oder im Staat Auch einem anderen Moment dürfte nun in der Verfassung Rechnung getragen werden, d. i. wie Nees v. Eisenbeck es bezeichnete, der socia⸗ len Idee. Man wird das Staatsgebäude von Un⸗ ten aufbauen und auf der Basis des freiesten Ge⸗ meindewesens errichten.— Die Untersuchungen über die Ercesse beim Zeughause werden von den verschie⸗ densten Seiten geführt, vom Staatsanwalt, von der militärischen Behörde und der Bürgerwache selbst.— Die Gerüchte, daß fremdes Geld bei den neuesten Vorgängen im Spiel gewesen, behalten Bestand und knüpfen sich an die entdeckte Correspondenz der Für⸗ stin Czartoryska, nach der man in einem dieser Tage dem bestimmten Eintreffen von 1500 bis 2000 Fünf⸗ frankenstücken entgegensieht.— Morgen wird hier ein Handwerkerkongreß eröffnet, der sich an den hier bestehenden Handwerkerverein anknüpft. Letzterer, der
sich politisch neutral und außer den Parteien hält,
wird bei der Neugestaltung der socialen Verhä tnisse erst seine volle Bedeutung gewinnen, und überragt an moralischer Kraft und Ansehen alle Clubs, sowie an Thatkraft, Frische und Besonnenheit. Er scheint es abzuwarten.
Italien. Venedig dürfte schwerlich so leicht in die Hände der Oesterreicher fallen; denn im Jahr 1814 hielt es 6 Monate die Blokade von Englän— dern und Oesterreichern von See- und Landseite her aus.
München. Ein fürchterliches Hagelwetter hat am 19. auf der Ostseite die Fensterscheiben zertrüm⸗ mert. Die Schlossen fielen 10 Minuten lang in der Größe von Taubeneiern.
Paris. Der Polizeipräfect hat Maßnahmen ge⸗ gen die Prostitution getroffen, welche in Paris seit einger Zeit eine furchtbare Ausdehnung gewonnen. — Nach Privatbriefen aus Madrid soll das Ge⸗ rücht von der Schwangerschaft der Königin Isabella ungegründet sein.
Bern, 20. Juni. Daß Hr. Ochsenbein im näch⸗ sten, auf den 26. einberufenen Gr. Rath abermals seine Entlassung als Regierungsrath einreichen wird, scheint außer Zweifel zu stehen.
Hannover, 19. Juni. Es ist erwiesen, daß die Dänen ihre Bomben nicht nur mit Nägeln, Haaken ꝛc. füllen, sondern auch, daß sie mit den Bleikugeln Eisenblechstücke in Verbindung bringen, um die Wunden gefährlicher zu machen.
Brüssel. Obschon man in Rom widerspricht, so ist doch gewiß, daß der Pabst die Politik seiner „ihm aufgedrungenen“ weltlichen Minister verwirft.
Königsberg, 16. Juni. Der constitutio⸗ nelle Club erklärt, daß er mit dem Antrage des Abgeordneten Behrends: die Nationalversammlung wolle,„in Anerkennung der Revolution“ zu Protokoll
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erklären,„daß die Helden des 18. u. 19. März sich um das Vaterland wohlverdient gemacht haben“, vollstän⸗ dig einverstan den ist, und deßhalb mit tiefem Schmerz auf das Resultat der hierauf bezüglichen Abstimmung sieht. Durch sie ist die glorreiche Revolution vom 18. u. 19. März verläugnet und die Souveränetät des Volks in Zweifel gezogen. Während der Club in der unbedingten Annahme der Berend'schen Motion eine Garantie für die friedliche Entwickelung unse⸗ rer politischen Verhältnisse erblickte, hat die Natio⸗ nalversammlung das Vertrauen in sie erschüttert und somit Ruhe und Frieben im Staate in Frage gestellt.
Prag. Die Ruhe ist hergestellt. Als die Trup⸗ pen in Folge Uebereinkunft am 11. Juni Nachmit⸗ tags in die Stadt einrückten, wurde ein Offizier nie⸗ dergeschossen. Darauf begann Feuern und neue Be⸗ schießung der Stadt, an mehreren Orten brannte die- elbe. Da brach der Muth der Czechen. Die Stu⸗ denten warfen die Waffen weg und verließen Prag. Die Waffen wurden von den Bürgern ausgeliefert und Geisel gestellt.
Berlin. Die Ministerkrise ist noch nicht vor⸗ über. Es scheint, das Ministerium fühlt, was es Deutschland in Hinsicht auf Rußlands schuldig ist.— Die Garde-Corps-Reserven sind einberufen. Die Spener'sche Zeitung widerspricht den russischen Trup⸗ penbewegungen. Sehr bestimmt für dieselben spre⸗ chen aber Berichte aus Breslau, Königsberg, Kra⸗ kau. In die Donaufürstenthümer sollen 60,000 Russen eingerückt sein.
Paris. Es sollen bedauerliche Nachrichten aus Lyon und dem Süden angelangt sein.
Frankfurt. Am Donnerstag verständigte man sich dahin, daß nur noch 18 Redner über die Cen⸗ tralgewaltsfrage sprechen sollen.
Innsbruck. Rivoli befindet sich wieder in öster⸗ reichischen Händen.
Mailand. Am 15. hat man sich auf der Höhe von Stellio 7 Stunden lang geschlagen. Der Er— folg sei unbedeutend..
Elsaß. Frankreich rüstet außerordentlich.
Berlin, 19. Juni. Eine Note aus Frankreich dringt auf Freigebung ganz Posens, die deutschen Distriete einbegriffen. Nach einer Note aus Ruß⸗ land wird die Freigebung Posens und die Besetzung Jütlands als Kriegserklärung betrachtet.
Altona. Von Jütland aus wurden dem däni⸗ schen Kriegsministerium durch freiwillige Gaben 216000 Rthlr. zur Disposition gestellt— Nach Privatnachrichten aus Schweden sind die Einwohner für die dänische Sache begeistert. Das 3000 Mann starke Norwegische Hülfscorps, sowie das norwegische
und schwedische Geschwader sammelt sich bei Malmö.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.
Druck und Verlag von G. D. Brühl J, in Gießen.


