Ausgabe 
21.6.1848
 
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noch die Herstellung derVertretung im Ausland. Der Erlaß des vaterländ. Vereins, obschon er hier⸗ von schweigt, ist sonder Zweifel damit einverstanden, da es deutsches Heer, eine deutsche Flotte will ꝛc.

2) Der vaterländ. Verein will Gestaltung Deutsch⸗ landsunter Mitwirkung der Fürsten auf demokra⸗ tischer Grundlage; er sieht in der Hand der Natio⸗ nalversammlung unsere Zukunft gelegen. Soll die neue Gestalt unseres Vaterlandes auf demokratischer (volksherrlicher) Grundlage hergestellt werden, so kann die Mitwirkung der Fürsten bei den Verhandlungen bloß eine mitberathende, keine mitentscheidende sein. Dieser Sinn des Erlasses wird dadurch unter⸗ stützt, daß Deutschlands Zukunft einzig als in der Hand der Nationalversammlung gelegen betrachtet wird. Der Erlaß der Vogt'schen Wähler ist hier bestimmter. Hingegen schweigt er davon, ob die Fürsten berathend an der N.-V. sollen mitsprechen dürfen.(Der Nutzen davon wäre schwerlich sehr groß, da die N.⸗V. so zusammengesetzt ist, daß sie ohnehin Alles berücksichtigen wird, was die Fürsten anbringen lassen könnten.) 8

3) Der vaterländische Verein spricht sich für ein Oberhaupt Deutschlands aus; ob Kaiser, ob Prä⸗ sident, läßt er offen. Der Erlaß von Vogt's Wäh⸗ lern ist entschieden für Letzteres.

4) Beide Erlasse wollen für Hessen die erbliche Monarchie!

5) Der Erlaß von Vogt's Wählern will auch Handel und Zölle, Posten und Eisenbahnen zur Sache des Gesammtvaterlandes gemacht wissen Sull⸗ schweigend liegt das wohl auch in dem Erlaß des vaterländischen Vereins.

6) In Andrem sind die beiden gedachten Erlasse schwerlich mehr, als bloß in den Worten, verschie⸗ den. Namentlich wollen auch Vogt's Wähler für Hessen erbliche Monarchie.

Darum also: Gutenmorgen, recht schönen Gu⸗ tenmorgen, Ihr Herren Wähler Vogt's, die Ihr

jenen Erlaß unterzeichnet habt!(Ich überlese soeden

Eure zahlreichen Namen.) Haben so viele von Euch

so rasch die Meinung geändert, daß viele von Euch nach wenigen Wochen die Republik wollen, dann, sage ich, ändern Eure Meinungen schnell, wie das

Wetter, und ändern darum wohl noch öfters).

War aber jener Erlaß für viele von Euch nicht

Ernst, sondern nur ein Aushängeschild, um für

Vogt eine Mehrheit zu erlangen, dann, liebe

Mitbürger l scheltet mir nicht mehr die Jesuiten wegen ihrer Mittel, denn darin habt Ihr alsdann ihnen gleich gethan. Nehmt mir die Wahrheit nicht

übel; Wahrheit ist manchmal gallbitter; aber bitter

) Meinungsändern bei besserer Einsicht ist übrigens Tu⸗ gend, nicht Laster.

dient für den Magen. Nehmt zu dem bittern Tränkchen auch noch ein Bröckelchen Zucker: Lieben Freunde, Euch darf man nicht höhnen, Ihr seid eine Mehrzahl; Euch ruft man nichtGu⸗ tenmorgen! Das wagen nicht Hundert gegenüber von Hundert, das Herz hat man nur gegen den Mann, der allein steht. So; das war der Zucker. Daß ich selber wesentlich weiter gehe, als beide hieroben erwähnte Erlasse, habe ich schon deutlich er⸗ klärt. Von einzelnen Punkten rede ich nächstens. F. Fischer.

Volksversammlung, Dienstag den 20. Juni im Busch'schen Garten. Vorsitzer: Hr. Kilian.(Schriftführer:?)

Die Versammlung war sehr zahlreich(5600 Köpfe). Die Haltung der Versammlung war eine anständige. Zweck derselben: Vorkehr wegen der vom vaterländischen Verein in Gießen ausgegange⸗ nen Zuschrift an den deutschen Verfassungsrath; welche in der Versammlung der Vertreter Deutsch lands als eine Vertrauensadresse von 803 Gießener angezeigt worden sci. Es wurde nun bemerkt, daß Dieß auf einem Mißverstehen in Frankfurt zu be⸗ ruhen scheine, da in der Zuschrift bei den Namen der Wohnort der Unterzeichner angegeben sei. Hr. Ferber verlas den Entwurf zu einer Gegenzuschrift an die Linke, welche dieser ihr Vertrauen erklärt, und die Deutung, als sei erstgemeldte Zuschrift der Ausdruck der Mehrheit der Bewohner Gießens zu⸗ rückweist. Götz beantragte den Zusatz, daß die Mehrheit der Bewohner Gießens für die demokra⸗ tische Republik sei. Der Zusatz wurde genehmigt, wie es schien mit nicht großer Mehrheit.(Es war dagegen bemerkt worden, die Linke vertrete zwar den Grundsatz republikanischer Form für die deutsche Centralgewalt, nicht aber für die einzelnen Staaten). Es wurde beschlossen, die Unterschriften für diese Zuschrift sogleich aufzunehmen.

Cs schien, als wäre eine sehr starke Mehrheit für Unterstützung der Linken, aber eine sehr schwäche für die Erklärung, daß Gießens Bewohner über⸗ haupt demokratische Republik wollen.(Die Unter⸗ schriften werden's zeigen.) F. F.

Tagesneuigkeiten.

Wien, 14. Juni. DieAllgem. öster. Zeitung berichtet: Die Russen stehen am Pruth! Wäh⸗ rend Deutschlands Deputirte in Frankfurt a. M. in einem Parlament zusammen sind, welches wahrschein⸗ lich sehr schöne Reden zu Tage fördern wird, aber ohne Executivgewalt dasteht: während die Böhmen im Herzen Deutschlands Wühlereien beginnen und ausführen, während die Deutschen Bundestruppen