Ausgabe 
20.6.1848
 
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als ihr Redaktor, ihrer Ankündigung gemäß, das Wort will gestatten. Einstweilen noch die Frage: Wann war Preußen größer und stärker, als da es sich erhob, und mit Gott für König und Va⸗ terland gegen Deutschlands Unterdrücker in den Kampf ging? 8

Der Volkszeitungsschreiber freut sich, Gelegenheit zu haben, die Gründe einer von der seinigen ab⸗ weichenden Meinung veröffentlichen zu können. Hof⸗ fentlich haben seine Gegner noch weitere Gründe im Rückhalt. Er glaubt nehmlich, es wird ihm gelin⸗ gen, die vorstehenden in einem demnächstigen Auf⸗ satz zu widerlegen. Er bittet, daß alsdann die Re⸗ plik nicht dahinten bleibe.

Was zu thun, wenn die Russen einbrechen?

Also die Republik sollen uns die Russen brin⸗ gen? Giebt es denn kein anderes Mittel für ein großes Volk, seine Größe und Freiheitsfähigkeit zu beweisen, als seine Fürsten fortzujagen? Einigkeit ist's, die uns noth thut, dann sind wir Manns genug gegen die Barbarenhorden. Der Geist der Freiheit ist's, der hundertfach überlegen macht gegen die Maschinen des Despotismus. Verräther ist, wer dem Feinde des Vaterlandes die Hand reicht; aber auch der ist Verräther, der Zwietracht säet und för⸗ dert, wann Einheit allein uns rettet. Vertrauen wir dem tüchtigen Sinn unseres Volkes, daß, so⸗ bald der erste Russe den Fuß auf deutschen Boden setzt, wir alle wie ein Mann zusammenstehen, hoch und niedrig, reich und arm, Fürst und Volk, den Erbfeind aller Freiheit und Cultur abzuwehren, und inzwischen unsern einheimischen Zwist bei Seite lassen. Läßt sich nicht erwarten, daß unsre souve⸗ ränen Vertreter zu Frankfurt, mit oder ohne die neue Centralgewalt, die sie aus ihrer Mitte zu schaf fen im Begriff sind, dann ungesäumt alle wehrhaften Männer des gesammten Volkes aufrufen werde, das bedrohte Vaterland zu retten? Ist dann für einen Deutschen, der diesen Namen verdient, noch einen Augenblick zu zweifeln, was zu thun? Fühlen wir selbst in unserer Brust das Rechte, welcher Grund, den Reichen zu mißtrauen, daß ste Verräther sein würden, den Barbaren die Hand zu reichen. Und wenn sich denn, wie zu erwarten steht, das Volk einmüthig erhebt, dem Rufe zu folgen, läßt es sich denken, daß dann ein Fürst, eine Einzelstaatsregie⸗ rung, eine Faction, es versuchen würde, dem Vater⸗ landsfeind sich in die Arme zu werfen? Und sollte irgendwer so verblendet sein, dann hätte er sich selbst gerichte; denn wir wiederholen es keine Gewalt geht über den einmüthigen Wil⸗ len keines tapferen Volkes, das an Recht und Gesetz festhält. Drum wollen wir einmü⸗

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thig sein und an Recht und Gesetz festhalten, an dem neuen Gesetz, dem neuen Recht, auf dem wir nunmehr fußen als auf festem Grund. Noch wol⸗ len wir vertrauen, daß die Zwieträchtigen, die gern ihren Einzelwillen über den unserer gesetzlichen Ver treter setzen möchten, und Mißtrauen gegen sie zu predigen so bemüht sind, dann im Angesichte des Abgrundes, an dessem Rand das gemeinsame Va⸗ terland schweben würde, sich besinnen und der all⸗ gemeinen Erhebung sich anschließen werden. Und thäten sie das nicht, das Volk würde in richtigem Instinct, in gerechtigem Zorn auch die Faction be⸗ wältigen, die es hemmen wollte, das Eine, was noth thut, zu ergreifen. Darum weg mit unzeitiger Verdächtigung! Fassen wir lieber den großen Ent⸗ schluß, der einzig eines großen Volkes würdig ist, die Freiheit durch Einmüthigkeit zu bewähren, und für alle Fälle mit unsern gesetzlichen Vertreten zu stehen! Dann, im Bewußtsein unsrer Eintracht, unsres Rechtes und unsrer Kraft werden wir jeder Gefahr gewachsen sein..

Der vorstehende Aufsatz ist durch einige Zeilen unserer Nr. 17 hervorgerufen. Dort ist aber, was vorstehender Aufsatz außer Acht läßt, vorausgesetzt, daß unsere Großen und Reichen den Rus⸗ sen die Hand reichen.(Dahin gehört auch, wenn sie den bloßen Schein, Dieß zu thun, auf sich laden, denn vollständige Beweise lassen sich in solchen Dingen nicht abwarten; zu Vorbeugungsmitteln ge nügt schon Verdacht.) f

Ja! wenn wir Deutsche einmüthig zusammenste⸗ hen, von Führern geleitet, die für unsere Sache nicht lau sind, das Bewußtsein im Rücken, daß während wir Rußland vor uns bekämpfen, hinter uns sein Geist nicht umherspuckt; ja! dann wer⸗ den wir auch mit unsern Fürsten Rußland besiegen, wie wir Napoleons Heere besigt haben unter den Fürsten. Aber Napoleon war die Zuchtruthe unserer Fürsten; was hingegen die Russen betrifft, so kann es sein, daß einzelne Fürsten sie als etwas ganz Anderes betrachten. So glauben wenigstens Viele. Würde Rußland wagen, so an die Gränzen zu rücken, wenn ihm die Fürsten erklärt hätten: Weg von den Gränzen; Rußland soll in Deutschland keine Ordnung schaffen; eher räumen wir selber unsere Throne, als daß russische Hand sie halte! Hätten die Fürsten also gesprochen, Rußland hätte kaum die Gränzen bezogen. Aber wir haben diesen Geist aus den Fürsten noch nicht vernommen. Die Festung Thorn an der Weichsel wird schleunigst gerüstet, das ist Alles, was wir bis jetzt noch erfahren.

Warum bluten Deutsche in Italien? Warum giebt man Italien nicht frei in den Bund mit seinen Brü dern.Für Lothringen, für Brabant und Flandern