werden; aber etwas Anderes ist sicherlich weit mehr noch zu tadeln. Die Behörden nehmlich, wenn ste nicht absichtlich schlafen, müssen von solchen Dingen Kunde haben. Ihre heilige Pflicht ist, daß sie zu rechter Zeit sorgen, daß die Arbeiter nicht zu solchen (doch nicht zum Zweck führenden) Nothmitteln grei⸗ fen müssen;— andrerseits aber, daß sie die Leute nicht auf solche Weise ängstigen und schrecken dürfen..
Die Mitglieder jenes Arbeitervereines scheinen nicht gleicher Ansicht mit einem feurigen Redner in einer neulichen Volksversammlung. Derselbe will nehm⸗ lich alle nach Amerika Ausgewanderten wieder zu— rückrufen. Der Gießener Arbeiterverein kann diese Ausgewanderten hier nicht brauchen; denn er will nicht einmal die Tagköhner auf den Dörfern um Gießen zu Arbeiten in der Stadt zugelassen wissen. (Das sind„seine Kartoffeln“.)
Wir werden eine unzufriedene Zeit bekommen. Ein Holzhauer(für Hrn. H. bemerke ich hierzu: ich kann dessen Namen, wenn's sein muß, erfahren) glaubt Folgendes vor der Thüre: Der Taglohn wird nächstens auf 1 fl. 30 kr. gesetzt; dafur werden Hofgericht, Landgericht u. s. w. herabgesetzt, und die Reichen ganz abgeschafft. Die Taglöhne von 1 fl. 30 kr. geben alsdann die Gießener Bürger.— Soweit ist die Sache recht gut; wo aber die Gies— sener Bürger die Thaler hernehmen werden, scheint ein schwieriges Räthsel. Ich glaube, sie werden ihr Holz selbst machen müssen, weil sie sogar den bisherigen Taglohn nicht mehr werden bestreiten kön⸗ nen. Ich glaube das um so mehr, als ich höre, Hr. Aug. Becker habe an der Volksversammlung zu Butzbach unter Andrem den Bauern gesagt: Wäl⸗ der und Felder gehören Euch, und Ihr braucht, wenn Ihr danach verfahrt, die Butter nicht mehr den Städ—⸗ tern zu bringen, Ihr könnt sie selbst essen. Es will uns bedünken, wenn die Städter nicht Goldmacher werden können, so müssen sie bei solchem Verhalt Holzmacher werden, und da ist ihnen recht Glück zu wünschen, daß Taglöhne von 1 fl. 30 kr. in Aus⸗ sicht sind.— Was übrigens das Butterverkaufen nach der Stadt betrifft, so fragen wir noch: warum schicken uns denn die Bürger der glorreichen Repu⸗ blik Nordamerika Butter und Fleisch nach Europa und weißes Mehl dazu? Der Satz:„Selbstessen macht fett“, werden sie doch auch kennen. Auch ein Satz heißt: Hat alles Ding seinen Grund. F. F.
Wochenübersicht.
Frankreich seufzt unter dem Druck seiner Handwerker- Bevölkerung. Selbst wenn diese ihre
Forderungen nicht steigert, so kann doch das Land
nicht mehr lange darunter aushalten. Dann muß
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es suchen, sie in einen Krieg gegen äußere Mächte zu führen, oder es muß den Bürgerkrieg wagen. An's Auswandern denkt, wie es scheint, Niemand. Oberitalien soll Waffenstillstand haben. Die Oesterreicher halten noch an der festen Linie zwischen der Lombardei und dem Venetianischen, während der Schlußpunkt dieser Linie gefallen ist, und die Pie⸗ montesen schon festen Fuß jenseits gefaßt haben.
Währenddem haben die Oesterreicher die Städte im
Venetianischen genommen.
Der Pabst soll erkrankt sein.
Die neapolitanischen Truppen marschiren aus Oberitalien nach Neapel zurück. Im Neapoli⸗ tanischen scheint das Volk der Landschaften mit sici⸗ lianischer Hülfe gegen den König aufzustehen.
In den österreichischen Staaten werden alle Bande lockerer. Der Czechenaufstand in Prag hatte blutige Folgen. Die Stadt hat schrecklich ge⸗ litten. Die Truppen haben gesiegt. a
In Berlin scheint die gemäßigte Partei Sieger. Die Plünderer des Zeughauses werden zur Haft gebracht.
Die Russen häufen sich auf besorgliche Weise an den Gränzen; ihre Flotten sind mit Truppen an Bord in der See.
In Schleswig-Holstein erwartet man näch⸗ stens ein bedeutendes Zusammentreffen.
Die deutsche National⸗Versammlung be⸗ handelt die wichtige Frage über eine einstweilige Centralgewalt für Deutschland.— An vielen Or⸗ ten in Deutschland arbeitet man mit allen Hebeln für Republik. Verzagtheit, Ungewohntheit in poli⸗ tischem Treiben, Verdutztheit, lähmt die Gemäßigten.
Während Europa im Fieber ist, scheint in Mexico der Frieden zu erblühen. In den Republiken Haiti und Pucatan, und dem Oregongebiet ist Ge⸗ metzel der niederen Ragen gegen die Höherstehenden.
Tagesneuigkeiten.
Wesel, 18. Juni. Gestern wurden hier durch Bürgerwehrmänner von Emmerich fünf Personen ein⸗ gebracht und auf hiesige Citadelle festgesetzt, die dort die Republik ausgerufen hatten.
Berlin. v. Patov, Minister für Handel und öffentliche Arbeit, nimmt seine Entlassung. Graf Bü⸗ low(Schwiegersohn von Bülow⸗Cummerow) soll ihm folgen.— Das Programm des linken Centrums in der preuß. N.⸗V., welches bereits vielfach veröffent⸗ licht ist, wird den neuen Standpunkt bezeichnen, auf dem sich die Minister und die Versammlung entge⸗ genkommen werden, es ist der einer zwischen Krone und Volk getheilten Souveränetät, der Monarchie auf demokratischer Basis(2), ohne Aner⸗ kennung irgend welcher Privilegien in einer Kammer


