gigem laſſen nd nach⸗ kenntlich Feldzug grad zu
gerechnel, in vollen Wieder⸗
fjährigen und Türkenkriege, des Helden dieſer Geſchichte, wie er ſie, die Pfeife im Mund, uns oft erzählte
in jenem Huſarenlatein,
wie man es ſpricht zu Peterwardein!
Von einer deutſchen Frau, vor der man Reſpekt haben muß.
Von L. Würdig.
Habe ich auch in dem„Feierabend“ hin und wieder von deutſchen Männern erzählt und manch' Stücklein aus ihrem Leben und Weben au's Licht geſtellt, will ich euch diesmal, gleichſam zur Abwechslung,— ein ſolches von einer deutſchen Frau erzählen, die eine rechte Mutter ihres Landes war, und vor deren Heldenmuth und Entſ ſpaniſcher General, der fürchterliche Herzog Alba, in Furcht und Schrecken gerathen iſt und gebebt und gezittert hat, wie das Kind vor der Ruthe; item von einer deutſchen Frau, vor der man,— wie es da oben in der Ueberſchrift heißt,—
Reſpekt haben muß.
Als nach der Schlacht bei Mühlberg, im April des Jahres 1547, Kaiſer Karl V. auf ſeinem Siegeszug auch durch Thüringen kam, erbat ſich die damals regierende Gräfin von Schwarzburg, Katharina, geb. Fürſtin von Henneberg, bei ſeiner römiſch⸗deutſchen Majeſtät einen Schutz⸗ brief für ihre Unterthanen aus, damit dieſelben von den ſpaniſchen Truppen, unter dem Befehl des Herzogs Alba, nicht geplündert werden ſollten.
Nach einiger Zeit nahete ſich denn auch der Gefürchtete mit ſeinen Schaaren, um unterhalb Rudolſtadt die Saale zu paſſiren. Einmal ſo nahe der Reſidenz, verfehlte er nicht, ſich durch einen ſeiner Reiter bei der regierenden Gräfin Katharina von Schwarzburg zu einem frugalen Morgenbrod einladen zu laſſen.
„Der Herr Herzog möchte nur kommen, man würde geben, was Küche und Keller grad' mit ſich brächten,“ lautete die Antwort der edlen Frau. Zugleich aber unterließ ſie nicht, wiederholt des ihr verliehenen kaiſerlichen Schutzbriefes zu gedenken und ihre Unterthanen, die ſie ihre Kinder nannte, dem ſtrengen Kriegsfürſten dringend anzuempfehlen.
Wie voraus zu ſehen, erwartete ein freundlicher Empfang und eine reichbeſetzte Tafel den Herzog und ſeine Genoſſen auf dem Rudolſtädter Schloß, und er mußte eingeſtehen, daß die thüringiſchen Hausfrauen eine gar vortreffliche Küche führen.
Da,— gleich nach den erſten Schüſſeln, n d Gräfin Katharina plötzlich aus dem Saal gerufen. Ein ſchlichter Bauersmann, aus einem der nächſtgelegenen Dörfer,
—’’;:õQ—C————
chloſſenheit mal ein
wurde die—
erwartete ſie voller Ungeduld und erzählte ihr in ſeiner großen
wehklagend und jammernd, daß ihm die ſpa⸗
Herzensnoth, 1 1)n ſeine ſchönſten Ochſen räuberiſch wegge⸗
niſchen Soldaten
trieben, und wie ſonſt noch hier und da im Ort Unbill und
ſchnöde Gewalt von der rohen Soldateska verübt wor⸗ den ſei. Unſere Katharina, eine Landesmutter im vollſten Sinn des Worts, war über dieſen unerwarteten Vorfall auf's Aeußerſte entrüſtet, aber dennoch von ihrer Beſonnenheit nicht verlaſſen, und ſo befahl ſie ihrer geſammten Dienerſchaft
ſich augenblicklich zu bewaffnen und alle Ausgänge des Schloſſes zu verriegeln. Dann aber kehrte ſie in den Saal zurück, wo die kriegeriſchen Gäſte noch die Freuden der Tafel genoſſen und keine Ahnung von dem eben Vorgefallenen hatten.
