Ausgabe 
25.6.1848
 
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auch von vielen Andern, und werde nunmehr zur beliebigen Unterzeichnung im Vorsaal aufgelegt 9.

II. F. Homberger sprach über die Gründe des Ver⸗ falls und die Mittel zu Hebung des Handwerkerstan⸗ des. Zu Hebung des Standes empfahl er Theilung der Arbeit, indem dadurch von Wenigeren weit mehr geleistet werde, und Creditanstalten, damit der tüchti⸗ ge Handwerker ein eignes Geschäft anfangen könne, ohne dabei zu gedrückt zu sein. Er trug auf Nie⸗ dersetzung eines Ausschusses an, der diese Sache nä⸗ her untersuchen solle.

Schwarz machte aufmerksam, daß das Herunter⸗ kommen des Handwerkerstandes einen Hauptgrund darin habe, daß die Arbeiter selbst, um einander die Kundschaft abzujagen, die Preise unter das Angemes⸗ sene herabdrückten, und die Meister dann in knappe⸗ ster Bezahlung ihrer Gesellen dieses wieder einzuho⸗ len suchten. Der entgegengesetzte Weg werde zu He⸗ bung des Standes viel wieder beitragen

Der Präsident bemerkte, daß Dieß schon durch die von Homberger empfohlene Association der Ar⸗ beiter gehoben werde.(Es schien dem Berichterstat⸗ ter, Hr. Homberger habe nur von einer Verbindung Einzelner zu Theilung der Arbeit gesprochen, wo⸗ bei die einzelnen Gesellschaften allerdings noch einan⸗ der die Preise verderben können.) 8

Müller. Das Uebel werde irrig in dem Ein⸗ greifen von Arbeitern auf dem Land in die Nahrungs⸗ zweige der Stadtbewohner gesucht. Die Meister müß⸗ ten sich zum Preisemachen verständigen, dann könnten sie sellst bestehen, und zugleich die Gesellen besser bezahlen.

A. Becker. Der Arbeiter müsse Eigenthum er⸗ werben können. Bisher hätten ihn die Millionärs durch ihre großartigen Mittel unterdrücken können. Wir seien in unsern Gegenden noch nicht bis auf den äußersten Punkt gedrückt, wie das an andern Orten der Fall sei; daher werde die Arbeiterfrage anders⸗ wo gelöst werden. Auch müsse die ganze Gesellschaft in dieser großen Sache zusammenwirken(für Einzel⸗ bemühungen sei die Sache viel zu ungeheuer). Als Grundlage, auf welche zu bauen sei, spricht er aus: die Grundstücke müssen bemeingut werden.(Er glaubt, Kriege habe zuerst diesen Gedanken gefunden und in Amerika ausgesprochen.) Die Franzosen haben die Arbeitersache bereits im Großen angegriffen durch ihre Nationalwerkstätten. L. Blanc habe diese auf den Grundsatz gebaut: Jedem nach Bedürfniß. Dadurch habe er gefehlt; der richtige Satz sei: Je

*) Die Adresse scheint eine Gegenkundgebung in durchaus freisinniger Richtung gegen die republikanische Adresse, die von Gießen ausging. Die Wähler des Hrn. Vogt sollen sich auch in einem Brief an ihn ausgesprochen haben, er möge die Grundsätze ihres Wahlerlasses fer⸗ nerhin unverändert festhalten.

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dem nach seiner Arbeit. Wesentlich sei auch die gehörige Ausbildung des Menschen; er könne dann weit mehr leisten. Der Lösung der Arbeiterfrage müsse die Lösung der politischen vorangehen; wir müßten zuerst die demokratische Republik haben, diese allein werde die Arbeiterfrage lösen. Diese letztere be treffend sage er: Dem Verdienst seine Krone! Aller dings thue auch die Vergesellschaftung(Association) Vieles; man könne sie daher versuchen; es erleichtere einstweilen. Aber man solle darüber nicht die Poli⸗ tik vergessen(Herstellung der demokratischen Repu⸗ blik). Der Satz: Jedem das Seine! müsse herr⸗ schen. Bisher habe er den Gesetzen vorangestanden, sei aber Lüge gewesen. Zur Zeit fresse das Capi⸗ tal, das der Handwerker verzinsen müsse, die Erzeug⸗ nisse seines Fleißes. Gründliche Hebung der ganzen Sache haben wir nur von der Republik zu erwarten.

Homberger führt in einigen Worten die Sätze aus: Arbeitet selbst; nützt das Beispiel von Frankreich; in Modesachen muß freier Mitbewerb (Concurrenz) offen sein.

Keller. Die Arbeiterfrage sei zu wenig von Prak⸗ tikern, zu viel von Büchergelehrten beurtheilt wor⸗ den. Darauf hin die gemachten großartigen Versuche, darin auch der Grund ihres Mißglückens. Das Ver⸗ suchemachen richte zu Grund. Ueber in⸗Angriff⸗neh⸗ men der Arbeitersache dürfen nicht erst Jahre hin. gehen, sonst werde es zum Plündern kommen. Schädlichen Einfluß habe das Papiergeld gehabt: es habe das Geld vertheuert(der Berichterstatter kann sich hier verhört haben). Auch das Vergeben der Arbeiten an den Mindestfordernden sei ein großes Uebel. Diese Ursachen des Sinkens des Handwer⸗ kerstandes ließen sich alle sogleich heben.

A. Becker. Er sei in Einigem mißverstanden wor⸗ den. Er sei nicht gegen den freien Mitbewerb(Con⸗ currenz), wie Hr. Homberger glaube. Er wolle aber gerecht sein. Er wolle ferner keine Monopolien des Staats, weil die Staatscasse nicht zum Vortheil der Masse angewendet werde. Er kommt auf die See⸗ handlung in Preußen. Sie liefere(wenn er nicht irre) dem Staat jährlich 5 Millionen Thaler Ertrag; dieser aber sei nichts, als der gerechte Verdienst der Arbeiter, der ihnen entzogen werde. Der Uebergang zu einem neuen Zustand koste Schmerzen; dieß gelte auch von einer Veränderung des Arbeiterzustandes. Wir sollten dabei von den Franzosen lernen. Na⸗ mentlich hätten dieselbenauf's Stück arbeiten lassen sollen. Es sei keineswegs, daß die Nationalwerk⸗

stätten jetzt aufgegeben werden würden oder sollten. Der Redner sagt, daß die Franzosen schon dreimal ihr Blut für das Wohl der Menschheit geopfert, daß sie jetzt auch bankerott für die Menschheit würden. Er spricht noch davon, daß die Capitalisten das Geld vergrüben; daß man die Arbeitersache nicht über