Ausgabe 
25.6.1848
 
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Hessische Volkszeitung.

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Sonntag, 25. Juni

1818.

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KAussprechen der für Vechtssicherung entschlosse⸗ nen Bürger und Bedeutung hiervon.

Ist es zu läugnen, daß viele Bürger hier in Angst sind und sich nicht mehr offen auszusprechen wagen? Ist es zu läugnen, daß beunruhigende Aeußerungen gehört werden?) Ist es darum zu läugnen, weil eben Die, welche solche Aeußerun gen hören, nicht dafür zu zeugen wagen?*) Ver⸗ schwindet darum die Besorgviß, weil die Sprecher der republikanischen Partei versichern, sie wollten kei⸗ nen Meinungszwang dulden? Kann man zweifeln, daß viele, sehr viele Einwohner unserer Stadt keine Republikaner sind? Warum spricht keiner mehr öffent⸗ lich für Beibehaltung des Fürstenthums? Ist der so⸗ eben ausgegebene Aufruf zu einer Zuschrift an unsern

*) Dieser Tage begegnete ich drei jungen Leuten, deren einer im Vorbeigehen sagte:Der kriegt auch sein Fett! Ich kann drei Leute, die ich nicht kenne, nicht anzeigen; ich kann Drei nicht festhalten; ich kann nicht: Bürger zu Hülfe! rufen, für eine Aeu⸗ ßerung, welche ein solcher Feiger so feig sein wird, zu leugnen, wie er feig war, sie zu machen. Gebt ihm abersein Fett! er wird sich's nicht ruhig geben lassen! Gebt ihm sein Fett dafür, daß er tiefer ge dacht hat, als die Mehrheit der Monarchisten, daß er freisinniger und offener ist nicht bloß als diese, son dern als das Heer der Republikaner und soeialistischen Republikaner zusammen, daß er diesen die Wahr⸗ heit in's Gesicht zu werfen wagt, mit Gründen, gegen welche deren Redner nicht mit einemGutenmorgen ausweichen müssen! Gebt ihm dafür, daß er den Haß nicht weniger Monarchisten trägt, weil er das Fürstenthum auf der einzigen Grundlage will, auf der es vernünftig ist, und in unserer Zeit Halt haben kann. Gebt ihm dafür, daß er solches Für⸗ stenthum will, weil es Bürgerkrieg von uns abwenden

kann, weil es das Vertrauen zurückführen muß, weil unsere junge Freiheit sich unter ihm eutwickeln muß, weil Ueberstürzung und was auf sie abzielt,

dadurch einen sichern Damm gegen sich hat, gebt

ihm dafür! Er wird sich wehren, bis er erliegt!

) Hat etwa Niemand in der Stadt Drohbriefe ohne Un-

terschrift erhalten, um Geld von ihm zu erpressen?

Am zweiten Pfingsttag hörte ich selbst an einem

öffentlichen Ort sagen:Das soll einmal einen drit

ten Feiertag geben, wie Gießen noch nie einen gese

hen hat.Eine rothe Fahne und darauf

Dr. Sundheim. Dazu die Art, wie es gesagt wurde! Glaubt Ihr nicht, daß das Aengstliche ängstigt?

Großherzog nicht Vielen aus dem Herzen geschrie ben, während er doch ohne Namen erscheint? Sind nicht Manche gemahnt worden, sich während der republikanischen Kundgebung beim Turnfest zu verkriechen, weil es ihnen dabei übel ergehen solle? (Ich meinestheils bin gewarnt worden, werde mich aber nicht verkriechen, ich müßte mich sogar grob täuschen, wenn ich Gewaltthätigkeiten zu fürchten hätte).

Ist es bei solchen Zuständen nicht Pflicht aller Bürger, die für Rechtssicherheit einzustehen entschlossen sind, seien sie fürstlich oder republikanisch gesinnt, allesammt Dieß zu erklären, laut zu erklären: es solle Niemand wagen, einem Menschen ein Haar wegen seiner Meinung zu krümmen, sie würden es schwer ahnden?

Ist Dieß ihre Pflicht, nun denn, Vorstand der Bürgerschaft und Vorstand der Bürgerwehr, laßt es von den Bürgern und der Bürgerwehr öffentlich aussprechen! Ihr beruhiget manches Herz, das ängst⸗ lich zittert, und selbst sein Zittern nicht gestehen darf.

Fragt nicht, woher diese Ansprache an Euch kommt, fragt, ist sie begründet! Und findet Ihr: Ja! so thut Eure Pflicht, und zürnet nicht, daß man Euch öffentlich daran gemahnt hat.

Solches, wird man sagen, liegt ja schon ausge sprochen in dem Zweck der Burgerwehr, in dem na⸗ türlichen Grund, daß Jeder für sich selbst Rechtsst⸗ cherheit wollen muß Ja, das ist wahr. Aber hat es bisher die Furcht gehoben? Zittern nicht Viele? Wenn Das ist, Mitbürger! so thut mehr noth, eine öffent iche Kundgebung gegen andere Kundge bungen! Also schreitet dazu; es kostet kein Geld und kein Blut. 5 8.

Volksversammlung im Busch'schen Garten zu Gießen Freitags den 23. Juni.

Präsident: H. Ferber. Schriftführer: G. Noll.

I. Dr. Weber verliest eine Zuschrift an die deutsche N. V., die in einfachen Worten erklärt, die Unter⸗ zeichner unterstützten die in Frankfurt durch die Linke vertretene Ansicht. Er bemerkt zu leich, die Zuschrift trage schon zahlreiche Unterschriften, zunächst von den Wahlmännern, die für Vogt gestimmt haben, und