66 1 Nachrichten lesen, und lesen
treten und der den besten Vorgeschmack davon liefert, wie diese Herren, sollten sie je zu Einfluß kommen, das Volk nach dieser ihrer allein selig machenden? Ueberzeugung? tractiren würden;— ob über die Art und Weise, mit der man das Volk zu bethören sucht, oder über den Unverstand, daß man dem Volk so wenig Verstand zutraut, um zu hoffen, es auch uur auf einen irgend nennenswerthen Zeitraum die⸗ ser Art leiten und reiten zu können— ob über die Kühnheit der Unterstellung selbst, als seien diese von so Wenigen vertretene Ansichten die des ganzen Vol⸗ kes, oder über die Selbstüberschätzung, mit der jene Unterstellung der unendlichen Mehrzahl des Volkes gegenüber gemacht wird— Doch genug hiervon; es wird genügen, dieses ganze Getreibe nur einmal nach seinem wahren Wesen bezeichnet zu haben, um dem Volk die Augen zu öffnen.— Möge es nur sich vorsehen, das„lange gerittene und geknebelte Volk“, wie einst Hr. Vogt sich ausdrückte, das bis⸗ her so willig dem Gewaltzügel seiner Machthaber folgte, daß nicht die Herrn Agitatoren es an einen Kappzaum nehmen, wozu sie bereits die besten Be⸗ strebungen zeigen, und mit der viel feineren Halfter der Schmeichelei, der Vorspiegelung und leerer Ver⸗ sprechung in seinen Sack, des Haschens nach seiner Gunst, der Verdrehung, Unwahrheit und Lüge, der elendesten Dankverdienerei, es viel cempletter zurei⸗ ten, weit feiner, aber desto erfolgreicher nach ihrem Willen lenken, als es den früheren Reitern jemals möglich war.— Mögest du ja dich vorsehen, du früher und abermals gerittenes Volk, daß du nicht, statt früher mit Zornesgischt, nun mit Bürgerblut in die Zügel schäumen mußt, um dich zu befreien von der Faust, welche dich in unsägliches Elend ge⸗ führt hat. Neidhardt.
Wer mich nicht begreift.
Ich höre zuweilen noch, man begreife mich nicht. Nur Die können mich nicht begreifen, die nur Eine Art von Fürstenthum denken können, nehmlich das⸗ jenige Fürstenthum, das eine Art Eigenthumsrecht ist, das s. g. Fürstenthum von Gottes Gnaden;—
die ferner nicht begreifen können, daß die vor uns Lebenden die angebornen Rechte Unserer und der
noch Kommenden nicht vergeben konnten. Die kön⸗ nen natürlich das volksthümliche Fürstenthum nicht begreifen.
Auf der andern Seite können mich die nicht be⸗ greifen, welche das Anwendbare nicht vor Augen
haben, sondern Das, was gemahlt am Schön⸗ sten aussieht. Das ist, allerdings die Republik. Ist sie aber heute anwendbar? Sie rufen Ja; weil sie die Menschen überhaupt, und die Menschen in Deutschland nicht kennen; weil sie nur einseitige
Beider Art Die Cur schlägt meist Aber es ist eine Pflicht, sie gleich⸗ und ein rechter Mann thut seine Pflicht, wenn er auch spottwenig damit ausrichtet.
wollen. Leute sind schwer zu heilen gar nicht an. wohl zu versuchen,
Den Leuten zu zeigen: die Republik sei grundsätz⸗ lich die richtigste Staatsform, ist so leicht, wie zu beweisen, daß Zwei mal Zwei Vier sei. Und doch sagt Euch jeder Landwirth, jeder Geschäftsmann, daß es nicht immer Vier ist, daß im Leben Fünfe oft grad ist. N F. F.
Der juristische Scharssinn hat mich, wie er glaubt, in der Schlinge; er hat mich in einem Widerspruch ertappt. In welchen? Ich wolle erbliches Fürsten⸗ thum, das aufhöre, sobald es der Volkswille aus⸗ spreche. Ja, das will ich; eine vom Volkswillen abhängige Erblichkeit, die also aufhört, wenn sie der Volkswille ferner nicht mehr bestehen lassen will. Das ist keine unbedingte Erblichkeit, sondern eine bedingte. Das ist auch das Einzige, was mit der Selbstherrlichkeit des Volkes, der Volks⸗ souveränität, verträglich ist. Ich kenne auch unsere Logik; und darum frage ich Euch, Unverbesserliche! reünt Ihr mir einmal die unbedingte Erblichkeit des Fürstenthums mit der Votkssouveränetät, aber reimt sie mir richtig! Dann zieh' ich vor Euch den Hut ab. Nur wenn ihr das Volk für ewig unmün dig erklärt, läßt sich eine ewig erbliche Vormundschaft desselben nothdürftig begründen. In Frankfurt ist die Volkssouveränetät anerkannt; hier bei uns macht sich ein Haufe von 100 Köpfen als Souverain geltend. Geht doch heraus und zer⸗ stäubt ihnz und dann sagt mir: thatsächliche Selbst⸗ herrlichkeit des deutschen Volks besteht für heute noch nicht. Dann will ich über den Rechtspunkt mit Euch fechten. Habe ich Euch nicht schon in der Volkszei⸗ tung meinen Boden entwickelt? Warum antwortet Ihr nicht? Ihre Spalten sind allen Meinungen of—⸗ fen. Schweigen in Dem, was man recht glaubt, ist heutzutag Sünde; darum redet, wenn Ihr recht zu haben vermeint. 24.
Wird das Volk als Ganzes ewig unmün⸗ dig bleiben.
Ihr, die Ihr ja sagt, Ihr haltet Euch doch für mündig? Fragt Euch einmal, was Ihr wäret, wenn Ihr ohne Erziehung geblieben, oder wenn man Euch nur verdummend erzogen hätte! Kaum viel mehr, als die Leute des Volks, die ihr für ewig unmün⸗ dig erklärt.— Nun fragt Euch weiter: wenn man Euch nur verständig unterrichtet, nicht mit einfältigen Aufgaben, mit unnützen Dingen geplagt hätte, wie viel Zeit wäre dann bloß nöthig gewesen, Euch


