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Hessische Volkszeitung.

N 22. Freitag,

23. Juni 1848.

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ald dieses Blatt und kostet hier vierteljährig 1 Gulden, monatlich 20 kr., die einzelne Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer

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onen an.

Bemerkungen über einzelne Glaubenssätze des

Gießener vaterl. Vereins. Erste Bemerkung.

Der vaterl. Verein sagt:Wir wollen, daß Deutschlands neue Gestaltung unter Mitwirkung sei⸗ 1 Fuͤrsten sich entwickele auf demokratischer Grund⸗ age.

Prüfen wir, was Das heißt. Demokratisch heißt volks herrlich. Volksherrlichkeit ist nicht vor⸗ handen, wo der Fürst ein sie beschränkendes Recht hat. Daraus folgt: wo demokratische Grund⸗ lage ist, hat zwar der Fürst als Bürger seine ent⸗ scheidende Stimme wie jeder andere Bürger; aber in seiner Eigenschaft als Fürst hat er nur bera⸗ thende Stimme; sonst ist der Grundsatz der Volksherrlichkeit kein vollständiger.

Eine Verfassung, die Dieses wahrt, hatdemo⸗ kratische Grundlage; habe sie die Gestalt einer Ein⸗ herrschaft oder Mehrherrschaft. Das heilige Wort demokratische Grundlage(wolksherrliche, volksthüm⸗ liche Grundlage) ist in Gießen Gespött bartloser Knaben geworden. Sie haben es so im Munde von Männern gehört; wie sollten sie sonst dazu kommen? Sind die Männer staatsmündig, die Solches veran⸗ lassen, hegen und dulden!?

Breitest e demokratische Grundlage ist, wenn das Volk selbst Alles und Jedes zu allen Zeiten selbst entscheiden und bestimmen kann. Dahin ge⸗ hört: daß es zu jeder Stunde in seinen Urversamm⸗ lungen seine Verfassung ändern, die Beschlüsse jeder Art, die seine höchsten Behörden fassen, anneh⸗ men oder verwerfen kann, daß es über Dinge . beschließen kann, welche die Behörden gar nicht an die Hand genommen ha⸗ ben, noch an die Hand nehmen wollen. Eine so breite Grundlage scheint mir entfernt noch nicht an der Zeit. Ist aber einmal dazu ein Volk reif, so werden auch seine höchsten Behörden stets so reif und gerecht sein, daß das Volk keine Ursache bat, diese Selbstherrlichkeitsbefugnisse, wenn es sich dieselbe ausdrücklich beigelegt hat, wirklich auszuüben. Aber ich will unsere Grundlage breiter, als, wie es scheint, des Hrn. Vogt Wähler sie wollen. Sie geben dem Volk Vormünder, Vögte, in dem Oberhaus und einem Präsidenten als Träger der

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die Zeile. Bestellungen darauf

ausführenden Gewalt. Da hat das Volk selbst kein Ja und Nein zu Krieg oder Frieden, kein Ja und Nein zu den wichtigsten Angriffen auf seinen Beutel, und derPrästdent ausführende Gewalt sagt den Häusern Volksvertretern und Oberhaus: Haltet Ihr in diesen Dingen die Mäuler; das sind Ausführungssachen; Ihr, meine Herren, macht die Gesetze, und Nichts weiter, ich bin Der⸗ jenige, der sie ausführt wie er ste versteht!

Ich meinestheils will nicht, daß das Volk auf dem dreibeinigen Gaul,gesetzgebende, richterliche und vollziehende Gewalt in die Dornen reite. Ich will keine Willkührherrschaft Einzelner unter dem Namen von Volksherrschaft. Nicht jedes Gesetzchen braucht von dem gesammten Volksrath berathen, vom ganzen Volk genehmigt zu werden; aber Dinge, für welche das Volk geneigt sein muß, wenn es ste tra⸗ gen soll, müssen der Volkszustimmung unterlegt werden.

Seht, meine lieben Wähler des Herrn Vogt, da gehe ich einen Schritt weiter als Ihr, der keine Kleinigkeit einschließt. Er hat ganz gleiche Bedeu⸗ tung für volksthümliches Fürstenthum, wie für Re⸗ publik. Merkt Euch einstweilen: In der Republik kann man das Volk so gut über den Löffel barbiren, wie in der Monarchie; selbst über Daumen kann man's barbiren. F. F.

Die Republik in Deutschland.

Wenn es die Geschicke mit sich bringen, daß die bisherigen europäischen Staatsordnungen der Repu⸗ blik künftig weichen sollen, so möge uns dieses Loos nicht eher treffen, als bis die Besten und Weisesten unter uns sich für die Republik erklären, bis die Be⸗ griffe aller Menschen mit dem Worte Republik nicht den Sinn der Zügellosigkeit und Anarchie, sondern den der höchsten Ordnung und Gerechtigkeit verbin⸗ den, bis die Sitten republikanisch, d. h. einfach, streng, sparsam, nüchtern geworden sind, bis die Liebe zum Gesetz, die Fügsamkeit unter das Gesetz, eine stille, aber feste Leidenschaft unter uns geworden ist, bis sich die Proberepublik in Frankreich zum Heile des Landes bewährt hat. Bis dahin gilt es, die in der Abstimmung besiegten Republikaner auch da alles Ernstes niederzuhalten, wo sie die Waffen gebrauchen, und mit voreiliger Agitation das Volk beirren möchten. A, A.