Polen mit Ungerechtigkeit gegen die Deutschen zu viel einräumte(Periode Willisen); und dann auch die deutsche Bevölkerung in ihren Rechten vollstän⸗ dig anerkannte, sie in Schutz nahm und organi⸗ sirte(Pfuel'sche Periode). Wenn nun ein Umschlag der Politik in der grundlos befürchteten Weise er⸗ folgen sollte, so stände ein neuer Bürgerkrieg bevor, denn der nunmehr unter den Waffen stehende Deutsche wird schwerlich von seinem guten Recht lassen. i
Berlin. Für Ersetzung der drei Minister be⸗ zeichnet man: v. Usedom(Auswärtiges), v. Auers⸗ wald(Cultus), Grabow oder Pinder(Inne⸗ res).—— Aus dem Zeughaus wurden auch 1100
Zündnadelgewehre entwendet, deren Einrichtung bis⸗ her noch preußisches Geheimniß war.
Paris. Unsere Socialisten hoffen von dem Ein⸗ tritt Considerants in die Assemblee die Errichtung eines Muster⸗ oder Probe-Phalanster auf Staats⸗ kosten in der Nähe von Paris, nachdem sie über das bei Oran in Afrika errichtete prosperirende Be—⸗ richte erhalten haben.—— Es ist allgemeine An— sicht, daß die Nationalwerkstätten bald aufgelöst werden müßten. Wieder wird ein Credit von 3 Millionen Franken dafür verlangt. Carl Düpin sagt, die Nationalwerkstätten kosteten jährlich zwei Mil⸗ liarden(also bei Tausen Millionen Gulden). Dieses Geld sollen die Handwerksleute herbeischaf— fen helfen, deren Gewerbe gerade durch die Natio⸗ nalwerkstätten zu Grunde gerichtet werden.(Seht, so geht's, wenn im Galopp socialistisch vorwärtsge⸗ schritten werden soll;— so sind gerade die eifrig⸗ sten Socialisten die gefährlichsten Feinde des Socia⸗ lismus. Solch' heillose Folgen, die nicht in der Sache selbst, sondern in übler und übereilter An— wendung der Grundsätze liegen, schaden dem So⸗ cialismuͤs in einem Maße, wovon Büchermenschen, Knaben, und Schwärmer die Menschen und Leben nach sich selbst beurtheilen, keinen Begriff haben können.)
Die dienstpflichtige Maunnschaft von 1847 wird nicht einberufen.— Alle Forts um Paris sind von der beweglichen Nationalgarde und Linie besetzt.
Italien. Alle Nachrichten aus Calabrien und Sicilien melden, daß man sich gewaltig rüste, um ein geordnetes Heer zu bilden und gegen Neapel zu ziehen. Ueber 200 Sicilianer seien über die Meerenge von Messina übergesetzt, hätten ein Ca⸗ stell erstürmt und sich mit den Calabresen vereinigt, um die königlichen Truppen im Lager bei Reggio anzugreifen. 4
Altenburg. Am 17. soll die Volkspartei auf den Rath der Juristen beschlossen haben, von Ei⸗ gengewalt abzustehen, und den Herzog in Frankfurt zu verklagen. Am 18. Morgens soll es aber doch
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losgegangen sein wegen beabsichtigter Verhaftung der Führer der republikanischen Partei.
Paris. Die Staatspapiere fallen.— Der Handel
mit Lurusgegenständen stockt gänzlich.— Lamartine soll immer noch daran denken, sich aus dem Vollzie⸗ hungsrath zurückzuziehen.
Mexico. Der Friedensvertrag ist noch nicht ge⸗ nehmigt; aber der zu Queretaro vereinigte mexicani⸗ sche Congreß soll sich damit beschäftigen.
Aucatan(Mittelamerika). Die Indianer metzeln die Weißen nieder.
Haiti. Die Mulatten werden von den Schwar⸗ zen niedergemetzelt. Die Mulatten hatten dem Prä⸗ sidenten der Republik Haiti eine Beschwerde über⸗ reicht. Als Antwort ließ er 80 von ihnen erschießen. (Darauf begann der Aufstand)
Oregon. Krieg mit den Indianern Man hat die Hülfe der Hudsonsbay⸗Compagnie in Anspruch genommen.
Neu⸗York. Die Demokraten werden für die näch⸗ ste Präsidentenwahl den General Caß unterstützen.
Gallizien. Die Herzogthümer Anschwitz und Za⸗ tor, zwischen Krakau, preuß. und österreich. Schlesien und Gallizien, haben die Wahlen in den deutschen Verfassungsrath abgelehnt; sie gehörten der Geschichte und ihrer Nationalität nach durchaus zu Polen.
Wien. Die englische Vermittelung in Italien soll angenommen sein. Grundlage: Freigebung der Lom⸗ bardei und eines Theils des Venetianischen, gegen Uebernahme eines Theils der österreichischen Staats⸗ schulden.— Der Kaiser soll in Innsbruck ernstlich erkrankt sein.— Auf die Nachricht, daß in Italien ein 6wöchentlicher Waffenstillstand geschlossen sei, stie⸗ gen die Papiere 6—7 pCt.— Treviso ist von Welden besetzt.— Padua hat sich ohne Schwertstreich an die Oesterreicher ergeben.— Die Lage der öster⸗ reichischen Truppen soll gleichwohl eine sehr üble sein.
Venedig. Die Regierung von Venedig hat die Hülfe der franz. Republik ansgerufen.
Berlin, 17. Juni. Graf v. Schreckenstein ist provisorisch zum Kriegsminister ernannt worden.—
Bewaffnete Arbeiter versuchten, jedoch vergeblich, das Artillerie-Laboratorium zu überfallen.
Drei große russische Lager ziehen sich dicht an der Gränze Posens(bei Kalisch) zusammen.
Frankfurt. Der Bundestag hat die Regierun⸗ gen von Baiern, Sachsen und Preußen angegangen, Truppen bereit zu halten, für den Fall, daß sie zum Schutz Böhmens aufgerufen würden.— Die Rechte will in der Centralgewaltsfrage den Kampf wagen, und die Ernennung dieser Gewalt den Für⸗
sten in die Hand spielen.(Zum Heil Deutschlands bedürfen wir eben einer alles Mißtrauen tötender Maßregeln, und das kann diese Maßregel eben nicht.)
Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.
Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.
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