Kleine Mittheilungen zur Kurzweil und Belehrung.
Wie wenig der Landmann noch immer den Werth einer reinen und geſunden Luft zu ſchätzen weiß.
So wenig der Menſch Speiſen und Getränke entbehren kann, eben ſo wenig kann er auch, um geſund zu bleiben, einer friſchen, reinen Luft entbehren. Es iſt ſchlimm, daß ſich Viele von dieſer Behauptung nicht überzeugen wollen, und doch giebt die Erfahrung von der Wahrheit dieſer Behauptung alle Tage die deutlichſten Beweiſe. Ganze Städte und Dörfer werden durch faulige, ungeſunde Luft von Seuchen heimgeſucht, und wird in dieſer Beziehung nur an die Cholera erinnert. Es iſt deshalb ſehr zu verwundern, daß der Landmann, welcher den Genuß einer reinen Luft am meiſten zu ſchätzen im Stande ſein ſollte, da ihn ſeine Ge⸗ ſchäfte ſo oft in derſelben leben laſſen, ſo wenig für ihre Erhaltung in ſeinen Wohnungen Sorge trägt. Es giebt Bauern, die in ihren Wohnungen ſo kleine Fenſter haben, daß ſie kaum einen Raum von einer Elle im Viereck haben, und dieſe Fenſter werden nicht nur im ganzen Jahre nicht geöffnet, ſondern wenn der Winter kommt, werden auch noch die kleinen Rifen, durch welche ein wenig friſche Luft zu⸗ ziehen könnte, feſt mit Papier verklebt. Dabei iſt noch die ganze Stube mit Menſchen angefüllt; ein Theil derſelben ſchläft wohl in der Nacht darin, wodurch die Luft noch mehr als am Tage verdickt, weil der Menſch im Schlafe ſtärker ausdünſtet; in den Ofen iſt eine Waſſerblaſe eingemauert, um darin das Waſſer zum Aufbrühen des Viehfutters zu kochen, wobei ein beſtändiger Dampf aufſteigt, und oft theilen noch junge Hühner, Gänſe, Enten die Wohnung, wodurch die Luft vollends verdorben wird. Tritt man in eine ſolche Stube, ſo möchte man gleich an der Thüre wieder umkehren. Außerdem haben viele Landleute die Ge— wohnheit, daß ſie den Miſt unmittelbar vor den Fenſtern liegen haben, und alſo den Zutritt übel riechender Dünſte in die Wohnſtube befördern. Ein großes Fenſter koſtet, wenn man einmal baut, nicht mehr als ein kleines, und es bringt weder Unkoſten noch Zeitverluſt, täglich im Winter und Sommer einige Mal die Fenſter zu öffnen und friſche Luft hereinzulaſſen oder, wenn die Familie ſehr ſtark iſt, in den obern Theil der Wand auf der einen und andern Seite ein Loch von der Größe einer halben Hand durchzu⸗ ſchlagen und einen Schieber davor anzubringen. Wenn nun die Luft, durch die Anfüllung der Menſchen, durch Waſſerdampf, Oel- und Ofenrauch ꝛc. verdorben iſt, und das Licht oder die Lampe nicht mehr hell brennen will, wo⸗ durch die Verderbniß der Luft am deutlichſten angezeigt wird, dann öffnet man den Schieber und läßt den friſchen Luftſtrom herein und die verdorbene Luft hinaus; ſollte da⸗ durch auch ein wenig Wärme verloren gehen, ſo iſt es immerhin beſſer, etwas Brennſtoff mehr aufzuwenden, als ſeine Geſundheit auf das Spiel zu ſetzen. Man kann ſich aber auch bequemen, etwas kühler zu ſitzen, denn der Aufent⸗ halt in großer künſtlicher Wärme iſt auch nicht geſund. In der Niederlauſitz haben ſehr viel kluge Landleute die Ein⸗ richtung getroffen, daß ſich in ihrer Stube ein Kamin be⸗ findet, welcher in die Feuereſſe hinausgeht. Abends wird dieſer geöffnet. Jung und Alt ſetzt ſich daran im traulichen Zirkel und arbeitet oder erzählt, wenn es Feierabend iſt,
