Ausgabe 
2.6.1848
 
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Hessische Volkszeitung. Sreitag, 2. Juni 1848.

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N 2.

Eingeschränktes Fürstenthum (constitutionelle Monarchie.)

Wer nur versalzenen Brei gegessen hat, der wird Mehlsuppe für besser halten. Ob sie aber besser ist, als nicht versalzener, das fragt sich erst noch. So ist es auch mit dem eingeschränkten Fürstenthum. So ist es auch mit der Republik. Wir haben der eingeschränkten Fürstenthümer bisher gehabt, sie waren aber danach! zum Theil, daß sich Gott er⸗ barm! Aber wir haben auch Republiken gehabt, die danach waren, daß sich auch Gott erbarme!

Das Volk ist Herr in Staatssachen(Volkssou⸗ verainität, Geschäftsherrlichkeit oder Oberherrlichkeit des Volkes); Dieß wird jetzt nicht mehr bestritten. Von Gottes Gnaden ist das Regiment bei uns gewesen. Auf den Volkswillen wird künftig das Staatsgrundgesetz gebaut werden. Es wird nicht bloß von Formen und einzelnen Rechten reden, es wird genau sagen, wohin das Staatsschiff ge⸗ steuert werden soll, und wie geschwind. Sonst Oh weh! Heute dorthin, morgen dahin, seien wir nun Fürstenthum oder Freistaat).

Ein Fürsteneinkommen(Civilliste) von Hundert⸗ tausenden oder Millionen, zwei Kammern aus Hun⸗ den und aus Katzen, ein Aufwand vom Teufel, Maitressenwirthschaft und Mißheurathsgrundsätze, ge⸗ heime Späherei gegen den Freisinn, Maulkorb für freie Worte, erkaufte Presse, stehendes Heer ꝛc. sind vorgekommen, sie machen aber nicht das Wesen des eingeschränkten Fürstenthums, Flor auch in Freistaaten gehabt, Rock, statt im Frack.

Ja was ist aber alsdann daseingeschränkte Fürstenthum, die constitutionelle Monarchie, für ein Ding? Es ist ein Freistaat, wo nicht der Ehr⸗ geiz zur höchsten Stelle führt, sondern eine Erblich⸗ keit, die aufhört, wenn es das Volk will; wo der Fürst so bezahlt ist, daß er offener und verkapp⸗ ter Bestechung unzugänglich ist; wo er nicht nö⸗ thig hat, links und rechts geheime Versprechungen zu machen um an den Platz zu kommen, nicht nöthig hat, auffallende Großthaten zu thun um am Platz zu bleiben, wo ihm Verfassung und ver⸗ antwortliche Minister die Hände binden, wenn er aus der Bahn weichen will, wo er sich nicht

nur etwa im

und haben ihren

blähen kann Fürst zu sein, weil ihn nicht seine Per⸗ sönlichkeit, sondern Erblichkeit an den Platz gebracht hat, wo Ehrgeizige nicht nach seinem Platz stre⸗ ben, weil er für sie nicht zu erlangen ist.

Gewiß, jeder Freistaatsfreund wird sagen: ein solches Fürstenthum hat Etwas für sich, versteht sich mit einer Volkskammer wie sie sein sofl, und mit Einer Kammer, nicht mit zweien, mit einer Kammer, die nicht nach Ständen gewählt wird, und wo Tiefeingreifendes nach sechs Monaten neu bera⸗ then, Manches auch vor das Volk selbst gebracht werden muß. ö

Aber wird man sagen, warum denn nicht grade ganz Republik; es geht ja doch auch, und geht gut in andern Ländern! Habt ihr noch Länderstrek⸗ ken zur Verfügung wie Nordamerika, so will ich Euch mit einer jeden Staatsform fahren, die nordamerikanische Republik mit ihren Sklavenstaaten, solltet ihr nie so unbedächtig in's Maul nehmen; wo der Hacken noch sitzt, müssen noch manche sitzen; ich spreche Euch vielleicht ein andermal davon.Die Schweiz, sagt ihr! Nun die Schweiz, da bin ich gewesen davon erzähle ich Euch viel⸗ leicht auch noch Einiges. Einstweilen aber Das: In den demokratischen Cantonen(der Urschweiz) stehts für die niederen Leute so knechtisch aus, wie irgendwo. Die andern Cantone kommen in Blüthe unter Aristokratienz sie waren der Stolz der Schweiz unter den liberalen Regierungen seit 1831, (diese benutzten die von den Aristokratien hinterlasse⸗ nen Staatsschätze, ohne sie zu verschleudern); die liberalen Cantone sind jetzt meist radikale. Die ra⸗ dikale Berner Regierung hat ihr Land bereits mit einer Grundsteuer und Einkommenssteuer beglücken müssen, und wäre sehr wahrscheinlicher Weise schon zausgejagt, wenn nicht die Vorgänge in Italien, Frankreich, Deutschland, alle Aufmerksamkeit ver⸗ schlängen. Warum sprecht ihr gar nicht von Nor⸗ wegen? Norwegen hat eingeschränktes Fürstenthum, und darf die Republiken herausfordern.

Warum für uns Republik ein besorglich Ding ist, will ich sagen. Wir haben schon wohl viel

Volk, in Bälde wird es uoch mehr sein,(in 25 Jahren ist es um gewachsen). Da ist der Herr vor der Thür, den man Socialismus getauft hat, Grundumgestaltung unseres ganzen Gesellschafts⸗