Ausgabe 
28.6.1848
 
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der Republik zu erwarten sei. Das aber ist unbe⸗ streitbare Thatsache, daß alle denkenden Anhänger der Beibehaltung des Fürstenthum auf die ange⸗ messene Staatsfürsorge für den Arbeiter⸗ stand dringen und dringen müssen, wenn sie nicht ihr eigen Grab graben wollen.

Die Arbeiterfrage zerfällt für uns in zwei Theile, nehmlich: 1) was ist zu thun, um auf der Stelle das stets wachsende Uebel zu dämmen, und erträg⸗ licher zu machen, bis die Grundhebung desselben ein⸗ treten kann? und 2) was ist zu thun, um das Ue⸗ bel von Grund aus zu heben.?

Es ist recht, wenn man ein Uebel von Grund aus heben will; dann ist und bleibt es gehoben. Aber wenn mir der Keller voll Wasser steht, und die Kartoffeln darin ersaufen wollen; soll ich dann bloß sorgen, daß künftig kein Wasser mehr in den Keller laufe, oder soll ich nicht vor Allem einstwei⸗ len ausschöpfen was darin steht, und meine jetzigen Kartoffeln retten? Ich denke; Letzteres! So ist es mit den beiden Theilen der Arbeiterfrage. Sollen wir die gegenwärtigen Arbeiter zu Grunde gehen lassen, um den künftigen allein eine gute Zeit zu bereiten? oder sollen wir vorerst für die Lebenden so gut als möglich sorgen, und daneben allmählig und nach Kräften auch für Zukünftigen? Fragen wir die Arbeiter selbst, so lagen sie ganz sicherlich: Allerdings soll zuerst für uns gesorgt werden, wir wollen nicht ohne Not h⸗ wendigkeit für die Nachkommen geopfert werden. Ja, sage ich, wenn man Cuch opferte, so würde man Euch ohne Nothwendigkeit ofern, und wäre noch nicht einmal sicher, daß das Opfern den er⸗ warteten Nutzen einbrächte(Forts. f.)

Ueber die Erfordernisse zu einem guten Volks⸗ vertreter in der jetzigen Zeit.

Der deutsche Volksvertreter muß gesinnungs tüchtig, muß dem Charakter nach freih und sel bst⸗ ständig seyn; er muß ein gereiftes Urtheil haben, muß nach eigener gediegener Ueberzeugung handeln, ohne alle andere Rücksichten; er darf weder den Fürsten und ihren Rathgebern, noch dem Volke und seinen Wortführern schmeichelnz er mutz sich von aller Parteiung frei halten, darf sich nicht von Umtrieben leiten lassen, sondern muß sich überall sein freies, unbefangenes Urtheil bewahren.

Der Volsvertreter in der gegenwärtigen Zeit muß muthig sein; er darf sich nicht fürchten, wenn ihm Verfol ung und Untergang droht, mag es sein, von welcher Seite es will; er darf sich nicht irren lassen, wenn er weiß, daß bezahlte Bösewichter ihm auf⸗ lauern; er muß auch dann standhaft bleiben, wenn eine Rotte wilder Meuterer in den Saal der Volks

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vertreter dringt, und wenn er Hunderte von Ge wehren auf sich anschlagen steht. Der Volksvertreter muß mit Energie auch Ruhe und Besonnenheit verbinden, er muß stets auf die Erhaltung der Einigkeit wie im Vaterlande, so auch unter den Volksvertretern, bedacht sein, und da es auch immer verschiedene Ansichten geben wird, so muß er wiederlegen können, ohne zu verletzen. Der Volksvertreter muß im höchsten Grade unei⸗ gennützig sein; er muß sich von aller Selbst⸗ sucht und Eitelkeit frei erhalten. Er muß stets das allgemeine Beste im Auge haben, und dafür wirken, mit Zurücksetzung aller Sonderinteressen, und wenn es zu seinem eigenen größten Nachtheil wäre. Wer nach Vortheil hascht, eitel ist, oder bei wem es durchblickt, daß er etwas werden möchte, der taugt nicht zum Volsvertreter. A A;

Etwas über die Bauern.

DerJüngste Tag zeigt, daß Bürgermeister, Gemeinderath und Gemeinde eine Republik im Klei⸗ nen sind. Er hat recht, vollkommen recht. Und es ist auch wahr, daß auch Republiken im Großen ge⸗ hen können, und unter Umständen vortrefflich. Die Frage ist nur: wie wird Republik eben für uns gehen? und wird das demokratische Fürstenthum eben nicht viel besser bei uns gehen? Darauf und auf nichts Allgemeines ist zu antworten. Die Bauern, denen derJüngste Tag die Republik feil bietet, sind keine Gelehrte, aber sie sind Erfahrungsmänner, da kann man lang sprechen, sie glauben eben Das doch was sie sehen. Und was sehen sie? Antw.: daß Handel und Verkehr stocken, seit die Republik an die Thür klopft, daß die Republik Frankreich nicht mehr weiß, wo die vielen Millionen hernehmen, welche die Arbeiter kosten, daß die Arbeiter zu den Waf⸗ sen griffen, weil die Bürger nicht mehr wußten, wo die Millionen für sie hernehmen, daß es hierauf eine große blutige Schlacht in den Straßen von Pa⸗ ris gab ꝛc. Was sehen die Bauern weiter? Sie sehen, daß derJüngste Tag das Metternich sche Fürstenthum hinmahlt, um den Bauern satt Fürstenthum zu geben, sie sehen, daß es noch ein anderes Fürstenthum gibt, das freie Fürstenthum, wie wir es eben ausüben, und nächstens förmlich einrichten werden; und sie sehen nicht, was man mehr haben und wünschen könnte, als das; sie sehen, daß sie künftig selbst bestimmen können, was der Hosstaat kosten soll, item, daß ihnen derJüng⸗ ste Tag das Butzemann⸗Fürstenthum zeigt, das be⸗ reits abgefahren ist, während das Volks-Fürstenthum in der Arbeit ist; die Bauern sehen auch, daß ihnen derJüngste Tag die Goldsonnenrepublik verspricht,

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