Ausgabe 
16.6.1848
 
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constituirende N.⸗V., als höchste Macht in Deutsch⸗ land, deren Hülfe und Einschreiten überall, wo Noth ist und es Noth thut, als in ihrer unumschränkten Machtvollkommenheit nicht nur gerechtfertigt, sondern auch gefordert, und diese nicht lediglich auf die Gründung der Verfassung Deutschlands beschränkt.

Dieß sind unsere Grundsätze, Zwecke und Mittel; so verstehen wir den Auftrag des deutschen Volks; so wirken wir für dasselbe, mit demselben, durch dasselbe.

Tagesneuigkeiten.

Paris, 11. Juni. Bei den letzten Ersatzwahlen in Paris hat sich ein großer politischer Indifferen⸗ tismus durch die geringe Anzahl der Stimmenden kund gegeben. Nur die ultra-radicale und die com munistische Partei scheint bei diesen Wahlen rührig gewesen zu sein, sonst könnte man sich's nicht erklä⸗ ren, Männer, wie Leroux, Proudhon und La⸗ grange, gewählt zu sehen. Pierre Leroux, ein noch in der Blüthe seiner Jahre stehender Mann, war früher Anhänger der Lehre des Saint-Simon. Als dies System seinem kritischen und mehr nach dem Abstracten strebenden Geiste nicht mehr genügte, verfolgte er besonders die philosophische Richtung der socialen Wissenschaft. Menschheit ist bei ihm Gleichheit. Den letzten Schritt zum offenbaren Communismus thut Proudhon. Er stellte, angeregt durch eine Preisfrage der Academie von Besançon, in einer Abhandlung den Satz auf: das Eigenthum ist Diebstahl. Lagrange, ein muthiger und fana tischer Republikaner, war seit dem Jahr 1830 bei allen Aufständen der radicalen Partei aufs stärkste betheiligt. Er ist der wahre Held der Barrikaden, das Haupt aller Blousen. Bei der letzten Februar revolution soll er es gewesen seyn, der durch einen Schuß auf den commandirenden Offizier der Muni⸗ cipalgarde vor dem Hotel des Ex-Minister Guizot die republikanisch-socialistische Schilderhebung provoeirte.

(Vom 11.) Verhaftung von 800 Tumul⸗ tuanten. Die Zusammenrottungen nahmen ge⸗ stern Abend in den Umgegenden der Porte St. Mar⸗ tin und der Porte St. Denis einen bedenklichen Cha rakter. Die Patrouillen der Linie, der mobilen Garde, der Nationalgarde und der Dragoner machten lange vergebliche Anstrengungen, die Massen zu zerstreuen, die immer vor ihnen zurückwichen und sich auf an⸗ deren Punkten sammelten. Endlich wurde Befehl ge geben, die Aufwiegler und die Neugierigen, die sich nicht zerstreuen würden, zu verhaften. Es wurden nun mehrere Chargen ausgeführt, um die Zusam menrottungen auseinander zu treiben. Bis um 1 Uhr Nachts waren 800 Tumultuanten verhaftet. Sie wurden unter starker Bedeckung nach der Poli⸗

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zeipräfectur gebracht, wo sie die Nacht über in den Höfen bivouakiren mußten. Bei den Chargen büßte, wie man hört, Niemand das Leben ein; doch kamen mehrere Verwundungen vor. Die napoleonische Partei fängt an rührig zu sein. In einer Ver⸗ sammlung von 400 Mitgliedern der N.-V. wurde viel gesprochen von den in den letzten Tagen statt⸗ gehabten Wahlen, die auf eine Aenderung in der öffentlichen Meinung deuteten, und von Prätenden⸗ ten(Louis Napoleon), deren Einfluß zunehme, wie der des Vollziehungsausschusses schwinde. Der Voll⸗ ziehungsausschuß will daher die Vertrauensfrage so⸗ fort vor die N.⸗V. bringen. Es wird mit ge⸗ waltigen Anstrengungen für Louis Napoleon gewirkt, um ihn zum Präsidenten der Republik zu machen.

Achern. v. Idstein hat die Wahl in dem deut⸗ schen Verfassungsrath abgelehnt.

Stuttgart. Pfingstmontags Abends. Alles ist in fieberischer Spannung. Es soll losgehen, was, weiß man nicht. Gestern ließ ein Regiment Heckern hochleben, und jagte den Obersten aus der Caserne.

Darmstadt. Der Turnlehrer für Gymnasium und Gewerbschule bezieht 2000 fl. Gehalt. v. Ga⸗ gern, von dem dieß ausgeht, wird darum heftig getadelt. Ein Erlaß des Ministeriums des In⸗ nern an die Kriegsdienstpflichtigen des Großherzog thums Hessen stützt sich darauf, daß vor Erlassung einer neuen Wehrverfassung für ganz Deutschland die alte nicht außer Kraft gesetzt werden könne.

Offenbach. In Darmstadt soll sofortige Ent⸗ lassung der Kriegsreserve und Wehrhaftmachung des ganzen Volkes beschlossen worden sein.

Prag. Vom Slaven-Congreß läßt sich nicht viel Bemerkenswerthes sagen. Dieser theatralische Pomp, mit sogenannten nationalen Costüms, die, aus der alten Rumpelkammer herbeigeschleppt, selbst in den Ländern ihres Ursprungs jetzt fremdartige Erscheinungen sind diese Prahlereien mit öffent⸗ lichen Gottesdiensten, Aufzügen, Fahrten und Bäl⸗ len mögen dem hiesigen Pöbel, und insbesondere unserem deutschen Pöbel mit Glacé-Handschuhen, ein Gegenstand des Interesses sein. Die Mit⸗ glieder der Slavenversammlung sehnen sich nach Hause. Es sollen alljährliche Slavenversammlun⸗ gen gehalten werden. Die fortlaufenden Geschäfte soll ein Ausschuß leiten. In einer offenen Erklä⸗ rung soll Leben und Geist des zu kräftigem Leben wiedererwachten Slaventhums allen Völkern kund⸗ gethan werden. Die Grundzüge desselben sollen sein freiestes Volksthum.

Posen, 6. Juni. Unter den blutigen Thaten, welche Posen zu einem schrecklichen Schlachtfelde ge macht haben, wird uns auch folgende furchtbare Scene berichtet. Unser Berichterstattet, ein Offizier,