Ausgabe 
26.6.1848
 
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halten hat, und daß das betr. Blatt daher einstwei⸗ len zur Beseitigung dieser Unterschriften zurückge⸗ halten worden ist. Wir zollen diesem Anerkennung. Die republikanische Adresse sagt, daß die Unterschrif⸗ ten unter der vom vaterländischen Verein ausgegan⸗ genen Adressemit größter Mühe zusammengerafft worden seien. Mühe macht es immer, eine große Zahl Unterschriften zur Hand zu bringen, das wer⸗ den die Republikaner nun auch wissen. F. F.

DerJüngste Tag zeigt an, daß auf eine Rede;

von einem Manne der Rechten in Frankfurtdauern⸗ des Pfeifen erfolgt sei. Der stenographische Bericht sagt:anhaltendes Bravo; auf einer Seite der Gallerie hört man Pfeifen, was der Präsident scharf verwiesen hat). Wir dürfen uns damit nicht so dick machen, wenn ein Redner der Rechten aus⸗ gepfiffen wird. Redner von allen Abtheilungen der Linken sind auch schon von der Gallerie übel aufge nommen worden. Haben sie darum Unrecht ge habt, weil sie nicht besser aufgenommen wurden? Die Rechte kann ihr-ergebene Leute auf die Gallerie bringen, und den Linken auch pfeifen lassen. Gunst und Ungunst darf den Redner nicht leiten. Vor zweitausend Jahren hieß es heute: Hostanna! mor⸗ gen: Kreuziget! In unsern Tagen ruft man dafür heute: Er lebe hoch: und morgen: nieder mit ihm.

In Alsfeld hatten die Schuhmacher die rothe Fahne auf ihr Wirthshaus gesteckt. Dr. Schlosser sagte: bringt mir Feuerhacken! und er riß damit die Fahne herunter. Die Freunde der rothen Fahne un⸗ terlagen. Ein Schreckensmann(Klingelhöfer) trug einen Dolch, um den Leuten, denen sein starkes Aeußere schon bange machte, noch mehr Furcht in den Leib zu jagen. Dr. Schlosser erklärte, er wolle ihm den Dolch nehmen; er sagte dem Klingelhöfer in einer Gefellschaft, er trage einen Dolch, und als er Dieß unter Schelten läugnete, warf ihn Schlos⸗ ser zu Boden, und nahm ihm mit Hülfe anderer Bürger den Dolch ab. Machts so mit jedem Bramarbas, und sie werden verschwinden, wie Maischnee.

Allenthalben sehen wir Staatsverbesserer auflreten, die im eignen Hause noch nicht gekehrt haben, die nach Gerechtigkeit und Menschlichkeit im Staat rufen, und in ihrer Familie weder Gerechtigkeit noch Mensch⸗ lichkeit üben; die in Champagner aufgehen zu lassen bereit sind, was sie ihren Angehörigen entziehen. Sind das Republikaner? Haben diese die Tugenden, die uns Bürgschaft geben, daß eine demokratische Repu⸗ blik bei uns Blüthen treiben könne? O nein! Eine

Pflanze, mit fauler Wurzel in den Boden gesteckt, treibt keine gesunden Blüthen. Hätte doch dieses nicht auf so viele Schreier Anwendung, wie gerne wollte der Schreiber mit ihnen schreien!

Tagesneuigkeiten.

Botzen. Hier fanden Streitigkeiten zwischen welsch⸗ tyrolischen Arbeitern und deutsch-tyrolischen Schützen statt. Es gab 7 Todte.

Berlin. Ein von der preuß. N.⸗V niederge⸗ setzter Ausschuß unter Vorsitz des Geheimen-Raths Waldeck macht einen neuen Verfassungsentwurf.

Schweden. Nach derGothenburger Zeitung wird das ganze in Schonen zusammengezogene schwe⸗ dische Truppencorps nach Dänemark übergeschifft wer⸗ den. Zugleich meldet dieses Blatt, nach zwar Bestä⸗ tigung verdienenden Berichten des dänischeu Dampf⸗ schiffesWaldemar, von einer im Kieler Meerbusen mit 20 bis 30,000 Mann Landungstruppen ange⸗ kommenen russischen Flotte.

Pesth. 16000 Köpfe aus türkisch Serbien sollen sich in Folge russischer Aufreizung zu einem Einfall in Ungarn rüsten. Die Ungarn ihrerseits machen riesenhafte Anstalten, um das ungarische Reich zu er⸗

alten.

5 Verlin. Der Grund der Erklärung, warum das Ministerium Camphausen zurücktrete, sei: Geheimer Verkehr des Hofes oder der Hofpartei mit Rußland hinter dem Rücken des Ministeriums, und namentlich die Absendung des Generals Pfuel mit großen gehei⸗ men Vollmachten an den Hof von Petersburg, von denen Camphausen keine Einsicht erhalten. Camp⸗ hausen dagegen soll sich geäußert haben: Was das Gerücht über die Russen betreffe, so könne er be⸗ stimmt erklären, daß sie weder als Freund noch als Feind irgend eine Absicht hätten, die Gränze zu überschreiten, und alle ent⸗ gegengesetzten Gerüchte auf Erfindung be⸗ ruhen.

Darmstadt, 22. Juni. Die Regierung hat die Kriegs-Reserve der Infanterie Regimenter in Urlaub entlassen. Unsere zweite Kammer hat am verflossenen Montage sich in der viel berührten Frage der Auflösung derselben dahin ausgesprochen, daß diese erst nach Erledigung der dem Lande so nothwendigen wichtigen Gesetze stattfinden möge. Heute fand nun Berichterstattung des dritten Ausschusses über einen nahe damit verwandten Gegenstand, den eigen⸗ mächtigen Austritt der vier rheinhessischen Abgeordne⸗ ten, der Herren Zitz, Mohr, Behlen und Grode statt. Der Ausschuß rügt diesen als ihren Eid und die Ver⸗ fassung verletzend, verlangt, daß die Kammer ihre Mißbilligung darüber ausspreche, und die Austreten⸗ den auffordere, ihren Pflichten wieder nachzukommen,