zustandes. Er läßt sich nicht abweisen, er ist ein Bengel. Ihr glaubts nicht, daß er da sei? Seht nur zur Thür hinaus, je öfter Ihr hinausseht, je näher wird er Euch scheinen,(in zwanzig Jahren haben wir statt 850000, eine Million Leute im Land; wie wollen die alle leben? die Gewerbe sind jetzt schon übersetzt und der Landbau braucht keine Hände mehr!) Nun also, kann etwa bei uns Nichts über⸗ stürzt werden? Wirds, wenn wir nicht bloß in Staatsformen, sondern in Dem, was ins Fleisch schneidet, vorwärts wollen, nicht unkluges Rück⸗ streben(Reaktion) geben, bei Allen die irgendwo Etwas verlieren müssen? Dazu ungestümmes, erbit⸗ tertes Vorwärts bei denen, die Nichts zu verlieren haben?! Und da nun Jugend auf der Rednerbühne, die nicht begreift, daß Bürger- und Bauernhirn an⸗ ders ist, als Studentenhirn, d. h. daß Bürger und Bauer die Wirklichkeit kennen, und für schöne Aus⸗ sichten Nichts hergeben wollen;— daß die Volks⸗ hefe nicht Studentenehre im Herzen und Studenten⸗ Bildung im Kopfe hat, so daß sie sich beim Drun⸗ ter und Drüber nicht so zügeln läßt! Republik ma⸗ chen hat bei uns was Anderes auf sich, als wenn wir im Lande der Schlaraffen lebten; sie kann uns Uebleres bringen, als der dreißigjährige Krieg, den
man jetzt noch im Angedenken hat; sagt man doch
jetzt noch: Hol dich der Schwed! Franz Fischer.
Gießen, 31. Mai. Auch die hiesigen Studi⸗ renden scheinen endlich den Zeitgeist richtig erfaßt zu haben; der erste gemeinsame Schritt zur Abän⸗ derung alter Mißbräuche und Uebelstände ist gesche⸗ hen, und wir freuen uns, es aussprechen zu dür⸗ fen, auf rein gesetzlichem Wege. Schon lange wurde ein solches Bedürfniß gefühlt und auch vielfach aus⸗ gesprochen, doch war es erst in den letzten Tagen, daß man Versammlungen berief, um gemeinsam zu handeln. Hier waren es zunächst drei Punkte, welche den Gegenstand der Verhandlungen bilden sollten, nämlich Aufhebung des eximirten Gerichtsstandes, Bildung eines studentischen Ausschusses und Erlan⸗ gung vollkommener Studienfreiheit. In Beziehung auf den ersten Punkt gelang es bis jetzt noch nicht, ein bestimmtes Resultat zu gewinnen; doch lag der Grund hiervon wohl weniger in der Unmöglichkeit der Vereinigung sämmtlicher Partheien(die heutige Versammlung hat eine solche Unmöglichkeit geradezu durch die That widerlegt), als darin, daß man die rechte Mitte nicht zu finden vermochte. Bloße Adres⸗ sen an das Ministerium wurden im Allgemeinen als zwecklos verworfen, da das Ministerium in dieser Beziehung keine Umgestaltung vornehmen könne, be⸗ vor das Parlament die Grundzüge zu derselben her- gegeben, obschon sehr richtig dagegen bemerkt wurde,
daß der Umstand, daß unser Minister zugleich Prä⸗
sident des Parlaments wäre, dieses Hinderniß ge— wissermaßen beseitige, und für die Zweckmäßigkeit einer solchen Adresse spräche. Wenn aber auch auf der einen Seite die vorgelegten Adressen zu unzurei⸗ chend gewesen sind, so waren dagegen sämmtliche von der andern Seite gemachten Vorschläge der Art, daß sie von den meisten Studenten als gesetzwidrig bezeichnet, und als solche von der Mehrzahl verwor— fen wurde. Der zweite der genannten Punkte ist noch gar nicht zur Berathung gekommen; was aber den dritten betrifft, so wurde hier die Zweckmäßig⸗ keit einer Adresse an das Ministerium allgemein an⸗ erkannt; es wurde eine solche in der heutigen Ver- sammlung vorgelegt und einstimmig angenommen, worauf der Beschluß gefaßt wurde, sie im Namen der Studenschaft an das Ministerium abzuschicken. Wir lassen dieselbe, welche sich durch Entschiedenheit, Kürze und Gemessenheit des Ausdrucks empfiehlt, hier wörtlich folgen: „An Großh. Hess. Ministerium des Innern! Die Studentenschaft der Landesuniversität Gießen, eingedenk des hohen Zieles, das sie auf der Hoch— schule zu erreichen strebt, glaubt sich mündig, über Art und Einrichtung ihres Studiums selbst zu ent⸗ scheiden, und jedweden Zwang, der der Entwicklung ihrer geistigen Kräfte hemmend entgegen tritt, abzu⸗ werfen. Sie verlangen daher „daß eine schleunige Aufhebung der Zwangs— „collegien und der damit in Verbindung ste⸗ „henden Testate erfolge.“ Die Studenschaft empfiehlt einem Ministerium des Innern zu baldiger Berücksichtigung: „daß das gesetzliche Biennium aufgehoben, und „daß eine Examinationscommisston bestellt werde, „die theilweise aus Docenten, theilweise aus an⸗ „dern Männern des betreffenden Fachs besteht, „daß bei Zuziehung der Docenten eine mög⸗ „lichste Abwechslung stattfinde, und die Pri⸗ „vatdocenten und außerordentlichen Professoren „bei diesem Wechsel mit in die Reihenfolge auf⸗ „genommen werden.“ Im Namen der Studentenschaft ꝛc.“
Sonderbar. Der jüngste Tag meint gestern, die Kreisrathseinrichtung sey nicht so bös gewesen; son⸗ dern nur die Person gewisser Kreisräthe. Wir hät⸗ ten die Kreisräthe beibehalten sollen, aber patriar⸗ chalische, die in Hessenländerkitteln(lieber in Hemd⸗ ärmeln) beim Landmann unter der Linde säßen. Das hat mich dran erinnert, wie unser verstorbener Groß⸗ herzog dem Fröhlich gepfiffen hat, er solle herauf—
kommen und die Luwis solle ihm eine Pfeife stopfen.
Und Das hat mir weiter in den Sinn gegeben, daß der„Jüngste Tag“ ein verkappter Monarchist ist


