Ausgabe 
28.6.1848
 
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Dörfer la Vilette und la Chapelle sollen ganz ver⸗ barrikadirt sein; die Aufständischen denken sich dahin zurückzuziehen. Ihr Ruf ist:Es lebe die socialistisch⸗ demokratische Republik! es lebe Barbès! nieder mit der Nationalversammlung!

Pesth. Der illyrisch-serbische Aufstand tritt mit immer größerer Furchtbarkeit hervor. Ge⸗ stern kam hier eine Estafette aus dem Baeser Comi⸗ tate an, welche die schleunigste Hülfe gegen die In⸗ surgentenhaufen urgirt. Das Pesther Comitat wird um die Absendung von 10,000 mobilen National⸗ garden angegangen. Die ganze serbische und eroati⸗ sche Militaͤrgränze und Syrmien ist insurgirt. Von den römischen Schanzen bis Tamenitz bei Carlowitz dehnt sich das feste Lager der bereits 20,000 M. starken und immer zunehmenden Aufständischen. Ein großer Theil von diesen besteht aus Gränzern, deren soldatische Tapferkeit weltbekannt ist. Sie haben auch 10 Ge⸗ schütze und sind mit Munition hinlänglich versehen. Von Ungarn und dem ungarischen Ministerium wol⸗ len die Serbier nichts wissen, und sie nehmen nur von ihrem eigenen provisorischen National⸗Comite Be⸗ fehle an. Der k. k. Regierungs⸗Commissär, Feldmar⸗ schall⸗Lieutenant v. Hrabovsky, Kommandant von Pe⸗ terwardein, ist noch zu schwach, um gegen die Auf⸗ ständischen etwas unternehmen zu können, und er hat sich daher genöthigt gesehen, einen Waffenstillstand mit ihnen auf zwei Wochen abzuschließen. Die Hauptfor⸗ derung des provisorischen National-Comite's geht, nach dessen uns vorliegenden Proklationen dahin, daß der serbische Theil des Banats und der Militärgränze zu einer von Ungarn getrennten Wojwodenschaft unter dem bereits gewählten Wojwoden Oberst Schuplikatz gebildet, und mit Kroatien, Slavonien und Dalmatien verbunden werde. Die griechisch nicht-unirten Serbier sollen im äußersten Falle auch entschlossen sein, den religions- wie stammverwandten Russen sich in die Arme zu werfen, wogegen die römisch⸗ katholischen Kroaten einen Scheu vor dem russifizirenden Popen⸗ thum hegen sollen. Es verbreitet sich das Gerücht, daß es in Groß⸗Tikinda zu einem Kampfe zwischen den Insurgenten und dem Militär gekommen, bei welchem letzteres den Kürzeren gezogen hätte. Es bedarf sehr der Bestätigung.

München. Der alte Görres macht wieder ultramontane Umtriebe. Er war bekanntlich im An⸗ fang der 90er Jahre ein Ultraradikaler.

Von der Donau. Trotz des Verbotes der Baarsendungen aus Oesterreich sollen seither bei 3 Millionen Dukaten Metternich'sches Vermögen nach England gesandt worden sein.

Darmstadt. Bei Bildung des constitutionell⸗ monarchischen Vereins zu Darmstadt waren gegen 2000 Personen aus allen Ständen versammelt.

Cassel. Ein Theil des Volkes ist für Anschluß an Hessen-Darmstadt.

Wien Nach der Agramer Zeitung hat das Mi⸗ litär bei Carlowitz den Kürzern gezogen.

Von der schlesischen Gränze wird berichtet, die Truppenzusammenziehungen der Russen hätten nichts Beunruhigendes. Man brauche sie, um Polen in Ruhe zu halten.

Polen. Das Lager bei Kalisch, für 100,000 abgesteckt, wird nur von 16,000 Mann bezogen.

Frankfurt, 27. Juni. Die N. V. hat beschlos⸗ sen: 1) Bis zur definitiven Begründung einer Re⸗ gierungsgewalt für Dentschland soll eine provisorische Eentralgewalt für die gemeinsamen Angelegenheiten der deutschen Nation bestellt werden.(Ungeheure Mehr⸗ heit!) Der Vorbehalt des Einverständnis ses mit den Regierungen fiel durch mit 577 gegen 31 Stimmen. 2) Die Centralgewalt hat a) die vollziehende Gewalt zu üben in allen Angele genheiten, welche die allgemeine Sicherheit und Wohl⸗ fahrt des deutschen Bundesstaates betreffen; b) die Oberleitung der gesammten bewaffneten Macht zu übernehmen und namentlich die Oberbefehlshaber der⸗ selben zu ernennen; c) die völkerrechtliche und han⸗ delspolitische Vertretung Deutschlands auszuüben und zu diesen Ende Gesandte und Consuln zu ernennen. (Daß die Centralgewalt die Beschlüsse der N.-V. zu verkünden und zu vollziehen habe, wurde mit 277 gegen 261 Stimmen verworfen.) Die Abstimmung über die ferneren Punkte wurde gestern noch fortgesetzt.

Paris. Auch am 24. wurde den ganzen Tag blutig gekämpft. Jede Barrikade, die genommen wird, kostet gegen 50 Menschenleben. Am frühen Morgen des 24. rechnete man schon 2000 Todte, von da bis gegen 4 Uhr wieder 1500. Der Tag über schwiegen die Kanonen nur kurze Zeit. Die Natio⸗ nalgarde begreift, daß sie für Leben und Gut im Kampfe steht. Die aufständischen Arbeiter kämpfen ihrerseits mit Verzweiflung für die socialistische Re⸗ publik, wie sie der Pöbel versteht. Auf ihrer Seite fallen auch viele Frauen. Die Aufständischen sollen 8 Kanonen haben(schwerlich aber Schießbedarf dazu). Sie sind keineswegs überall im Nachtheil, sondern an den Barrieren zum Theil im Vortheil. Im Pantheon sollen 1500 Insurgenten die Waffen gestreckt haben. Alles das, Mitbürger, müssen wir auch in Deutschland erleben, wenn wir nicht zeitig der Aufwieglung der unverständigen Arbeiter entgegentreten; begreift das, so lange es Zeit ist!

Großenlinden. Als nach der Butzbacher Volks versammlung die Republikaner hier durchfuhren, und die Demonstration machten, Hecker'n, den sie zu ih⸗ rem Heiligen machen, hoch leben zu lassen, wurden sie gegendemonstrationsweise mit Steinen beworfen.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.

Druck und Verlag von G. D. Brühl J, in Gießen.