Ausgabe 
19.6.1848
 
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jetzt darnach, daß General von Welden mit Führung des Heeres in Italien betraut werde.

Mailand, 14. Juni. Das Mailändische Bulle⸗ tin vom 13. Abends 9 Uhr bringt die Nachricht vom Falle Vicenza's am 11. Junk. Der Angriff der Oesterreicher geschah mit 30,000 M. und 60 Kano⸗ nen und sehr vieler Cavallerie in bestem Zustande. Die Stadt wurde mit 50 Stücken beschossen und mußte sich ergeben. Die Besatzung soll aus 10,000 Römern bestanden haben. Die Italiener geben ihren Verlust auf mehr als 500 M. an. Die Schweizer und die Artillerie haben sehr stark gelitten. Alle Corps haben sich ausgezeichnet. Das Feuer hat 15 Stunden anhaltend gedauert. Als alle Munition verschossen war, entschloß sich Durando zur Capitu⸗ lation. Die Garnison zieht mit allen Ehren ab, und behält ihre Waffen, verpflichtet sich aber, während 3 Monaten sich nicht gegen Oesterreich zu schlagen. Das Mailänder Bulletin fügt bei, der Verlust sei groß, doch nicht unersetzlich. Karl Albert darf seine festen Stellungen nicht verlassen, bevor er den Feind von der Verbindung mit Tyrol abgeschnitten hat. Verona ist der Brennpunkt des Kriegs, in seinen Ebenen wird wohl bald der Ausgang des Kampfes entschieden werden; ist Verona genommen, dann wer⸗ den auch die Städte des Venetianischen wieder ge⸗ nommen werden können.

Straßburg.(Telegraphische Nachricht). Ludwig Naroleon Bonaparte hat seine Entlassung als Volks⸗ repräsentant gegeben. Paris ist ruhig

Innsbruck. Der Sieg der Oesterreicher bei Vicenza gab das ganze feindliche Armeecorps von 1500 Mann durch Capitulation in deren Hände. Sie waren im freien Felde umzingelt, und hatten 4800 Todte.(In der gleichen Nachricht liest man jedoch auch von 4000 Freischärlern, die sich in die Schluchten verlaufen hatten, und diese unsicher machten).

Prag. Die Neustadt ist ganz in der Gewalt des Militärs. Es zählt viele Todte, die Gegner weniger.

Posen. Die russischen Truppeu an der Gränze häufen sich.

Triest. Die sardinisch⸗neapolitanische Seemacht hat ein Cloyd'sches Dampfschiff am Auslaufen ver⸗ hindert; sie sperren also eine deutsche Bundesstadt.

Berlin Man verhaftete die bei den letzten Vor⸗ fällen Betheiligten. Viele der Waffen, die ste ge⸗ nommen haben, erbält man wieder.

Thorn. Die Festung wird auß's schleunigste be⸗ waffnet und versorgt. f

Bern, 10. Juni Die von mehreren Großrä then bewerkstelligte Versöhnung zwischen den Volks⸗ häuptern Ochsenbein und Stämpfli hat keinen Halt gebabt. Beider Organe, der Verfassungsfreund und die Berner Zeitung, setzen die Fehde mit arger

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Erbitterung fort, und schon hat dieselbe dadurch, daß der alte Snell, Schwiegervater Stämpfli's und Nigge⸗ ler's, hineingezogen wurde, wieder die alte gehässige, den Deutschenhaß predigende Form gewonnen. ö

Brüssel, 13. Jum. Die heute stattgefundenen Wahlen zu Brüssel sind im Sinne des Gouverne⸗ ments und des konstitutionellen Königthums ausge⸗ fallen. Die Kandidaten der gemäßigten Partei sind sämmtlich mit ungeheuere Majorität gewählt wor⸗ den. Das Resultat aus den Provinzen ist eben so günstig. Hr. Rogier ist zu Antwerpen wieder ge⸗ wählt worden.

Wien. Leibesstrafen sind im Allgemeinen bei dem Heer abgeschafft; nur das Kriegsgericht kann noch darauf erkennen.(Jetzt werden die Haselstecken in Oesterreich in dem Preis fallen!) Man findet, daß Polizei für die Dauer unentbehrlich ist. Graf Bombelles, Erzieher des Thronerben(des Erzher⸗ zogs Franz Joseph) wird nicht vom Hoflager ent⸗ fernt. Dieß ist ein harter Schlag für alle Freunde der constitutionellen Monarchie! Wenn sich der Hof mit Unverbesserlichen umgiebt, so macht er seinen Sturz zur unvermeidlichen Sache. Die Beschäf⸗ tigung der Arbeiter macht hier viel zu schaffen. Es werden dermal bei 19000 Menschen durch den pro⸗ visorischen Bürgerausschuß beschäftigt. Die Hälfte davon ist aus der Umgegend zusammengeströmt, ohne eigentliche Nothwendigkeit hierzu.

Der lombardische Kriegsminister der Oesterreicher mahnt sie zum Frieden. In Bundenburg in Mähren ist ein Verbrüderungsfest gefeiert worden. Bei dieser Gelegenheit ist als Zeichen inniger Verei⸗ nigung der Gränzstein zwischen Mähren und Oester⸗ reich weggeräumt worden. Der Erlaß des Mini⸗ sters Pillersdorff, daß selbstständige Arbeiter, die das 24. Jahr erreicht haben, Wähler seien, hat in der Bevölkerung die freudigste Stimmung hervorgerufen, und durch diesen Akt der Gerechtigkeit hat der Mini⸗ ster des Innern seine liberale Gesinnung neuerdings an den Tag gelegt. Der Stadtrath hat beim Mi⸗ nisterium den Antrag gestellt, daß zum bevorstehen⸗ den Reichstag auch das Militär seine Vertrauensmän⸗ ner ernennen soll.

Innsbruck. Graf Stadion, auf welchen die Reactionaire ihre Augen gerichtet haben, ist bei dem Volk nicht beliebt. v. Pillersdorf ist eben der einzige Mann des Heils für uns.

Prag. Die Truppen sind vollständig Meister. Die Nationalgarde und die Deutschen überhaupt ha⸗ ben keinen Theil an dem Kampf genommen. Ein ganzes Studentencorps soll zusammengehauen worden sein. Die Gemahlin des Fürsten von Windisch⸗ grätz wurde durch einen verabschiedeten Jäger des Fürsten von einem gegenüberliegenden Hause erschos⸗ sen, als sie durch's Fenster sehen wollte.