wehrplage auf ewig wolle man ja nicht);— ferner wegen der übermäßigen Ländereien der Reichen, die in die Hände Derer gehörten, die sie selbst bearbei⸗ ten wollten.(Der Markstein! der Markstein!)
Pfr. Steinberger zu Grünberg sprach über Volksbewaffnung, wobei er den Beutel der Reichen in Anspruch nimmt.(Nun den seinen auch!)
Vogt tadelte die Stockpreußen, Stockbaiern ꝛc. in der N.⸗V., die man theilweise die Siebenschlä⸗ fer nenne, und die nur zum Stimmen im unvolks⸗ thümlichen Sinn wach seien.
Vikar Knotz zu Butzbach sprach allgemein ge⸗ halten, doch in republikanischem Sinn.(Warum bleibt er denn noch geistlicher Herr?)
Ebenfalls sich allgemein haltend sprach Rector Allgeier zu Butzbach.
Man sah auch mancherlei Kopfschütteln.— Wir werden wohl nächsten Sonntag hier in Gießen die Fortsetzung dieser Versammlung haben.
Tagesneuigkeiten.
Darmstadt. Der Landtag wird nicht aufgelöst werden, sondern soll die Berathung der nothwendi— gen neuen Gesetze fortsetzen.
Wiesbaden. Bei Verlesung eines Gesetzesent⸗ wurfs in der Kammer stellte ein Abgeordneter den Antrag, das„von Gottes Gnaden“ hinter dem Namen des Herzogs wegzulassen. Nur drei Stimmen waren dagegen. Der Antrag des Regierungscommissairs, hiervon abzustehen, wurde durch ein vielstimmiges Nein beseitigt.
Die Lehrerversammlung, die hier gehalten wurde, will Befreiung der Lehrer von Vormundschaft der Geistlichen; Abschaffung der lateinischen Titel der Lehrer; keine Treunung der Schulen nach dem Religionsbekenntniß.
Verona. Die österreich. Berichte gestehen, daß die Einnahme von Vicenza große Opfer gekostet hat; 5000 Mann päbstlicher Truppen zogen ohne Waf⸗ fen mit klingendem Spiele ab). Man rückt jetzt gegen Padua(in der Mitte zwischen Vicenza und Venedig, und ebenfalls an der Straße zwischen Mai⸗ land und Venedig).— Laut Mailändischer Nachrich⸗ ten werden die Piemontesen nächstens das feste Ve⸗ rona angreifen.
Pesth. Die Serbier sind wieder im Aufstand, und 800 Mann in Ungarn eingefallen.
Berlin. Es sollen zwei Bataillone Landwehr hierher gerufen werden.
Innsbruck. Ein päbstlicher Gesandter reist mit einem besondern Auftrag nach Frankfurt.
München. Wir hatten am 15. Abends Cra⸗ wall wegen des Bierpreises.
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Hannover. Am 13. Juni war hier eine Hand⸗ werkerversammlung, worin der Handwerkerstand des ganzen Königreichs zahlreich vertreten war. Es wurde eine Zuschrift au den deutschen Verfassungs⸗ rath beschlossen. Man will namentlich keine soge⸗ nannte Freiheit der Gewerbe, sondern Zunftform, ferner Schutz der Städte im Besitz der handwerks⸗ mäßigen Gewerbe.(Letzteres wird schwerlich in gu⸗ ten Hafen gelangen.)— In der Niedergrafschaft Lingen soll man begehren, daß Kirchen, Pfarr⸗ häuser und Kirchenvermögen dortiger protestautischer Kirchen den Katholiken überwiesen werden.
Heidelberg zählt eben nur 564 Hochschüler.
Frankfurt. Die Eisenbahn von Sachsenhausen nach Offenbach ist dem regelmäßigen Betrieb über— geben.
Weimar. Die Wollenpreise stellen sich ein Drit— tel niedriger als im vorigen Jahr.
Rendsburg. Die Dänen holen ihre Truppen von der Insel Alsen weg, um sie unfern der füt— ländischen Gränze unsern Truppen gegenüber zu stellen.
Leipzig. Fürst Windische-Gräz hat mit dem Militär Prag verlassen, und sich mit demselben auf den Bergen aufgestellt, um von da aus die Altstadt zu beschießen. Es sind große Gräueltha⸗ ten verübt worden. Einem Papierhändler wurde das Haus verwüstet, und er an das Holz seines Hauses angenagelt, weil er als Nationalgardist zwei Studenten erschossen. Prag ist fürchterlich verwüstet.
Altenburg. Es haben Ruhestörungen statt ge⸗ funden. Das Schloß wird von der Bürgerwehr bewacht.
Schleswig ⸗Holstein. Dänen gegenüberstehenden 40000 Mann berechnet.
Paris. Louis Napeleon Bonaparte hat seinen Sitz in der Nationalversammlung aufgegeben, um nicht Grund von Unruhen zu sein.
Perpignan. Wir hatten ernste Unruhen die auf Plünderung abzielten.
Pesth. In der Caserne, in welcher 1 Regiment Italiener und auch ungarische Garde lag, war eine ernste Meuterei. Mehrere Mann sind getödtet. Die Italiener sind entwaffnet, und nach der Festung Co— morn gebracht worden.
Italien. Die Oesterreicher haben Treviso(8 Stunden nördlich von Venedig) eingeschlossen.
Berlin. Die Nachricht soll angelangt sein, daß in Hamburg eine nordamerikanische Flotte von 34 Segel in Sicht sei, um die von den Dänen ge⸗ nommenen Schiffe zu befreien.
Die Minister v. Schwerin, v. Arnim und v. Ca⸗ nitz haben ihre Entlassung begehrt.
Die sämmtlichen den Truppen werden auf
Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.
Druck und Verlag von G. D. Brühl l, in Gießen.


