Berlin. Es soll Absicht sein, 2500 Konstabler, wie in London, einzusetzen, und dazu wohlgediente Un⸗ terofftziere zu nehmen.—— Unter den zur Linken zählenden Mitgliedern der preuß. N.⸗V. finden sich starke Gegensätze.
Dresden, 13. Juni. Gestern wurde hier das Gerücht verbreitet, daß eine russische Armee über die schlesische Gränze gerückt und im Anmarsch auf Bres⸗ lau sei. Das ist jedenfalls ein falsches Gerücht, aber aus einer Menge von Anzeichen geht hervor, daß Rußland einen großen Schlag gegen Deutschland vor⸗ bereitet, dessen Einigung es verhindern muß. Zu die⸗ sem Zwecke sind große Truppenmassen gegen die deut⸗ schen Gränzen vereinigt, mit gutem, wohl auscalcu⸗ lirtem Vorbedacht aber verbreitet worden, daß die in Polen stehende Truppenzahl keine bedeutende sei. Große Soldaten⸗Aushebungen sind im Innern des Reiches vorgenommen worden, zur immer wachsenden Ver⸗ stärkung der im Westen stehenden Heere; das habe ich aus sicherer Quelle, eben so, daß sämmtliche be⸗ urlaubte Offiziere einberufen sind und keinem Offi⸗ zier ein Urlaub mehr bewilligt wird. Gegen Gali⸗ zien und Siebenbürgen stehen ebenfalls die Truppen zum Einmarsch bereit. Die Aufregung der slavischen Völker in Oesterreich wird mit allen möglichen Mit⸗ teln von den Russen begünstigt. Rußlands Kriegs⸗ schiffe aller Gattungen, und zum Kampf gerüstet, kreuzen im baltischen Meere bis zum Sund und Belt; Rußland steht jedenfalls im Bunde mit Dänemark und hat die Scandinavier gegen Deutschland aufge⸗ bracht, ihnen seine Unterstützung versprechend. Und was ist gegen das Alles von Seiten Deutschlands geschehen? Ich spreche es hier aus, wahrlich nicht in Frevelmuth! und in kurzer Zeit wird es bestätigt werden: Rußland wird den Krieg in Deutschland führen; Deutschland rüste sich für seinen Osten, soviel ihm noch Zeit dazu vergönnt ist.
München. Die Baiern wollen keine Sonder⸗ bestrebungen, aber auch keinen deutschen Kaiser, son⸗ dern einen Präsidenten mit einem Senat.
Gießen. Auf Johanni(nächsten Sonntag) soll hier ein großes Turnfest sein.—— Gestern gegen Abend kam es hier auf dem Kreuz zu einer argen Schlägerei. Vorübergehende sollen ohne Grund be⸗ leidigt und mißhandelt worden sein, ein hinzukommen⸗ der Polizeidiener geprügelt. Bürgerhauptmann Geisel mit Hülfe der, seinem ersten Rufe folgenden Bürger der Nachbarschaft, machte der Sache ein Ende, und ließ die Hauptbetheiligten verhaften. Mehrere sind verwundet.
Marburg, 13. Juni. Außer dem Bayrhoffer⸗ schen besteht dahier seit einiger Zeit noch ein ande— rer demokratischer Verein, der sich den Namen„Ge—
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sellschaft der reinen Republikaner zu Marburg“ bei⸗ gelegt und die Gironde zu seinem Vorbilde gewählt hat. Derselbe hat in der Person des Kaufmanns Fr. Ullrich von hier den Congreß der Demokraten beschickt.
Freiburg. Bürgermeister v. Rotteck hat eine Zuschrift von 1061 Bürgern erhalten, die ihm ihr Vertrauen erklären.—— Am 15. Juni wurden den Bürgern die Waffen zurückgeben.—
Mainz, 16. Juni. Was ich Ihnen heute mit⸗ theile, klingt fabelhaft, und ist doch die volle Wahr⸗ heit. Seit dem Pfingstdienstage wird hier für Hecker geworben, und besonders nennt man eine Weinwirth⸗ schaft, wo diese Werbungen ganz öffentlich betrieben werden sollen Das Handgeld, welches den Ange— worbenen geboten wird, soll nicht unbedeutend sein, und der Sold für den Tag 28 Kreuzer(einen Franc) betragen. Allgemein heißt es, Hecker und seine An⸗ hänger hätten bedeutende Geldmittel aus Nordamerika (2? man sagt auch, manche Flottenbeiträge ꝛc. möch⸗ ten nordamerikanische heißen) erhalten, und würde auch ferner kräftig unterstützt werden. Die Zahl der bis heute hier Angeworbenen wird auf einige Hun⸗ dert angegeben, doch kann ich weder diese noch über⸗ haupt die übrigen Angaben verbürgen; über die Sache wird hier in allen Kreisen gesprochen, und man sieht sie für ein öffentliches Geheimniß an. Aus guter Quelle wird mir übrigens versichert, daß gestern auf dem hiesigen Polizeiamte gegen 100 Pässe nach Straß⸗ burg ertheilt worden sein sollen.
Darmstadt. Die Abgeordneten Behlen, Grode, Mohr und Zitz haben der 2. Kammer ihren Austritt erklärt.— Die 1. Ständekammer will ihren Sitzun⸗ gen größere Oeffentlichkeit geben.
Frankfurt. Am 16. Junt hielt die Bundes⸗ versammlung eine Sitzung. Sie hat eine saure Auf— gabe und kein Mensch dankt sie ihr. Sie verwahrt sich gegen Sperrung(Blokade) des Hafens von Triest. Sie nimmt ein Schreiben zu den Acten(vom Ma- rine⸗Congreß zu Hamburg). Ebenso einen Bericht (über Absicht von Truppenausziehung aus Mannheim). Sie überweist die Begehren des in Schleswig-Hol⸗ stein befehlenden Feldherrn v. Wrangel um Verstär⸗ kung zur Begutachtung. Für einstweilige Verwal⸗ tung des Fürstenthums Lauenburg, das, wie Schleß⸗ wig und Holstein, im König von Dänemark seinen Fürsten hatte, soll unter Berücksichtigung der Wün⸗ sche des Landes eine einstweilige Behörde eingesetzt werden. Der badische Gesandte wurde mit Ausfüh⸗ rung dieser Angelegenheit beauftragt. Noch wurde ein Schreiben des Marine-Ausschusses der N. V. über das Begehren des Marine-Congresses in Ham⸗ burg auf Bewilligung von 300,000 Thlr. zu Aus⸗ rüstung von Kriegsschiffen zur Begutachtung gewiesen.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.
Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.