In ihrem tiefen Schmerz klagte die edele Gräfin dem Herzog Alba, was ihr ſo eben gemeldet worden war und be⸗ ſchwerte ſich bitter über die Mißachtung des ihr gegebenen kaiſerlichen Ehrenwortes.
„Kriegsgebrauch, hohe Frau, Kriegsgebrauch!“ entgeg⸗ nete ihr weinerhitzt Herzog Alba.„Bei einem Durchmarſch von Soldaten müſſen ſolche kleine Unfälle überſehen werden, eben weil ſie nicht gut zu verhüten ſind. Uebrigens— ſollten eure Schwarzburger noch dankbar ſein, daß ſie für diesmal ſo leichten Kaufs weggekommen ſind.“
Durch dieſe ſpöttiſche Antwort des Herzogs noch tiefer gekränkt und verletzt, antwortete Katharina dem furchtbaren Alba mit männlicher Entſchloſſenheit:„Das wollen wir doch mal ſehen, Herr Herzog! Entweder die Eurigen geben meinen Unterthanen das weggetriebene Vieh zurück,— oder ihre Augen flammten und ihre Stimme erhob ſich zu einer faſt übernatürlichen Kraft:„Gewalt gegen Gewalt! und ſo wahr der allmächtige Gott lebt— Fürſtenblut für— Ochſenblut!“—
Auf einen Wink von ihr gingen die Flügelthüren auf und das Zimmer füllte ſich mit ihren vom Kopf bis zum Fuß be— waffneten Dienern, die ſich hinter die Stühle des Herzogs und ſeiner Genoſſen ſtellten und vor der Hand noch ſtumme Zuſchauer des Auftritts blieben.
Hatte der Herzog Alba ſchon bei der entſchloſſenen Drohung der heldenmüthigen Frau die Farbe gewechſelt, ſo brachte ihn die zahlreiche, gut bewaffnete Dienerſchaft vollends in Angſt und Schrecken, und ſtumm und betreten, wie hier wohl der rechte Ausgang zu finden ſei, ſahen ſich die Herren einander an.
Und es war auch in der That keine abſonderlich ange⸗ nehme Lage für ſie, denn völlig abgeſchnitten von der Armee und von einer handfeſten Menge umgeben, hätte das Ding immerhin kitzelig werden können.
Deshalb war das Beſte, gute Miene zum böſen Spiel zu machen, und die beleidigte Frau und Landesmutter auf jede Bedingung hin zu verſöhnen.
Und das geſchah dann auch inſofern, daß der eingeſchüch⸗ terte Herzog auf der Stelle einen Armeebefehl ausfertigte, des Inhalts, daß den Eigenthümern das geraubte Vieh un⸗ geſäumt wieder zurückzuerſtatten ſei.
Erſt als die Gräfin der Ausführung dieſes Befehls ver⸗ ſichert war, entließ ſie ihre bewaffnete Dienerſchaft und be⸗ dankte ſich ſchönſtens beim Herzog, der nun ſehr höflich Ab⸗ ſchied von ihr nahm und dann ſich ſchnurſtracks aus dem Staube machte, um nie wieder zurückzukehren.———
Und nicht wahr, die Gräfin Katharina war eine rechte Mutter ihres Landes? Eine heldenmüthige Fürſtin des Hauſes Schwarzburg, das, zwei Jahrhunderte vor ihr, dem deutſchen Vaterland ſchon mal einen Kaiſer gegeben hatte; — item eine deutſche Frau, vor der man Reſpekt haben muß!—
Und wenn mal Einer von euch nach dem prächtig gele⸗
genen Rudolſtadt kommen ſollte, dann verſäume er ja nicht,
ſich die Kirche zeigen zu laſſen, in der die edele Fürſtin be⸗ graben liegt, um wenigſtens noch ihrer Aſche eine ſchuldige Achtung darzubringen.