während in der Wohnung die reinſte Luft iſt, welche auch
den ganzen Abend unterhalten bleibt. Vergeſſe man es
doch nimmer, daß, wenn der geſunde Zuſtand des Körpers erhalten werden ſoll, derſelbe geſunde Luft erhalten, daß ſtatt der Kohlenſäure, welche der Menſch aushaucht, Sauer⸗ ſtoff eingeathmet werden muß. Man kann annehmen, daß ein geſunder, kräftiger Mann in einer Stunde 520 preußiſche Quart Luft ein- und ausathmet; dieſe ausgeathmete Menge Luft enthält gegen 22 Quart Kohlenſäure, wogegen derſelben nahezu 25 Quart Sauerſtoff entzogen worden ſind. Hier⸗ nach verliert die Luft während ihrer Berührung mit dem Blute in den Lungen dem Maße nach 4 ½ Procent Sauer⸗ ſtoff und empfängt dafür 4 Procent Kohlenſäure. Die auf dieſe Weiſe veränderte Luft, wie man ſie beim Ausathmen von ſich giebt, iſt nicht mehr als athembar, ſondern als geſundheitsſchädlich anzuſehen, das Leben kann zwar darin noch fortdauern, aber das Athmen iſt mühſam und hat Uebel⸗ befinden zur Folge; ein Licht brennt in ſolcher Luft nur kümmerlich fort. Denkt man ſich ein Zimmer von 10 Ellen Länge, 10 Ellen Breite und 5 Ellen Höhe, ſo hat man darin 4000 Cubikfuß oder 100,000 Quart Luft. ſich ein Menſch in dieſer Stube 24 Stunden auf, ſo verzehrt er in dieſer Zeit 600 Quart oder nahezu 3 Procent des darin enthaltenen Sauerſtoffs und erzeugt dafür 528 Quart oder ein wenig mehr als 2 ½ Procent der geſammten Luft⸗ menge Kohlenſäure. Man hüätte hiernach die geringſte Menge der für eine in einem geſchloſſenen Raume lebenden Perſon in der Stunde nöthigen Luft auf ungefähr 4400 Quart feſtzuſetzen; wohlthätiger würde es aber ſein, wenn man dieſe Zahl auf 6000— 8000 Quart erhöhte. In dem angegebenen Raume können zwar, wenn es als Schlafzimmer benutzt werden ſollte, drei erwachſene Perſonen acht Stunden zubringen, ehe eine Lüftung nothwendig wird; es würde aber geſunder ſein, wenn ſich nur zwei Perſonen in die Luſt dieſer Zimmer zu theilen brauchten. Weit eher noch muß die Lüftung in Räumen vorgenommen werden, in denen viel Menſchen beiſammen ſind, weil hier die von dem einen Menſchen ausgeathmete Luft von dem andern wieder ein⸗ geathmet wird, ehe ſie ſich mit der übrigen Zimmerluft gleich⸗ mäßig mengen kann. Zu berückſichtigen iſt noch, daß außer der Kohlenſäure auch der durch das Athmen erzeugte Waſſer⸗ dunſt ſtörend auf die Athmung einwirkt, wenn er im Ueber⸗ maße in der Luft enthalten iſt. In einer mit Feuchtigkeit überladenen Luft wird nicht nur das Athmen, ſondern auch die durch die Haut ſtattfindende Ausdünſtung gehemmt, und die eine wie die andere Störung hat Unwohlſein zur Folge. Wie bedeutend die Waſſermenge iſt, welche durch das Athmen in die Zimmerluft gelangt, kann man an den mit Waſſer⸗ tropfen überladenen Fenſterſcheiben des Schlafgemachs in der Frühe des Morgens erkennen.
Wegerich. Von O. Glaubrecht. 12. Allerlei vom Doctern und Quackſalbern.
„Ein Doctor und ein Bauer weiß mehr, denn ein Doctor alleine.“
Es iſt einmal mit gar betrübtem Geſichte ein Bauer⸗
burſche zum Pfarrer gekommen und hat den Tod ſeines
Hält
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