Ausgabe 
19.6.1848
 
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wird sie behandelt und noch behandelt werden. Der schriftliche Gedankenkampf aber ist viel zu schwer⸗ fällig und weitschichtig für den Umfang und die Wichtigkeit der Frage. Durch eine mündliche Dis⸗ putation würden sich die Wortführer der Republi⸗ kaner und Monarchianer leichter verständigen oder auseinandersetzen können. Solch' eine Disputation, vor einer größeren Anzahl Zeugen abgehalten, würde zugleich viele andere Vortheile bieten: sie würde den Letzteren Achtung vor geistigem Kampfe lehren, sie würde die streitenden Gegner nöthigen, gegen ein⸗ ander gerecht und billig zu werden, sie würde die blinde und leidenschaftliche Stimmung der Gemüther, wie sie jetzt zwischen den Gegnern herrscht, bedeu⸗ tend versöhnlicher stellen ganz abgesehen von den möglichen Erfolgen der Disputation in Bezug auf die Stärke der Parteien.

Deshalb laden wir alle diejenigen Vertreter des konstitutionell⸗monarchischen Systems, welche sich an dieser Disputation betheiligen wollen, ein, sich ent⸗ weder mit uns, oder unter einander über die Kampf⸗ bedingungen zu verständigen, und im Einverständniß mit uns sie und den Kampfestag festzusetzen. Von unsrer, der republikanischen Partei, werden an die⸗ sem geistigen Kampfe sich betheiligen die Bürger Crueiger, Erbe, Dölitzsch, Nößler, Hempel II. Wie⸗ demann, Dr. Dauai und vielleicht noch der Eine oder der Andere. Von der gegnerischen Seite for⸗ dern wir namentlich die Herren von der konstitutio⸗ nellen Wahlliste auf, sich zum Kampfe zu stellen.

Wir wollen zwar eine größere Anzahl Kampfes⸗ zeugen von beiden Seiten zugezogen wissen, werden aber dafür Sorge tragen, daß von den Zeugen uns⸗ rerseits weder Zeichen des Beifalls, noch des Miß⸗ fallens die Verhandlung unterbrechen sollen, wofern sich die Gegner zu Gleichem verbindlich machen Wir verpflichten uns auch, die zwischen uns und unsern Gegnern in einer Vorberathung noch zu be⸗ sprechenden und festzustellenden Kampfgesetze zu be⸗ obachten und einen ächt wissenschaftlichen Kampf zu führen.

Zu Vergleichung mit der vom vaterl. Verein zu Gießen ausgegangenen Zuschrift an die N.⸗V. drucken wir hier ab, was in dieser in Offenbach geschah: Offenbach, 14. Juni. Gestern kamen hier die Deputirten des vaterländschen Vereins vom 5. Wahl⸗ bezirk des Großherzogthums Hessen zusammen; es wurden die Statuten berathen und festgesetzt und nachstehende Petiton an die N. V. genehmigt:

Hohe Nationalversammlung! Mit der Eröffnung der deutschen Nationalversammlung ist die deutsche Volkssouveränetät zur That geworden. In ihrer unbeschränktesten Machtvollkommenheit wird die N.⸗V. den Bau unseres künftigen Staatslebens auf

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zuführen, das Haus unseres künftigen Glückes zu gründen haben. Daß dieses ein neues werde, daran ist kein Zweifel, denn der alte deutsche Staatenbau ist ja morsch, faul und zur Ruine geworden. Wir Deutschen Alle, gleichviel, welcher Meinung wir angehören, sind einig in dem einen Gefühle, daß es so nicht mehr bleiben könne. Darum sind jetzt die Blicke Aller mit der größten Spannung nach Frank⸗ furt gerichtet. Wir harren auf das Werk der N.⸗V., wie auf ein Werk der Rettung und Erlösung aus den schmachvollen Banden, in welchen uns der Des potismus der Fürsten so lange gefangen hielt, zum Dank dafür, daß die Nation sich in den Jahren 4813 u. 1814 gegen die französische Fremdherrschaft wie Ein Mann erhoben u. den Fürsten ihre Stellung wieder erkämpft hatte. So lange aber der Bundestag in Frankfurt als eine außer dem Parlament stehende Macht in Wirksamkeit bleibt, wird ein Dualismus der höchsten Gewalt bestehen, welcher die anerkannte Volkssouveränetät nicht zur Geltung kommen läßt, die Begründung einer wahren nationalen Einheit noch auf lange hinaus schieben und damit voraussichtlich grenzenloses Unglück über unser Vaterland bringen wird. Wir nahen uns daher mit der ehrfurchtsvollen Bitte:Hohe Nationalversammlung wolle inter⸗ mistisch aus ihrer Mitte eine Centralgewalt beschließen und mit der Leitung und Ausführung der nationalen Angelegenheiten betrauen. Ehrfurchtsvoll beharren hoher Nationalversammlung gehorsamster Joseph Pir azzi, als Präsident und im Namen des vaterl. Vereins im 5. Wahlbezirk des Großherzogthums Hessen, bestehend aus 4000 Mitgliedern. Offenbach, den 13. Juni 1849.

Tagesneuigkeiten.

Madrid, 8. Juni. In verwichener Nacht wur⸗ den wieder einige Verhaftungen vorgenommen, über deren Veranlassung jedoch noch nichts verlautet. Es ist dem Vernehmen nach ein Bündniß zwischen der montemolinistischen und der centralistischen Partei zu Stande gekommen. Es heißt, der Finanzmini⸗ ster habe bereits den Betrag des Semesters, welches in London ausgezahlt wird, nach England geschickt und die Auszahlung werde vom 15 d. M an be⸗ ginnen. Die Einnahmen des Schatzes im Monat Mai waren sehr ergiebig und übersteigen bei Weitem die Ausgaben.

(Vom 10.) Es verbreitet sich das Gerücht, die Königin Isabella sei schwanger.

Paris. Trotz des Vertrauensvotums soll der Vollziehungsausschuß nicht fest stehen. Es soll sich

eine starke Partei für Thiers bilden. Auch ist er an 4 Orten zur N.⸗V. gewählt worden. Italien. Von österreichischer Seite ruft man

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