Ausgabe 
26.6.1848
 
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ten sein würden. Die Kammer hat heute die Pro⸗ rogation des Finanzgesetzes auf das zweite Semester 1843 mit Stimmengleichheit(16 gegen 16) bewilligt, in welchem Falle nämlich die Proposition der Staats⸗ regierung als angenommen angesehen wird.

Wien, 49. Juni Aus Agram wird vom 17. gemeldet, daß sich Alles zu einem verzweifelten Wi⸗ derstande rüstet, im Fall der Kaiser seinen Befehl, den Banus abzusetzen, nicht zurücknehme. In die⸗ sem Falle würden die Gränztruppen in Masse nach Hause zurückkehren. Die den Banus begleitenden Deputirten werden sich zu diesem Zweck von Inns⸗ bruck aus zu der italienischen Armee begeben.

München. Der Minister Thon-Dittmer sollte mit einer Katzenmusik beehrt werden. Es scheint, daß er nicht auf der Höhe der Zeit steht.

Ulm. Die Soldaten heißen künftig Sie statt Er.(Warum nicht Ihr 2)

Triest. In Caorle, das am 13. abermals von einer aus einem Dampfschiff, 1 Brigg, 8 Kanonenz⸗ schaluppen, und anderen Fahrzeugen bestehenden Flo⸗ tille angegriffen wurde, hat der Kanonier Karoly, der sich schon bei früheren Gelegenheiten ausgezeichnet hatte, durch einen gutgezielten Schuß die venetianische Kanonierschaluppe Furiosa, welche von hier aus durch⸗ gegangen war, in die Luft gesprengt.

Frankfurt. Montags den 26. erfolgt die Ab⸗ stimmung in der Centralgewaltsfrage. v. Gagern sprach dafür, die Centralgewalt an einen Einzigen zu übertragen, welchen die N.⸗V. ernennen, und der aus den höchsten Kreisen der Gesellschaft genommen werden solle.(Erzherzog Johann, sagt man). Die Parteien sollen sich dahin verständigt haben.

Prag, 20. Juni. Die Stadt ist ruhig.

Berlin. Hansemann kann kein Ministerium zu Stand bringen. v. Auerswald(Bruder des Mini⸗ sters) soll damit beauftragt sein. Gelingt Dieß nicht, so soll man an v. Vinke denken. Bei der Bevölke⸗ rung herrscht die Ansicht, es sei an Reaction nicht zu denken. Kriege, Bayrhoffer und Schlöf fel sind eingetroffen, um den Hauptgeschäftssitz für die demokratischen Vereine zu gründen.

Hildburghausen. Der Herzog hat den Stän⸗ den in Gotha aufgegeben, das Wahlgesetz zu bera⸗ then, und die Feststellung des Staatsgrundgesetzes einer freisinniger zusammengesetzten Kammer zu über⸗ lassen.

1 Der Fürst von Ebersdorf⸗Lobenstein hat eine Sturmpetition empfangen müssen.

Paris. In Martinique haben die freigegebenen Sklaven geplündert und gemordet. In Paris wurde eine Zusammenrottung von etwa 100,000 Personen auseinandergetrieben.

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widrigenfalls 1 re Bezirke in der Kammer unvertre⸗ 9/ 05

Sicilien. England hat die steilianische Regie⸗ rung anerkannt; man will einen König wählen.

Flensburg. Man erwartet einen Kampf bei Bau.

Gießen. Ein Artikel im Frankf. Journal von Gießen datirt, legt dem hiesigen Arbeiterverein allein den am dritten Pfingsttage stattgehabten republikanischen Umzug auf die Schultern, und schmückt den Au tikel mit der Angabe, daß sich auchAnhänger des consti⸗ tutionellen Vereins auf breitester demokratischer Unter⸗ lage dabei betheiligt hätten.(Wir benutzen Dieß, um die Leute aufmerksam zu machen, wie Dinge, aus der Ferne betrachtet, anders aussehen, als in der Nähe.)

St. Petersburg. Es werden zwei siegreiche Gefechte vom Kaukasus her berichtet. Die Städte Orel, Tula, Jaroslaw u. Andere sollen durch Brand⸗ stiftungen fast ganz eingeäschert sein.

Graubünden⸗ Veltlin hat sich für den Anschluß an Sardinien entschieden.

Ungarn. Carlowitz ist ein Aschenhaufen; die Serbier sind mit großem Verlust zurückgeschlagen (800 Raitzen sollen umgekommen sein).

Altona. Der Herzog von Augustenburg will für sich und seine Nachkommen den Thronrechten entsagen.

Wien. Man hat 50 Aufpiegler der Arbeiter gefangen genommen; die Ruhestörer sollen meist Böhmen von der czechischen Partei sein. Man dringt auf unmittelbare Wahlen.

Pesth, 18. Juni. Die Bukovezer Landwehr, welche zum Peterwardeiner Bezirk gehört, hat sich, nachdem sie aus den Festungsmagazinen Gewehre erhalten, zu den Aufständischen geschlagen. Der Sohn des Bischofs von Belgrad, Joannowitsch, ist hier als serbischer Emissär verhaftet worden.

Prag. Nach den geringsten Angaben hat das Militär 300, das Volk 150 Todte.

Berlin. Die Zahl der wegen der Zeughaus⸗ stürmung Verhafteten beträgt gegen 30. Es fehlen noch 180 Zündnadelgewehre und 600 andere. Es sollen die Arbeiten an der großen Ostbahn wie⸗ der aufgenommen, und Arbeiter von hieraus dahin geschafft werden.

Zürich. Schweizerische, polnische und andere Freischaaren wurden in Mailand schlecht aufgenom- men; man steckte sie unter sardinische Truppen, in⸗ dem man ihre republikanische Gesinnung fürchtete. (Vielleicht auch der bessern Mannszucht wegen).

Die Mitglieder des vaterländischen democratisch⸗ constitutionellen Vereins dahier werden ersucht, heute den 26. Juni, Abends 8 Uhr, sich recht zahlreich im Vereins⸗Lokal des Gasthauses zum Prinzen Carl, einzufinden. Gießen den 26. Juni 1848.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.

Druck und Verlag von G. D. Brühl I. in Gießen.