Ausgabe 
18.6.1848
 
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richtige Ansichten über Staat und Menschenleben beizubringen? Glaubt sicherlich, der Mensch kann mit wenigen Kosten vernünftig gebildet werden; Gott hat nicht gewollt, daß die Mehrzahl der Menschen ewig des Lichts der Vernunft baar sei. F. F.

Volksversammlung, Freitags den 16. Juni, im Busch'schen Garten zu Gießen. Vorsitzer: Prof. Zamminer. Schriftführer: G. Noll.

Verhandlungen: 1. Ueber Redefreiheit und Ordnung in Volksversammlungen sprach in ernster, die Eigenliebe der Versammlung nicht schonender Weise Dr. Cramer; nach ihm noch Andere. 2. Dr. Fi⸗ scher, dessen politisches Wirken in der Schweiz in voriger Volksversammlung verdächtigt worden, be⸗ gehrte Entscheidung über seinen damaligen Antrag auf Bestellung eines Ehrengerichts zu Untersuchung dieser Sache. Trete man nicht ein, so sei er als gerechtfertigt anzusehen; denn eine bestrittene That⸗ sache, die man nicht untersuchen wolle, dürfe man nicht für wahr annehmen. Es wurde auf sei⸗ nen Antrag nicht eingetreten. 3. Hr. Homberger stellte den Antrag auf Verstärkung des Gießener Stadt⸗ raths durch einen Ausschuß von 30 Bürgern; Dr. Vogel empfahl 45. Beschlossen wurde: die Com⸗ misston, die schon früher den Gemeinderath angegan⸗ gen, die Polizei an die Hand zu nehmen, solle ihn angehen, wegen dieser Sache das Angemessene ein⸗ zuleiten. 4. Prof. Vir beantragte eine Commission, die sich mit allen Gemeinden des Landes in Ver⸗ bindung setzen solle, um vereint mit denselben bei dem Regenten auf Aufhebung des gegenwärtigen Landtags zu dringen. Wurde angenommen und die Commisston ernannt. 5. Dr. Koch hielt einen war⸗ men Vortrag für deutsche Auswanderung in zweck⸗ mäßiger Gestalt. Er wurde dahin bekämpft, daß Deutschland im Augenblick seine Kraft auf Herstel⸗ lung seines neuen Zustandes zu verwenden habe, und daß es noch Mittel besitze, seine Bevölkerung, und noch weit mehr, wohl zu ernähren. Ein eigent⸗ licher Beschluß wurde nicht gefaßt. 6. Registrator Herzberger beantragte Maßregeln für Herbeischaffung von Waffen für die Bürgerschaft. Damit wurde ein Antrag von Heyer, Sohn, in Verbindung ge bracht, der sich auf gleichen Gegenstand bezog. Be schluß: die wohldenkenden vermögenden Bürger sol⸗ len um Geldbeiträge angegangen werden; da man nur so gegen Reaction und gegen Anarchie stehen könne.(Mehrere hiesige Bürger haben sich schon zu nahmhaften Beiträgen bereit erklärt.) Fernerer Beschluß: die gegen 600 fl. betragenden Spenden für die Bürgerfahne, mit Einwilligung der Geber und Geberinnen, nachdem eine weniger kostbare Fahne angeschafft sein wird, für Waffenanschaffung zu ver⸗

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wenden. Dazu wurde beantragt, die Waffen in Gießen verfertigen zu lassen, was mit ungetheiltem Beifall aufgenommen wurde. Die vorbemeldte Com⸗ mission wurde sogleich ernannt. 7. Schließlich wurde eine eben angelangte Flugschrift verlesen, die die Ge⸗ fahren zeigt, welche die neue Freiheit bedrohen, und in begeisterter Sprache die deutsche Nationalversamm⸗ lung aus ihrer bisherigen Haltung in eine den An⸗ forderungen der Zeit entsprechende emporheben will. Sie ist sehr geeignet, die Unentschlossenen auf Seite der Linken zu ziehen, deren Losung Republik, weil oder wenn Anderes uns nicht mehr retten kann. 5

Die Haltung der letzten hiesigen Volksversamm⸗ lung war im Ganzen eine ruhige, wenn schon theil⸗ weise sehr begeisterte. Der Präsident beherrschte jederzeit noch die Versammlung. Die einzige bemer⸗ kenswerthe Störung beruhte auf der Laune(Hu⸗ mor) eines Mannes von Bildung, welcher vom Vor⸗ sitzer und mit Mehrheitsbeschluß verhindert worden war; eine Rede zu beendigen, die vom Gegenstand der Behandlung abwich.(Eine starke Minderheit begehrte die Rede zu hören.) Zu bemerken ist, daß Redner von Bildung den Communismus für eine besondere Staats form ansehen. Dieß ist durch⸗ aus nicht der Fall. Ein communistischer Staat kann ebensowohl monarchische, als republikanische Staats- form haben. Weiter hält man hier Communis⸗ mus und Socialismus für gleichbedeutend, wäh⸗ rend sie anderswo streng unterschieden werden und zu unterscheiden sind. Der Communismus erkennt nicht an, daß die Erzeugnisse menschlichen Fleis⸗ ses vollständiges und alleiniges Eigenthum der Er⸗ zeuger sein sollen. Es würde von einem Redner für Infamie erklärt, daß die Volkszeitung sage:Ich sage Euch aber, Mitbürger! ich habe in Gießen schon einzelne Stimmen gehört, die nach die⸗ ser Republik schrieen.(Rehmlich der Republik des krassen Communismus, des Theilens und Plünderns.) Es weiß Niemand viel besser, als der verantw. Herausgeber der Volkszeitung, daß auch unter Lum⸗ pen edle Herzen schlagen. Aber er hat Jahre lang im Durchschnitt wöchentlich drei(im Ganzen etwa 900) Criminalprozeduren gelesen; er weiß daher auch, welche Verworfenheit auf der Welt ist. Er hat nicht

für möglich gehalten, daß Jemand, der sich zur re⸗

publikanischen Partei zählt, für Alle, die sich dahin zählen, einstehen und dafür kämpfen wolle, daß sich kein räutiges Schaaf dabei eingeschlichen habe. Dinge,

welche mit tausendjährigen Erfahrungsregeln über⸗

einstimmen, brauchen nicht besonders bewiesen zu werden. So der Satz: Es giebt Menschen, die un⸗ ter Umständen zum Plündern geneigt sind. Man hört öfters Aeußerungen, über die man nicht glaubt,