V Kleine Mittheilungen zur Kurzweil und Belehrung. V
des Nachbars holen und will dieweil dieſe Säcke auf ſeinen Haufen legen, damit ich im Finſtern nicht irr werde. Denn bei Tag will ich wol das Sommerkorn von dem Winterkorn unterſcheiden, aber nicht bei Nacht.“ Und als er wieder fort war, kam auch der Nachbar auf ſeinen Boden, und als er V
Von Karl Stöber.
1.
In der Gartenwirthſchaft mit den gehobelten Canapeen und den wetterklüftigen Tiſchen ſitzen eines Abends der Feld⸗ webel Trumm und der Corporal Trimm. Und wie eben die Guſto in der Welt verſchieden ſind, ſo iſt dem Einen ſeine
V Der Faſtnacht Rurzweil.
die Säcke über ſein Winterkorn ausgebreitet ſah, verwun⸗ derte er ſich, dachte aber an kein Arges, ſondern ſprach bei ſich:„Ei, Du gute Seele! Weil das Dach ſchadhaft iſt, willſt Du lieber mein Gut gegen den Regen ſchützen, als das Deine. Aber das wäre zu viel.“ Und damit nahm er die Säcke und breitete ſie über den andern Haufen. Darauf in der Nacht kam der Kohlgörg mit ſeinem Weibe und trug Alles weg, was unter den Säcken lag. Als er aber am Morgen darauf ſeine Arbeit beſah, erkannte er ſein eigenes Sommerkorn und kratzte ſich hinter den Diebsohren. Der Wurm aber wartete
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Brühe zu kurz und dem Andern zu lang. Der Cadet rückt V ſſein Kreuzerbrot auf dem Teller hin und her, und wenn es
in einer Zwiebel⸗ oder Sardellen⸗Sauce gelegen wäre und nicht ſo trocken, hätte er nichts dagegen gehabt. Aber der Feldwebel ſchnauzte die Kellnerin an und fragte, ob er es ihr nicht ſchon hundertmal geſagt hätte, daß er keine Brühe wolle zu ſeinem kälbernen Schlegel. Denn von wegen ſeines
großen Bauches konnte er nicht nahe an den Tiſch rücken und Merke: Untreue ſchlägt ihren eigenen Herrn.
vertropfte ſeine weiße Weſte, wenn er einen ſaftigen Biſſen
über dieſen Vorſprung ſeines Leibes zum Munde führen
ſchon und fraß nun ſeinen Theil.
wollte, oder die Gabel fuhr ihm beim Schneiden aus, und ehe er ſich's verſah, war auf ſeinen Rockſchößen eine Land⸗. 3. karte von Neuholland und den umliegenden Inſeln. Dem Ein grundreicher Kaufmann in Antwerpen erwehrte ſich Cadet aber fiel juſt die Fabel von dem einmal ſeines Geizes und beſtellte bei dem großen Maler Vanderblick ſein Conterfei, ob er gleich wußte, daß dieſer Meiſter kein Bild unter hundert Goldgülden male. Als es aber fertig wurde, war der Geiz wieder Herr im Hauſe ge⸗ worden, und der Kaufmann weigerte ſich, das Gemälde an⸗ zunehmen, ſagend, er wäre nicht getroffen. Das Mannsbild auf der Leinwand ſei nicht er, ſondern ein Anderer, und wenn der Meiſter wieder einmal viel übrige Zeit hätte, ſo möchte er ausgehen und ſich zu dem Ding das rechte Geſicht ſuchen. Der Maler aber erwiderte weder dies noch das, ſondern ging heim und malte neben das Conterfei ein Wappen und in den Schild ein knieendes Männlein, das von ſeinem Weibe mit dem Pantoffel zum Ritter geſchlagen wird. Und weil er dem geizigen Kaufmann gerade gegenüber im Erdgeſchoß G ſeine Werkſtätte hatte, hängte er das Bild hinaus auf die Gaſſe zwiſchen die zwei Fenſter, daß auch die kleinen Buben mit ihren Schelmenaugen ſehen konnten, was darauf ſtand. Es blieben aber auch die Großen ſtehen, und Jeder, der ſich das Bild beſchaut hatte, wandte ſich und warf einen Blick zu den Fenſtern des Kaufmanns hinüber. Da wurde der Geiz⸗ hals zum zweiten Male getroffen und bezahlte lieber die hundert Goldgülden, als daß er länger am Pranger ge⸗ blieben wäre. Der Herr aber ſpricht:„Wehe dem, der ſein Haus mit Sünden bauet und ſeine Gemache mit Unrecht, der ſeinen Nächſten umſonſt arbeiten läſſet und gibt ihm ſeinen Ldohn
Fuchs und dem Raben mit dem Käsbrocken bei und ſagte, lieber wolle er für die Sauce einen Groſchen geben, als daß der Herr Vetter ſich b ärgern follte. Und als der Feldwebel mit der einen Hand
den Groſchen anzog und mit der andern den Teller hinſchob, ſchnitt der Corporal ſein Laiblein in dünne Scheiben und tauchte ſie in die Brühe, bis das Fleiſch ſo trocken lag, wie
ddie Fiſche in Petri Schifflein, und der Verkäufer wieder ſeine Hand darnach ausſtreckte. Aber der Cadet ſtieß nun mit
der Gabel nach dem Braten, wie des Prieſters Knaben nach den Fleiſchſtücken in den Keſſeln, Tiegeln, Pfannen und Töpfen der Kinder Iſrael, die nach Silo gekommen waren, zu opfern. Und weil er behauptete, daß er alle Brühe be⸗ zahlt hätte, nicht allein auf dem Teller, ſondern auch an dem Braten, ſtreckte er ſeine Zunge und machte Anſtalt ihn zu be⸗ lecken, wo er ſchön braun aus dem Backofen gekommen war. Da merkte der Feldwebel, daß ſeiner Schweſter Sohn auch nicht auf den Kopf gefallen ſei, und gab ihm das Fleiſch darein. Hat aber von nun an die Sauce lieber ſtehen laſſen, als verkauft.
Und alſo mag's der werthe Leſer auch halten, wenn ihm der Arge, d. i. der Teufel, etwas abkaufen will, indem er es immer auf den Fiſch abſieht, wenn er um die Brühe handelt.
2. nicht!“ „Auf meinem Boden iſt der Wurm; was ſoll ich mit meinem Sommerkorn anfangen?“ ſagte der Kohlgörg, und der Nachbar antwortete:„Schütt' es auf meinen Boden in. 4. der Scheune; ich will mein Winterkorn etwas auf die Seite Die Mäuſe hätten bei dem Pfragner in der Hutergaſſe
räumen und Dir Platz machen.“ Und das ließ ſich der Kohl— görg nicht zweimal ſagen, verſicherte auch, er wolle zu ſeiner Zeit den Stadelzins nicht vergeſſen. Aber nach zwei oder drei Wochen kam er wieder, und während er ſein Getreide umſchlug, damit es nicht verwarme, ſtach ihm das offene Hinterthürlein der Scheune in die Augen und ſprach bei ſich ſelbſt:„Heut Nacht will ich wieder kommen und das Korn
ein gutes Revier gehabt. Die Böden lagen immer voll Weizen und Dinkel, in den Trögen der Schweine war immer ein übriger Biſſen, und an Heu und Stroh zu warmen Neſtern fehlte es auch nicht. Aber der weiße Kater lauerte überall, und wenn bei den Mäuſen auch eine Trauerzeit herkömmlich wäre, hätten ſie alle das ganze Jahr ſchwarz gehen müſſen, ſo viele fing und erwürgte er. Und als er daher einmal in


