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die angefahren werden soll, während Leute darin sitzen, von denen man glauben muß, daß sie zuletzt den Fuhrmann vom Bock werfen und mit der Re⸗ publik Lustfahrten halten wollen. Darum schreie nur, „Jüngster Tag“; wenn du bei den Bauern nicht allein das Wort hast; wenn sie mit guten Gründen ge⸗ warnt werden, so gehen sie nicht in die Falle. Sie wissen, was sie seit dem 6. März sind. Was sie aber in Deiner Republik werden sollen, wissen sie noch nicht so gewiß, haben aber in Frankreich ein Muster vor Augen, das sie nicht reizen kann. F. F.
Wir lesen soeben das Schriftchen„Zur Syno⸗ dalfrage ꝛc.“ von A. L. Hunsinger, Fried⸗ berg bei Bindernagel, 16 Seiten stark. Wir haben unsere Erwartungen darin weit übertroffen ge⸗ funden; und wir erwarteten schon Gutes darin, weil wir bis jetzt von Hrn. Hunsinger nur Gutes, Klares, Warmes gelesen haben.— Wir fürchten, daß in diesem Augenblick die nicht das Kirchliche be⸗ treffenden Staatsfragen die Aufmerksamkeit für das Kirchliche verschlingen, und daß daher diese Sache nicht nach Wichtigkeit und Verdienst beachtet werden möge. Darum halten wir für Pflicht, besonders da⸗ rauf aufmerksam zu machen. Kirchliches und Politi⸗ sches hängen unzerreißbar zusammen. Bei Feststel⸗ lung der neuen Staateverfassung muß die Kirchen⸗ verfassung mit festgestellt werden. Darum muß sie auch vorher besprochen, den Nichtgeistlichen allen klar gemacht werden. Es wird ein Leben, eine Thätig⸗ keit auf dem kirchlichen Gebiet eintreten, wie sie we⸗ nigstens seit der Reformation nicht gesehen wurde. Dieß muß durch die neue Kirchenverfassung,(zu wel⸗ cher Hr. H. die Grundzüge giebt), hervorgerufen werden. Die Gemeinden werden wieder werden, was sie zu Anfang des Christenthums waren. Es wird auf dem von Hrn. H. bezeichneten Wege ein mächtiges, aber auch ein ruhiges, die Zeit nicht über⸗ eilendes Fortschreiten auf dem kirchlichen Gebiet ein⸗ treten. Mitbürger! Ihr sollt in kirchlichen Dingen wieder selbst denken, selbst reden und mit handeln. Setzet Euch draum auch zeitig in den Stand gehöri⸗ ger Reife, und leset darum auch, was auf diesem Gebiet im Werk ist, selbst wenn es manche Geistliche und Weltliche noch so heftig herabwürdigen und an⸗ fechten sollten,— das bleibt bei allen guten Dingen Anfangs nicht aus.
J. J.
Tagesneuigkeiten.
Neu⸗York, 7. Juni. Man vernimmt aus Mexico, daß die Kammer der Abgeordneten am 17. Mai mit 51 gegen 35 Stimmen den Friedensvertrag mit den vereinigten Staaten von Nordamerika gutgeheißen
stand erklärt.
habe. Doch fehlt noch eine amtliche Bestätigung. General Taylor's Aussichten auf die Präsidenten⸗ Würde bessern sich. Der Baumwollenmarkt ist leb⸗ haft, der Getraidehandel aber unbedeutend. Irlands Freunde haben in Neu-York eine große Versamm⸗ lung gehalten.
Pesth, 19. Juni. Gestern sind hier viele flüch⸗ tige ungarische und deutsche Familien aus Neusatz angekommen. Sie erzählen, daß der Stand der Dinge in der untern Gegend sich eher verschlimmert als gebessert habe. Die insurgirten Serbier und Illyrier erwarten in festen Stellungen den Angriff der Ungarn. Sie behaupten in ihren Proklamatio⸗ nen, vom Gebiete der Magyaren nichts erobern oder verheeren, sondern nur ihre eigenen Bezirke vertheidigen zu wollen. Der Kommandant von Pe- terwardein, Feldmarschall-Lieutenant v. Hrabovsky, soll unserem Ministerium erklärt haben, daß er 40,000 Mann brauche, um mit Erfolg gegen die Aufstän⸗ dischen operiren zu können.
Frankfurt, 26. Juni. Die um 5 Uhr begon⸗ nene Abendsitzung der N.-V. nahm einen so stür⸗ mischen Charakter an, daß Vicepräsident v. Soi⸗ ron die parlamentarische Ordnung zu erhalten nicht mehr im Stande war. Nach wiederholten, aber ver⸗ geblichen Versuchen, dieselbe wieder herzustellen, und namentlich den von einem großen Theile der Galle⸗ rie ausgegangenen Tumult zu beschwichtigen, wurde die Sitzung auf eine halbe Stunde vertagt. Nach Verlauf dieser Pause gelang es zwar dem Vice⸗ präsidenten, sich wieder vernehmlich zu machen, je⸗ doch nur, um die Aufhebung der Sitzung anzukündi⸗ gen, da nicht anzunehmen sei, daß bei der vorlie⸗ genden Aufregung eine ordnungsmäßige Fortführung derselben zu bewerkstelligen sein würde.— Nächste Sitzung: Morgen 9 Uhr.
Paris. Der am 23. gegen 5 Uhr durch ein heftiges Gewitter unterbrochene Kampf wurde mit großer Heftigkeit wieder aufgenommen.— Die Na⸗ tionalversammlung versammelte sich am 24. Morgens um 8 ½ Uhr. Es wurde folgendes Dekret angenom⸗ men:„Art. 1. Die Nationalversammlung bleibt in Permanenz. Art. 2. Paris ist in Belagerungszu⸗ Art. 3. Alle Gewalt und Autorität ist dem General Cavaignae übertragen.“— Die Na⸗ tionalversammlung votirte einstimmig ein Decret, durch welches alle Wittwen und Kinder von Bürgern, die bei der Vertheidigung der Ordnung gefallen oder noch
fallen, vom Lande adoptirt werden.— Die Nacht
über war die Errichtung weiterer Straßensperren ver⸗ hindert worden. Mit dem Tag begann der Kampf wieder. Nationalgarden aus weiterer Ferne trafen ein. Die Aufständischen wurden bis gegen 3 Uhr Nachmittags mehr und mehr zurückgedrängt. Auch an den Barrieren von Paris schlägt man sich. Die


