Hessische Volkszeitung.
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Montag, 19. Juni
1848.
Täglich
erscheint dieses Blatt und kostet hier vierteljährig 1 Gulden, monatlich 20 kr., die einzelne Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer
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editionen an.
Vorschlag zur Verständigung.
Es ist die Zeit gekommen, in welcher man die Lö⸗ sung der öffentlichen, insbesondere der staatlichen, Fragen von dem Ausspruche des Volkswillens ab⸗ hängig macht. Alle politischen Parteien erkennen auch die Rechtsbeständigkeit dieses Organs an und für sich an, wenn auch über den Umfang des Rechts selbst, wie nicht zu läugnen, noch Streit ist. Trotz dieser allgemeinen Uebereinstimmung in dem Grundsatze, sieht man jedoch, daß nicht allein die verschiedenar⸗ tigsten politischen Ansichten sich aussprechen, sondern daß dieselben auch auf ihre Verwirklichung An⸗ spruch machen. Alle diese politischen Glaubensbe⸗ kenntnisse, welche diese Geltendmachung erstreben, müssen daher, wenn sie sich mit dem Grundsatze selbst nicht in Widerspruch versetzen und dem gewiß gerechten Vorwurf aussetzen wollen, daß sie egoistisch und treulos die Grundlage diesex anerkannten Maß⸗ gebung verlassen, von der Unterstellung ausgehen, daß sie sich auf den Volkswillen gründeten. Diese Unterstellung muß aber so gewiß irrig sein, als es gewiß ist, daß die verschiedensten, sich öfters gerade entgegengesetzten, politischen Ansichten und Bestrebungen zu deren Geltendmachung sich kund geben. Einsender dieses hat an verschiedenen Orten sich für constitutionelle Monarchie und für Republik aussprechen hören. Es soll hier nicht auf den Werth der einen oder der andern dieser Regierungsformen eingegangen werden: Derjenige, welcher sich für eine bestimmte Form, gleichviel welche, erklärt, muß sich ja selbst bereits Rechenschaft hierüber gegeben haben. Diese Zeilen sollen nur zur Aufklärung und Verstän⸗ digung darüber dienen, was der wirkliche Volks⸗ wille sei, d. h was die Mehrzahl des Volkes will. Darüber kann uns weder ein Zeitungsschrei⸗ ber, noch die Art, in welcher sich in den dahier Statt gehabten„Volksversammlungen“ ausgesprochen wurde, zuverlässigen Aufschluß geben. Gewiß Nic⸗ mand, der nur Zusammenzählen und Abziehen ge⸗ lernt hat, wird eine Abstimmung von 80 bis 100 Personen für den Willen einer Bevölkerung von 10,000 Seelen halten, welche Gießen gegenwärtig zählt. Zuerst von den aus den s. g. Volksversamm⸗ lungen Heimkehrenden haben die Einwohner Gießens erfahren, was sie gewollt und worüber sie abgestimmt
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haben! Und diese 80 bis 100 Personen, welche sich für die Repräsentanten Gießens ausgeben, sind zum Theil Minderjährige, zum Theil nicht ein⸗ mal Einwohner Gießens! Soll daher diese Unge⸗ wißheit entfernt, somit Aufklärung über den wirkli⸗ chen Willen des Volks, insbesondere hier der Stadt Gießen, herbeigeführt werden, so ist es durchaus nothwendig, daß eine andere Art der Erkennung dieses Willens geschafft werde. Einsender dieses schlägt den Weg der Veröffentlichung in diesem Blatte vor. Man wolle einmal gerade mit Lösung der Hauptfragen: Ob constitutionelle Monarchie? Ob Republik? den Anfang machen Es dürste nicht er⸗ forderlich sein, daß sich über beide Fragen gleich⸗ zeitig ausgesprochen werde; vielmehr durfte es zur Vereinfachung und den Zweck vollkommen erreichend genügen, wenn sich über eine dieser Fragen aus⸗ gesprochen würde. Dieser Ausspruch würde die Stärke des entgegenstehenden Willens, daher der anderen Partei, vollkommen erkennbar klar legen. Man glaubt, daß es zur größtmöglichen Vereinfa⸗ chung und wünschenswerthen baldigen Entscheidung dieser Frage führen würde, wenn nur Diejenigen, welche Republik wollen, sich und zwar in der Art, daß sie auf einem Blatt Papier, überschrieben: „Republik“ und unterschrieben mit ihrem Namen und Stande, sich erklärten und dieses Blatt dieser Zeitung zusendeten. Die Redaction wird sich gewiß unterzie⸗ hen, gewissenhaft die Namen Derjenigen zu veröf⸗ fentlichen, welche sich in dieser Weise ausgesprochen haben, und man bittet verehrliche Redaktion, ihre Bereitwilligkeit zu diesem Zwecke ausdrücklich erken⸗ nen geben zu wollen).— Auf diese Weise würde einem langen Streit auf kurzem Wege ein Ende gemacht und Jedem, welcher Farbe er auch sei, Aufklärung gegeben werden.
Von Altenburg aus ergeht folgender Aufruf
zu einer mündlichen Verhandlung über
Monarchie und Republik. „Ob Monarchie— ob Republik?— Das ist
jetzt die Frage. In vielen Schrifen und Aufsätzen
1*) Die Redaction der B. 3. ist mit Vergnügen bereit, die fraglichen Erklärungen in Empfang zu nehmen, und die Namen der für Republik Stimmenden zu ver⸗ offentlichen. 0


