Jahrgang 
1857
Seite
83
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bringen. Ich wäre unrettbar verloren geweſen, wenn Gottes Vaterauge nicht über mich gewacht hätte. Eine alte Frau, welche ſehr ſelten an das Fenſter kam, war gerade in dieſem Augenblicke von ihrem Plätzchen am Ofen auf geſtanden, um ein wenig Luft zu ſchöpfen. Sie erblickte mich in dem Momente, wo ich mich niederlegte und erkannte die große Gefahr, in welcher ich ſchwebte. Auf ihr Geſchrei kamen Leute herbei und auch meine Eltern, welche mich ſchon ängſtlich geſucht hatten. Eine neue Verlegenheit! Es war nirgends der Schlüſſel zu der Kiſte zu finden. Dieſelbe mußte gewaltſam erbrochen werden. Die Angſt der Anwe⸗

ſenden ſtieg mit jeder Secunde. Schon war mein Schreien verſtummt; denn eine tiefe Ohnmacht hatte mich befallen. Ich wurde wie todt ins Haus getragen und kam erſt nach einigen Minuten wieder zu mir ſelbſt. Die beabſichtigte Reiſe unterblieb, ebenſo die mir gebührende Züchtigung. Ich hatte ja ſolche härter erhalten, als wenn ſie mir von des Vaters Hand zu Theil worden wäre. Als des andern Tags die geſtörte Reiſe wirklich ausgeführt wurde, blieb ich gerne zu Haus, ſowie es auch für die Zukunft nur einer Erinne rung an den verhängnißvollen Tag bedurfte, um mich zum Gehorſam williger zu machen.

Guter Rath in offenen Briefen.

Die Vertilgung von Maulwürſen. Von Dr. Nathgeber jun.

In Provinzialblättern leſen wir ein Werkchen mit langem Titel angekündigt:Der untrügliche Maulwurfsfänger ꝛc. c. geheftet 36 Kreuzer ohne Verlagsort, mit dem Zuſatze, daß dieſe Schrift durchvertilgende Kräfte und beluſtigende Fangarten ſich eine ganz erſtaunliche Verbreitung verſchafft habe, und mit dem zweiten Zuſatze: daß es davonfabrt cirte völlig unvollſtändige, 23 Sgr. wohlfeilere Nachah⸗ mungen gebe, vor denen man ſich nicht anders hüten könne, als wenn man auf den Weimariſchen Maul wurfsfänger beſtehe.

Nun will aber bei ſolchem verzweifelten Fall Dr. Rath geber jun. den Leſern des Feierabends(aber nur dieſen) im Vertrauen ein Mittel verrathen, wie man ſich dennoch vor beſagten Nachahmungen hüten kann, ohne auf den Weima⸗ riſchen Maulwurfsfänger zu beſtehen.

In Avnbetracht nämlich, daß jeder Gärtner und jeder Bauer recht gut weiß, wie man Maulwürfe fängt und tödtet, entweder durch die allbekannte Zangenfalle, oder durch Auf lauern mit der Hacke ferner in Anbetracht, daß die Maul⸗ würfe ſehr nützliche Thiere ſind, welche die Wieſen lockern und in den Gärten die ſchädlichen Engerlinge, Schnecken und Regen würmer nach allgemeiner Erfahrung vertilgen, und endlich in fernerweitem Anbetracht, daß dievertilgenden Kräfte und Fangarten für die Maulwürfe durchaus nicht beluſti⸗ gend, ſondern ſehr betrübend, weil tödtlich, ſind ſo geht aus dieſen drei Anbetrachten der gute Rath und das unfehl⸗ bare Mittel des Dr. Rathgeber jun. ganz von ſelbſt hervor, wie man ſich vor denNachahmungen doch noch auf andere Weiſe hüten kann, als dadurch, daß man auf den Weima⸗ riſchen Maulwurfsfängerbeſteht, der doch gar zu eigen an den Hamelnſchen Rattenfänger erinnert, indem man nämlich das Geld für eines wie das andere in der Taſche behält, und dafür ſeinevertilgenden Kräfte gegen ein gutes Lagerbier richtet.

Nützliches Allerlei. (Fortſetzung.)

40. Wie erhält man einen für das Waſſer undurch dringlichen Kitt? Man muß ungelöſchten Kalk ſtatt mit Waſſer in Ochſenblut

löſchen. Hierauf nimmt man Ziegel, ſtößt und ſiebt ſie. Dieſen zwar aus dem Grunde, weil die Kleie von angefeuchtetem Ge⸗

Ziegelſtaub vermiſcht man mit dem in Ochſenblut gelöſchten Kalk, bis das Ganze die Conſiſtenz eines Mörtels hat, deſſen man ſich bedient, um die Mauerſteine mit einander zu ver binden. Wenn er trocken iſt, welches nicht lange anſteht, wird er ein ſo harter Kitt, daß man, um ihn loszumachen, ſich eines gehärteten Stahls bedienen muß.

Wollte der Mörtel wegen eines feuchten Platzes nicht trocknen, ſo bedeckt man die Stelle mit Bretern, die man unter ſtützt, damit er nur nicht gleich abfällt. Hat er aber einmal an⸗ gefangen zu halten, ſo kann man die Breter füglich wieder weg nehmen.

Man kann ſich dieſes Mittels bei allefk Waſſerbehältern und andern der Feuchtigkeit ausgeſetzten Werken bedienen, wo bei noch zu bemerken iſt, daß der auf dieſe Art gelöſchte Kalk ſich wie der mit Waſſer gelöſchte aufbewahren läßt, und daß man ihn, um ſich ſeiner zu bedienen, nur von Neuem mit Ochſenblut benetzen darf.

41. Wie vertilgt man die Erdflöhe im Garten?

Man ſetze auf jedes Beet nach Verhältniß der Länge 1 oder 2 Untertaſſen, auch Teller, worauf man etwas Oel gießt. Iſt das Geſchirr weiß, ſo hüpfen die Erdflöhe deſto mehr danach. In 24 Stunden fangen ſich oft ſo viele, daß der ganze Boden bedeckt wird.

Um die Erdflöhe von den Pflanzen abzuhalten, ſäe man auf jedes Beet der Länge nach einen Streif oder, wenn es ſich beſſer ſchickt, 2 Streifen der Quere von der bekannten Garten⸗ kreſſe. Dieſes Kraut, ſo bitter es auch iſt, iſt die Lieblingsſpeiſe der Erdflöhe, und man wird zu jeder Zeit, auch bei⸗ Regenwetter, davon ſo viele darauf ſitzen ſehen, als wenn ſie dahin geſäet wären. Sie haben daran volle Nahrung und laſſen dadurch die andern Pflanzen um ein Merkliches verſchont.

Oder:

Wenn man den Samen geſäet hat, tritt man das Land mit den Füßen feſt zu, und wenn die Pflanzen aufgegangen ſind, nimmt man auf ¼ Pfund Samen ½ Pfund ſchlechten Taback, kocht ſelbigen in 4 bis 5 Kannen Waſſer, läßt es kalt werden und begießt mit dieſer Lauge die Pflanzen, dadurch werden die Flöhe vertrieben.

42. Wie verbeſſert man das Getreide?

Legt man Getreide einige Zeit in Waſſer, wäſcht es dann ab und trocknet es mäßig; ſo erhält man beim Mahlen deſſelben eine ſehr leichte Kleie, die in ihrer Beſchaffenheit auch außerdem ſehr verſchieden von der gewöhnlichen Kleie iſt. Namentlich ent⸗ hält eine ſolche Kleie ſehr wenig nahrhafte Beſtandtheile und