Ausgabe 
20.6.1848
 
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eingetauscht! sagt man!.. sagt man vielleicht auch da, wo den Volksrechten ihre Heiligung zugesprochen werden soll!l Aber: wer durrft Italien an Oesterreich verhandeln?

Man ruft jetzt: Frechheit der Italiener, die eine Bundeshafenstadt(Triest) sperren! Wenn die Oester reicher, die in Italien fallen, nicht als Bundestrup⸗ pen fallen, so ist auch Triest nicht als Bundesha⸗ fenstadt, sondern als österreichischer Hafen gesperrt.

Gebe Oesterreich Italien frei, wenn man Ver trauen von den Völkern verlangt.(Sind gerechte Geldsachen zu regeln, so regle man sie, und halte bis dahin die Festungen als Pfänder.)

Wir müssen den Fuß an dem adriatischen Meer behalten! sagt man. Gut; halte man Triest; Lom⸗ bardei und Venedig sind dazu nichts nütze. Halte man Triest, wenn und dann auch weil uns die Natur darauf angewiesen hat. Es ist auch illy⸗ rischer, nicht italienischer Boden, seine Größe ist Oesterreichs Schöpfung; es wird ihm gerne ver bleiben. Auch ist noch Fiume da.

Sende man, wenn man Vertrauen verlangt, ein mächtiges Heer nach Schleswig-Holstein, und ver⸗ breite es über Jütland. Lasse man Jütland bezah len, was Dänemark uns zur See schadet; dann knirscht der Deutsche nicht mehr, daß er der Spott seiner Nachbarn ist; dann wird Vertrauen zu seinen Fürsten wachsen und blühen.

Wir könnten noch weiter spinnen, wo es liegt, daß das Volksvertrauen zu den Fürsten so schwach ist. Aber wir müssen heut kurz sein. Fi F.

Aufforderung zu gleicher Elle.

Vogt machte in der N.⸗V. den Antrag: Die Na⸗ tionalversammlung möge beschließen: bis die Rege⸗ lung der diplomatischen Beziehungen Deutschlands im In- und Auslande durch die Nationalversamm⸗ lung erfolgt sein wird, macht dieselbe sämmtliche Regierungen der Einzelstaaten Deutschlands für die Schritte und Handlungen ihrer Gesandten verant⸗ wortlich und verlangt, daß die Gesandten einzig und allein mit den verantwortlichen Ministern der Ein- zelstaaten diplomatischen Verkehr pflegen.

Zu Begründung seines(und Zimmermann's) An⸗ trags bemerkle er alsdann:

Die Sache sey dringend, weil neben den ehrli⸗ chen Ministern in Deutschland noch eine Camaqrilla bestehe. Wenn man zugebe, daß die Gesandten mit der Camarilla und den Hofschranzen unterhan⸗ deln, statt mit den verantwortlichen Ministern, dann lasse sich das Resultat voraussehen.

Graf Wartensleben fragte: ob Vogt Beweise habe, daß in Innsbruck Etwas ohne Zuziehung des

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constitutionellen Ministeriums in Wien und Berlin geschehe?

Vogt führt gegen Wartersleben, der Beweise gefordert, die Zeitungs nachricht an, daß der preußische Gesandte, Graf Schulenburg, den nig von Neapel wegen seines Sieges über das Volk beglückwünscht habe.

Vogt berief sich also hier auf eine Zeitungs- nachricht, Zeitungsnachrichten sind aber bekannter⸗ maßen(leider und auch glücklicherweise) nicht alle wahr. Aus einer so wenig sichern einzelnen Thatsache zog er aber einen weitergehenden, allge meineren Schluß.

Vergleichen wir nun:

Ich führte neulich eine Thatsache an, die ich mit eignen Ohren gehört habe, die also keine Zeitungsente sein kann, die ein Theil einer offenkundigen(notorischen) allgemei⸗ nen Thatsache ist, nehmlich der allgemeinen That⸗ sache; daß es aller Orten Einzelne Liebt, die eine Republik des Theilens und Plünderns möchten. Dieß wurde von Herrn Registrator Herzberger ün⸗ fam genannt.(Er schob mir dabei noch mehr un ter, als ich gesagt hatte, ich denke aus Uebereilung; indeß hat er Dieß bisher nicht erklärt.) Will nun Herr Herzberger für Alle gleiche Elle halten, so muß er Herrn Vogt mindestens einschauderhaft infam hinbrummen. F. F.

Butzbach. Die gestern(Sonntag den 18.) hier abgehaltene Volksversammlung war von etwa 5000 bis 6000 Menschen besucht. Die Stadt war festlich geschmückt; die deutsche Fahne flatterte von allen Häusern, theilweise mit dem deutschen Reichsadler; die hessische Fahne sahen wir nur an zwei Orten. Die Häuser waren mit Blumen und Laubgewinden geziert. Gesprochen wurde eigentlich nur im repu⸗ blikanischen Sinn. Der Beifall wurde den Rednern mehr nur von einzelnen Gruppen gespendet, als von der großen Versammlung. Die Dorfgemeinden wa⸗ ren mit der Trommel voran aufgezogen. Die Gam⸗ bacher hatten ihre Jugend(die Knaben) mit hölzer⸗ nen Spießen bewehrt, sie zog militärisch auf. Die Turner bildeten ebenfalls einen geordneten Zug.

Es sprachen Götz und Hillebrand(Sohn) aus Gießen für Hecker's Einberufung zur N.-V.

Prof. Vogt: gegen Uebergabe der ausführenden Gewalt Deutschlands an drei(unverantwortliche liche) Fürsten, u. gegen eine un verantwortliche Behörde überhaupt.

A. Becker aus Gießen: für Steuerverweigerung, als Zwangsmittel, die Volkszwecke zu erreichen, (nicht zu verstehen, als ob man in der Republik steuerfrei sei)); ferner für sofortige Bürgerwehr, für solange die Zeit eine außerordentliche sei,(Land-