aufgab, ſang ſie noch das Schwanen⸗Lied:O, ich alte Thörin! daß ich das Wort vergeſſen konnte: Reißende Wölfe in Schafskleidern!

affenen Briefen.

Antwort.

Woher Sie die beſten Blumen⸗Sämereien be⸗ ziehen? Nun, es gibt ja wol in jeder Stadt einen zuver⸗ läſſigen Handelsgärtner, der Sie redlich bedient. Freilich ziehen nur Wenige die Sämereien ſelbſt, die ſie verkaufen, und können darum nicht für ihre Aechtheit bürgen. Wollen Sie etwas Extrafeines, ſo müſſen Sie ſich an die rechte Schm iede wenden. Und da kann ich Ihnen in der That mit gutem Rath zur Hand gehen; denn wenn Sie mein Gärtchen ſehen ſollten, würden Sie ſich freuen und würden mir's glauben, daß ich gute Quellen habe, aus denen ich meine bunten Lieblinge beziehe.

Wollen Sie ausgezeichnete Levcoyen, Nelken, Lack, Petu⸗ nien, Malven u. dergl., ſo wenden Sie ſich an G. Möh⸗ ring zu Arnſtadt in Thüringen, der ein eben ſo reeller, als ſorgſamer Kunſt- und Handelsgärtner iſt und ſeine weit⸗ ausgebreitete Kundſchaft vorzüglich bedient. Wenn Sie ſich dafür intereſſiren, ſo mache ich Sie ſpäter auf die ſchönſten und neueſten Erzeugniſſe ſeiner großen Gärten aufmerkſam. In Erfurt aber iſt der eigentliche Markt für alle mög⸗ lichen Sämereien, und mehre daſige Handlungen erfreuen ſich eines europäiſchen Rufes. Ich nenne unter andern den Kunſt- und Handelsgärtner F. L. Heinemann, deſſen Levcoyen⸗Flor von allen Sachkennern als einer der ſchön⸗ ſten anerkannt iſt, deſſen Aſtern allgemeine Bewunderung erregen, deſſen Penſée's(Stiefmütterchen) als Muſterblumen erſten Ranges gelten, deſſen Malven⸗, Phlox⸗, Fuchſien⸗, Verbenen⸗, Petunien⸗Sortimente auch den verwöhnteſten Anſprüchen genügen.

Daß andere Gärten nicht minder gute Producte liefern, braucht kaum erwähnt zu werden, und ich komme ſpäter ſchon darauf zurück. Für jetzt genug davon!

Und nun zu der Cardinalfrage Ihrer geehrten Frau Gemahlin: Welche ſind die beſten Erſatzmittel für den Kaffee? Ich könnte eine Legion derſelben namhaft machen, die aber alle auf das Sprüchwort hinauslaufen: Lieber ſchlecht gefahren, als ſtolz zu Fuß gegangen. Darum will ich mich jetzt damit begnügen, Ihnen die Anſicht eines Sachkenners mitzutheilen, die mir derſelbe ſchriflich zuge fertigt hat. Da wird freilich Ihre Frau Gemahlin ſagen: Siehſt Du wohl, es geht nun einmal nicht anders. Trink' ich, ſo hink' ich, und trink' ich nicht u. ſ. w. Wenn Sie aber doch das Trinken und Hinken durchaus nicht länger mit anſehen mögen, ſo will ich dann auch mit meinem guten Rathe vorrücken. Jetzt hören wir meinen Freund:

Wer wüßte nicht, wie viele Erſatzmittel für den Kaffee bereits vorgeſchlagen und theilweiſe benutzt ſind. Die braun⸗ geröſteten Möhren(gelbe Rüben) und die Wurzel der Cichorie