Ausgabe 
3.6.1848
 
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Hessische Volkszeitung.

Sonnabend,

N 8.

1818.

3. Juni

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Wegen der Aecker.

Wer ist zu Stadt und Land, der nicht denJüngsten Tag kennt? Wir meinen nicht den jüngsten Tag der Offenbarung Johannis, der auch das Jüngste Gericht heißt, und zu welchem wir aus den Grä⸗ bern auferstehen werden, sondern den GießenerJüng⸗ sten Tag, der wenigstens unterhaltender zu lesen ist, als die Marienlieder von Guido Görres, obschon sie schön sein mögen.(Alle Marien und Mariechen da⸗ bei in Ehren, und alle Annemariechen auch!)

Gewiß Ihr kennt denJüngsten Tag, von dem ich rede, und er hat Euch zuverlässig auch gefallen; denn er zeigt Jedem grade die Seite der neuen Weltordnung, die ihm besonders gefallen muß.

Man soll aber keine Kuh kaufen, von der man nur den Schwanz gesehen hat, das gebt Ihr Alle zu. Ich will Euch daher von der neuen Weltordnung noch mehr zeigen, als Das, was für Euch der Schwanz ist. Wollt Ihr sie dann heute noch, so soll es mir lieb seyn; ich wünsche, daß Ihr sie kauft. Aber ich glaube, Ihr wollt sie dann für Kinder und Enkel aufschieben, und dann ist's auch gut. Ich weiß dann, daß es Mord und Todtschlag gegeben hätte, wenn Euch die Sache aufgeschmuselt worden wäre, ehe Ihr sie recht kanntet.

Also zur Sache. Und zwar heute einmal Et vas

5 für den Bauer. Meine lieben Bauern, die Ihr den

Vernunftstaat wollt, rückt einmal Eure Aecker her⸗

aus, sie müssen Gemeingut werden; im Vernunft⸗

staat hat Niemand Eigenthum an Grund und Bo⸗ den. Was Ihr verdient habt, soll Euer bleiben; für Bau und Besserung sollt Ihr Ersatz haben; aber die Aecker gebt Ihr heraus, die hat die Natur Allen zusammen gegeben, damit ste sich allesammt darauf ernähren, die werden Gemeingut. So! So! Wollt Ihr denn nicht daran? Ich hab' es ge⸗ dacht. Ihr meint nur, das wolle auch derJüngste Tag nicht, er sage kein Wort davon! Fragt ihn einmal. Oder lest das Buch seines Freundes, des genialen Schneiders Weitling, da könnt Ihr noch mehr als nur Das lesen. DemJüngsten Tag ist das Ding keine Neuigkeit, wenn schon er es Euch nicht sagt. Er weiß, daß er Euch damit bock⸗

beinig machen wird, trotz anderer schöner Aussichten; er kennt Euch, er weiß: der Spatz in der Hand ist

Euch lieber als die Taub' auf dem Dach, und in Sachen des Beutels seid ihr Philosophen(Welt⸗ weise) eines besonderen Schlages. Euch wenig⸗ stens predigt er also diese Sache nicht.

Da giebt es aber andere Leute, die werden für das Aecker-heraus offeneres Ohr haben, als Ihr; ich meine Die, wo gar Nichts haben, die begreifen bald, daß die Erde nach Gottes Wille Gemeingut sey. Ja, vor 25 Jahren, so in der Zeit, wo das

Malter Korn 3 Gulden galt, und überall mehr zu

verdienen war, als beim Landbau, da war das Ding noch mehr Einerlei. So ist es aber nicht mehr; wir haben jetzt ein Viertel Menschen mehr im Land, als damals, und das Korn gilt 6 fl. 40 kr.

In andern 25 Jahren können die Menschen noch um ein Viertel mehr geworden seyn, die Aecker werden

bis dahin aber wohl nicht gewachsen seyn, bei Gießen sind sie noch so groß, wie zur Franzosenzeit.(Bloß hat es beim Thomasloch den Heuchelheimern ein schön Stück von einer Wiese weggerissen; das war aber Anno 1815 schon im Zug.) Dann werden also Fünf vor dem Bauer stehen, wovon Jeder ein Malter Korn braucht, während der Bauer nur vier zu vergeben hat. Wie wird Einen da auf dem Kopf beißen! Da wird hinter den Ohren gekratzt werden! Da werden die Aecker was gelten, und die Frucht auch! Da wird's aber auch erst Leute geben, die begreifen wollen, daß ste Gemeingut seyen, und daß man sie Euch nehmen müsse!

Was meint Ihr jetzt, Bauern, wenn ich alle Tage so ein halb Stündchen mit den Taglöhnern rede, mit den Handwerksgesellen und Lehrjungen, mit den Dienstboken, mit ehrlichen Leuten, die sich nicht durchbringen können, und mit Lumpenkerlen, die sich nicht mühsam durchbringen wollen! wenn ich ihnen alle Tage dasselbe Lied singe, immer in einer andern Weise(Melodei), soll ihnen das nicht zuletzt im Kopf bleiben? Mein' ich denn Ja. Wenn Ihr's nicht glaubt, so erfahrt Ihr's noch einst, denn derJüngste Tag wird diesen Vers schon aufstecken, wenn es ihm Zeit scheint, und durch die vier Posaunen blasen, die ihr in seinem Schild seht,

d. h. durch Posaunen, die in alle Weltgegenden ru⸗

fen und in allen Winkeln gehört werden. Schwört nur zumJüngsten Tag, lobt mir den Mann, sagt: er weiß, wo Barthel den Most holt. Ja,