Ausgabe 
2.9.1848
 
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würde er ihn nicht sparen! Ist er auch kein Leue, so packt er doch an, wo er kann; und wo er auch nicht kann. Schenkte ihm nur das Publikum noch mehr Glauben! g

Erste und lebte Erklärung an denJüngsten Tag.

Mit Befriedigung habe ich den in Nr. 153

genannten Schmähblattes gegen mich gerichteten

Artikel, gelesen, weil ich daraus entnahm, daß

der von mir nicht einmal genannte Gegner sich

dergestalt getroffen fühlt, daß er Zeter schreit.

Das ist die Macht der ee grip durch

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allen Heuchelschein der Volksbeglücker dringend, das wüste Treiben im rechte Lichte dargestellt hat. Der Gegner schimpft, das ist ein Zeichen, wie der Ge⸗ meinheit, so der Schwäche. Die Sache steht auf schlechtem Boden, die keine besseren Argumente hat. Mich aber kann ein so gemeiner Gegner we⸗ der kränken, noch blamiren, noch viel weniger dazu reizen, mich auf gleichen Boden mit ihm zu stellen. Ich überlasse solche Art zu balgen den Gassenbuben und denen, die sich mit diesen auf gleiche Linie stel⸗ len. In der That, wie ein Lob von dieser Seite bei Leuten von Vernunft und gesundem Sinn nur als Schmach gelten kann, so nehme ich die Läste⸗ rungen von Seiten des Organs der Besudelung nur mit derselben Befriedigung auf, wie den Beifall eines Ehrenmannes. Ich werde ermuntert durch den Er⸗ folg, fortfahren, die verderblichen Grundsätze und das heillose Treiben der anarchischen Faction mit allen ehrenhaften Mitteln, die mir zu Gebote ste⸗ hen, zu bekämpfen, und durch Beleuchtung mit der Fackel der Wahrheit die Nebelbilder täuschender Vor⸗ spiegelungen zu verscheuchen. 1 Gießen, 1. Septbr. 1848.

Karl Lanz.

N Wochenschau. 5 Deutsche Reichsangelegenheiten. Die deulsche Nationalversammlung hat vollkom⸗ mene Glaubens⸗ und Gewissensfreiheit ausgespro⸗ chen; Niemand ist verpflichtet, seine religiösen Ueber⸗ zeugungen zu offenbaren ꝛc. Die Staatsbürger⸗ pflichten dürfen auf den Namen der Religion hin nicht verletzt werden. Gagern ist wiederum zum Präsidenten, v. Soiron zum Vieepräsidenten der N. V. erwählt worden.

Der Reichskriegsminister hat in der N.⸗V. die Auskunft ertheilt, daß der Sache nach dem Hul⸗ digungsbegehren in allen deutschen Staaten nunmehr genugsam entsprochen seit. Krawalle werden seltener. Ein bedeutender

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Katzenmusik⸗Krawall war in Cassel wegen Ver⸗ haftung zweier Gardisten, die mit Bürgern die Kopf⸗

bedeckung gewechselt hatten. In Aschaffenburg gab es beim Forstfrevelgericht zwei Todte. Im Harz war ein Bergarbeiter⸗Krawall. In Mainz wurden vom Militär Zerstörungen in einem Bilder⸗ laden angerichtet. In Wien waren ernste Arbei⸗ terunruhen(siehe Oesterreich). In Gießen war ein Studentenkrawall, wobei ein Student. der gemachten Meldung nach durch einen Schuß von Seite der Studenten selbst getödtet wurde.

In Oesterreich geht es, seit der Kaiser nach Wien zurückgekommen ist, nicht besser. Die Presse

greift das constitutionelle Kaiserthum an. Sie greift auch das Ministerium an.(Die radikale Presse sucht

alle Ministerien abzunützen; sie will ein Ministerium der socialistischen Republik.) Wien hatte einen Kampf gegen seine Arbeiter, worin 18 Arbeiter getödtet und 152 schwer verwundet wurden, darunter mehrere Wei⸗ ber. Der Anlaß war eine Lohnherabsetzung; doch sind die Arbeiter auch stark aufgewiegelt worden.

Man hat mit dem Schießen nicht gezögert; doch scheint es, daß bei Zögerung nichts gewonnen wor⸗ den wäre. Der Ausbruch wäre später nur um so

stärker gewesen. Der Sicherheitsausschuß ist aufge⸗ löst und das Ministerium hat die vollziehende Ge⸗

walt ganz an sich genommen.

Zwischen Deuschland und Dänemark ist so⸗ eben wirklich Waffenstillstand abgeschlossen worden.

ö Im österreichischen Italien, in der Land⸗ schaft Brescia und Como, streifen noch gegen 4000

Freischärler herum, und führen Guerillakrieg. Der Zustand in Venedig sei traurig. Das Mi⸗ nisterium zu Turin erklärt den vom König abge⸗

schlossenen Waffenstillstand mit Oesterreich für null

nichtig. 7 8 Die Ungarn sind bei einem Sturm auf St. Tho⸗ mas zurückgeschlagen worden. Ihre Sache steht schlecht. Die beiderseitigen Truppen begehen arge Rohheiten. Frankreich entsendet viele Truppen nach der italienischen Gränze. Ledru⸗Rollin hat anerkannt, daß er die republikanischen Einfälle in Baden, Bel⸗ gien und Savoyen habe betreiben lassen, und daß ste aus dem Staatsschatz unterstützk worden seien. Gegen Louis Blanc und Caussidiere ist Untersuchung wegen der Maiereignisse erkannt worden. Sie sind hierauf geflüchtet. Es werden in der Republik Frankreich fortwährend Zeitungen mit Beschlag be⸗ legt, oder am Erscheinen verhindert. Die Staats⸗ anwälte haben Weisung zu scharfer Ueberwachung der Presse. 20,000 Arbeiter verlangen Ueber⸗ siedlung nach Algier. Man verlangt jetzt Ent⸗

schädigung für die Sclavenhalter in den Kolonien (90 Millionen Franken!) 92 a

Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Pischer.

Druck von G. D. Brühl J. in Gießen.