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grade rechtlichen Beweis aufnehmen zu sollen. Man kann es oft nicht.— Wenn man nun aufträte und sagte: Verfasser der Flugschrift, deren Worte die letzte Versammlung in Gießen im Innersten erschüt⸗ terte, beweise uns die volksverrätherischen Absichten, die Du den Großen unterlegst, wo hast Du solches gehört? Gieb den Ort an! Du bist sonst infam! Was würde der uns wohl erwiedern?!— Eine un⸗ erlaubte Verdächtigung ist in der Versammlung ge⸗ fallen, die der Rüge bedarf. Sie betrifft die Herrn Schwarz und Loschon. Man fragte:„ob sie es in Heyer's Garten gesagt hätten, daß es Republi⸗ kaner des Theilens und Plünderns gebe.“ Sie haben keinen Fuß in Heyer's Garten gesetzt. Sie selber denken an kein Theilen und Plündern. Schwarz ist kein Communist in dem Sinne, wie ihn die Wis⸗ senschaft versteht, sondern ein sehr gemäßigter So⸗ cialist.— Wem das Volkswohl am Herzen liegt, kann sich mit Leuten jeden Berufs und jeder Bil⸗ dungsstufe in guter Absicht unterhalten, und kann aus diesen Unterhaltungen manchen Nutzen ziehen, den er aus Büchern nicht zieht.

Noch ein Wort über Republik. Brechen die Russen bei uns ein, reichen ihnen unsere Großen und Reichen die Hand,— dann kann uns nichts ret⸗ ten, als Republik, und Unterdrückung jeder andern Meinung bis nach dem Kampf. (Wir müssen uns ihr in die Arme werfen, sobald ein genugsamer Grund da ist, solches zu glauben.) Republik allein wird das Fieber entzünden, in wel⸗ chem das Volk seine äußersten Kräfte anspannt, fast übernatürliche Kräfte entwickelt. Ob nach verlaufe⸗ nem Fieber diese Staatsform dann bleibt, ist Ge⸗ heimniß der Zukunft. Es kann sein, es kann feh⸗ len. Aber wenn Rußland nicht angreift, wenn die Großen und Reichen die Zeit nicht verkennen, dann glaube ich das Heil der nächsten Zukunft in volks⸗ thümlichem Fürstenthum zu finden. Dieß ist im We⸗ sentlichen auch die Meinung der Linken(im Ge⸗ gensatz der äußersten Linken) in Frankfurt. F. F.

nVVVVSVFCCCTCCCCTCCCC(CCTTTTTTTTTT Am 1 6. Juni des Nachmittags gegen 3 Uhr verstarb nach einem Unwohlsein von wenigen Stunden Se. Königl. Hoheit Ludwig II., Großherzog von Hessen, geboren 1777, regie⸗ render Großherzog seit 1830.

Tagesneuigkeiten.

Paris. Man widersteht den Emeuten.— Die Bonaparte schen Umtriebe finden keinen Anklang.

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„Straßburg. Die Zulassung von Louis Napo⸗ leon Bonaparte in die franz N.⸗V. ist am 13. d. M. beschlossen worden, und sop it jede gerichtliche Ver⸗ folgung desselben aufgehoben. Ledru-Rollin war ge⸗ gen die Zulassung.— Die Papiere sind gestiegen.— Bei Paris, Cyon und im Alpenlager sind große Trup⸗ penmassen zusammengezogen.— Die Deutschen, welche aus Baden nach Frankreich geflüchtet sind, sollen mit bitterer Noth zu kämpfen haben.

Neapel. Im Palast sucht man rückwärts zu steuern. Es wird daher zu neuen verzweifelten Kämpfen kommen. Die Provinzen sind keineswegs ruhig. Krone und Minister halten endlose Bera⸗ thungen ohne Ergebnisse.

Oesterreich. Die Allg. Oesterr. Zeitung mahnt Deutschland zum unverweilten kräftigen Einschreiten in Böhmen. In Prag selbst würden Bundestrup⸗ pen mit offenen Armen empfangen werden.

Posen. Bei Kalisch, hart an unserer Gränze, wird ein großes russisches Lager für 100,000 Mann Die Truppen rücken aus Litthauen und Volhynien in Eilmärschen heran.

Weimar, 13. Juni. Oberhalb von Berka an der Ilm war eine Thüringen'sche Volksversamm⸗ lung von 6000 Köpfen; Zweck derselben: engere Verbrüderung der Thüringer(vereinigtes Thüringen). Auch die Bewohner des Kurlandes Hessen werden zum Beitritt aufgefordert.(Wir Hessen dürfen nicht getrennt werden. Die drei Hessen, Nassau und Waldeck, find ein natürliches Ganze, das nur ganz oder gar nicht mit Thüringen zusammen gehört.)

Wien. Der Kaiser hat den ersten Reichstag für einen constituirenden(für einen Verfassungsrath) erklärt, und will ihn in Person in Wien eröffnen. Die Wahlordnung soll demgemäß geändert werden.

Leipzig. Laut Nachrichten aus Prag hat das Militair und die deutsche Sache gestiegt. Das Land⸗ volk zeigt wenig Antheil. Das czechische Militair hat sich gegen die Czechen geschlagen. Die Mit⸗ glieder der Slavenversammlung sind über die Gränze gebracht.

Berlin, 15. Juni. Kampf der Arbeiter gegen die Bürger um das Zeughaus. Das Zeughaus ge⸗ plündert durch das Volk. Republikanische Kundge⸗ bungen. Friede zwischen den Parteien; Einrücken von Militär. Man schreibt den ganzen Vorfall dem demokratischen Verein zu.

Verona, 11. Juni. Treviso soll capitulirt ha⸗ ben. Ein Theil der Armee Radetzky's ist hierher zurückgekehrt, das Gros hat sich aber nach Vicenza begeben, und diese Stadt im Zusammenwirken mit Welden's Corps gestern nach äußerst hartnäckigem Widerstande genommen. Die A. A. Z. bezweifelt die Richtigkeit dieser Nachricht.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.

Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.