Ausgabe 
27.6.1848
 
Einzelbild herunterladen

gerade antirepublikanisch gesinnt zu sein, sind wir doch der entgegengesetzten Ueberzeugung. Für Deutsch⸗ land und in Berücksichtigung der staatlichen Verhält⸗ nisse, wie sie jetzt sind, halten wir die demokra⸗ tische Monarchie für die geeignetste Staatsform. Mit Uebergehung andrer Argumente, die uns für dießmal zu weit führen würden, verweisen wir ein⸗ zig und allein auf Frankreich. Dort ist die Repu⸗ blik. Wer mit offenen Augen nicht blind sein will, wird zugeben müssen, daß die politischen Zustände von Frankreich keineswegs beneidenswerth find. Nicht allein in Dem, was wir thun, sondern auch in Dem, was wir zu unterlassen haben, sollte Frankreich uns als Muster dienen!

Eine fürstliche Aeußerung über Domänen.

(Sind Domänen als Staatsgut oder Privatver⸗ mögen des Fürsten zu betrachten? beantwortet durch die Aeußerung eines verehrungswürdigen deutschen Fürsten früherer Zeit). 5

In den gegenwärtigen Zeiten, in welchen in vie⸗ len kleinen Staaten die Rede davon ist, daß die Domänen das Kammervermögen von den Fürsten gegen eine Civilliste an den Staat abgetre⸗ ten werden sollen, ist es wohl nicht unzweckmäßig, an eine Aeußerung des unvergeßlichen Herzogs Ernst II. von Sachsen⸗Gotha und Altenburg zu er⸗ innern, welche in v. Thümmel's Beiträgen zu der Lebensgeschichte Ernst's II. sich findet.

Als nämlich der Herzog in Einem Jahre ein Gut, kostbare Steine und ein reiches Münzkabinet erhan⸗ delt hatte, verlangte er von dem Kammerpräsidenten v. Thümmel die Summe von 30,000 Thalern als zinstragendes Darlehn aus der Kammerkasse, und als Thümmel durch den vorgelegten Etat zeigte, daß der Schatz der Kammer, der durch seine Behand⸗ lung so ansehnlich gewachsen sei, diese Summe schlechtweg überlassen könne, und um Befehl bat, dieselbe in Ausgabe schreiben zu dürfen; erhielt er

folgende Antwort: i

Ich danke Ihnen für die Uebersichten, die Sie mir überschickt haben, und die mir zeigen, wie reich meine Kammern sind, und wie gut Sie gewirth⸗ schaftet haben! Ich habe Sie um einen Vorschuß gebeten, den ich bald wieder abtragen, und bis da⸗ hin verzinsen werde. Ich würde es als eine Schmei⸗ chelei ansehen müssen, wenn Sie mir jemals einen solchen Antrag wieder machten. Wenn ich dem Bei⸗ spiel anderer Fürsten folgen wollte, so weiß ich wohl, daß ich es verlangen könnte; aber ich habe gelernt, mit Dem auszukommen, was ich mir vom Anfang meiner Regierung an selbst bestimmt habe, und habe es mir zum Grundsatz gemacht, die Repenüen mei⸗ ner Kammern als ein mir anvertrautes Gut anzu⸗ sehen. Gotha, den 30. April 1788.

Zeit aufgewachsen und gebildet war, als bei

103

So dachte und schrieb Ernst II., der zu einer den Fürsten der Grundsatz Ludwigs XIV. galt: Petat c'est moi! zu einer Zeit, als die franzöͤsische Re⸗ volution noch nicht neue Ansichten verbreitet hatte, aber ein Fürst, der zu den edelsten und weisesten gehörte, die je auf Thronen gesessen haben, unter dem die von ihm beherrschten Länder auf dem Cu⸗ liminationspunkt ihres Glückes standen. (Lese man in den Pariser Briefen, welche die Di⸗ daskalia bringt, in wiefern die Republikaner Ledrü⸗ Rollin ꝛc. diesem Fürsten ähnlich oder unähnlich sind.)

n

Der Mensch ist von Natur ein ungerechtes Ge⸗ schöpf; das haben wir gestern in unserm vaterländi⸗ schen Verein bewiesen. Wir haben doch bekanntlich demJüngsten Tag durch stillschweigendes Ueber⸗ einkommen zugestanden, daß er ungerügt alle Zeit⸗ ereignisse in seinem Lichte betrachten und so sie den Leuten vortragen dürfe! Was geschieht nun? Er meldet den baldigen Hinübertritt des vaterländischen

ereins. Darüber Entrüstung bei uns Allen, er war inunsere Kartoffeln gekommen. Lieben Leute, das ist unrecht und ungerecht von uns; ge⸗ ben wir uns selbst einen Verweis oder ein paar Ohrfeigen dafür. DerJüngste Tag hat hier so⸗ gar einen für ihn sehr guten Grund gehabt, so zu sprechen; einen Grund, der auch einen andern Zei⸗ tungsschreiber hätte verführen können, so zu prophe⸗ zeihen. Es haben nehmlich Vereinsmitglieder ge⸗ glaubt, durch Abtreten des bisherigen Vorsitzers und des Schriftführers des Vereins werde derselbe zer⸗ Diesen Persönlichkeiten alle gebührende Ehre, aber es war den übrigen Vereinsmitgliedern etwas zu wenig zugerechnet, wenn man glaubte, sie wür⸗ den nun auseinanderfallen. Genug, einzelne Ver⸗ einsmitglieder haben jene ihre persönliche Ansicht un⸗ befangen ausgesprochen. Daraufhin der Artikel im Jüngsten Tag. DerJüngste Tag antwortet euch Ungerechten daher: Ich habe die Sache nicht erfunden; ich habe nur einer mir zu Ohren gekom⸗ menen Aeußerung Glauben geschenkt. Basta!

Die gestrige Vereinsversammlung zeigte übrigens, daß kein Gedanke an Auflösung des Vereins ist. Die behandelten materiellen Gegenstände werden Don⸗ nerstags weiter diskutirt, da 14 Uhr herangekommen war, und immer noch Redner darüber sprechen woll⸗ ten.(Im Anfang der Sitzung wurde die von der es betreffenden Commission entworfene Geschäftsordnung

behandelt und angenommen. F. F. Tagesneuigkeiten. Paris. Die Auswanderung nach Amerika hat

in Frankreich zugenommen.