und keine Zehnten ober Bodenzinsen. Die übrigen Landestheile sind meist reformirt. Das Seel and war beladen mit Zehnten und Bodenzinsen. Das Emmenthal seufzte unter der Armenlast.(die auf den Gemeinden ruhte). Das Oberland war da⸗ gegen mit Hypothekarschulden überladen, seine Zehn— ten hatten längst aufgehört. Die Städte waren statt von Armen gedrückt zu sein, reich, zum Theil
sehr reich; ebenso manche Landgemeinden. Die Bür⸗
gergüter in manchen Gemeinden waren sehr groß, und ertrugen für den einzelnen Bürger viel. In der einen Gegend hafteten diese Nutzungen auf den Häusern, in der andern auf den Gütern, in der dritten auf den Familien.
3) Das Oberland war betheiligt bei einer Straße über den Brünig; das Seeland bei Stra⸗ ßen über Biel, über Aarberg, Bern, die Stadt, mußte durch diese Straßen verlieren.—
4) Das Seeland war betheiligt bei Entsum⸗ pfung des Großen Moses und Veränderung des Aarbetts, das Oberland für Tieferlegung des Brienzersees ꝛc. 1c.
Diese verschiedenen Dinge schieden die verschiede⸗ nen Landestheile, sie schieden ferner die Bevölkerung in Städten und auf dem Lande.(Die Aristokratie konnte so die Einen durch die Andern im Schach halten).— Seit 1831 bis 1846 wurde der Can⸗ ton Bern von einer liberalen, aber schwachen, oft unverständigen, mißleiteten, von allen Seiten gehin⸗ derten, durch die Diplomaten gequälten Regierung gleichwohl zum Heil des Landes regiert ohne eine Kammer, in welcher die Sonderanliegen der einzelnen Landestheile besonders ver⸗ treten gewesen wären,— und von daher ist der Regierung auch nie ein Vorwurf ge⸗ macht worden. 1 i
Ich glaube, Dieß ist kein unwichtiger Erfahrungs⸗
grund für den Einkammergrundsatz, zu dem ich mich
einstweilen, trotz Nordamerika, noch bekenne. F. F.
Ueber unsern heutigen Zustand.
(Dieser dem Frankf. Journal entlehnte Artikel ist ein so be⸗
herzigenswerther, daß man es nicht tadeln kann, wenn
er selbst in einer Gegend nachgedruckt wird, wo das⸗ F. J. große Verbreitung hat.)
Es ist unverkennbar, das Revolutionsfieber ist noch immer im Zunehmen begriffen. Mit jedem Tage tritt die Krankheit in ein neues Stadium, aber bedauerlicher Weise in kein besseres. Der Pa⸗ rorysmus steigt, die Symptome werden immer be⸗ denklicher, und der arme Patient, Deutschland, liegt in konvulsivischen Zuckungen. Die Revolution ist permanent geworden. Einmal in den gäh⸗ renden Strudel derselben hineingezogen, ist nirgends ein Halt mehr. Das Ende kann Niemand absehen,
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und Niemand hat es in seiner Gewalt. Die heute die Führer und Träger sind, werden mor⸗ gen von Andern verdrängt. Das ist das Gefährliche bei den Revolutionen, daß je⸗ der Ta g ihnen eine andere Gestalt, eine neue Richtung gibt. Die sie begonnen haben, führen sie selten zu Ende. Alles überstürzt sich, und wer den wilden Rossen in die Zügel fallen und sie lenken will, der riskirt, von ihnen in den Staub getreten und zermalmt zu werden. Möchten das Diejenigen bedenken, die oft so leichten Sinnes agitiren. Es ist leicht, einzureißen, aber schwer, wieder aufzubauen. Man kann in Einem Tage mehr zerstören, als in Jahren neu schaffen. Wer Alles
auf Einmal niederreißt, der ist zuletzt schutzlos allen
Stürmen preisgegeben! Bei der Reform ist viel⸗ leicht für den Augenblick weniger zu gewinnen, aber auch nichts zu verlieren. Die Revolution ist ein Hazardspiel, ein va banque. Man kann Alles ge⸗ winnen, aber auch Alles verlieren. Auch ist es bekannt, daß, wer zu viel verlangt, am Ende nichts bekommt. Betrachten wir die Zustände, wie sie gegenwärtig sind, so ist die Tagesordnung so ziemlich die Unordnung, ein Chaos von ver⸗ worrenen Ideen und Begriffen, ein bunter Misch⸗ masch von Monarchie und Republik, Parlament und Volkssouveränetät, Socialismus und Communismus, vaterländischen und demokratischen Vereinen, von Volksversammlungen und Sturmpetitionen, von deut⸗ schen Cokarden und rothen Federn, von Sensen und Blousen, von Bürgergarden und Volksbewaffnung, von Straßen- und Barrikadenkämpfen, von Civil⸗ und Militärkrawallen, und dazwischen dröhnt Ka⸗ nonendonner, und miaut die Katzenmusik, und es werden viele und lange Reden gehalten. In die⸗ sem gemüthlichen Zustand, in diesem politischen De⸗
lirium soll das Heil von Deutschland be⸗
gründet, vor Allem aber das Loos der
Arbeiter verbessert, die Steuern vermin⸗
dert, die Stockung des Handels und der Gewerbe beseitigt, der gesunkene Credit und das untergrabene Vertrauen wieder⸗ hergestellt werden, weil das eine Lebens- frage ist, und alle Uneinigen wenigstens darin einig sind, daß man, um frei zu sein, vor allen Din⸗ gen leben muß. Wie dieß möglich, und ob wir auf dem bis jetzt verfolgten Wege das ersehnte Ziel erreichen, sowie die Freiheit, die Einheit, das Glück und die Größe von Deutschland überhaupt in der Wirklichkeit begründen werden, das geben wir jedem besonnenen und aufrichtigen Vaterlands⸗ freunde ernstlich zu bedenken. Viele sind der Mei⸗ nung, daß die sofortige Einführung der Repu⸗ blik uns von allen Uebeln befreien würde. Ohne
S—
che
sole spie daß mit
mei
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