Jahrgang 
1857
Seite
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welche ſchon hie und da mit großem Getöſe vom Himmel ge⸗

fallen ſind, und wollte ihn mitnehmen und daheim näher

unterſuchen. Aber die Stimme eines Knaben rief vom Baume: Bemüht Euch nicht, Herr! Bei mir da oben wachſen noch ſchönere. Und als der Herr fragte, ob denn hie zu Lande die Schuhe auf den Bäumen wachſen? antwortete der An⸗ dere:Warum nicht? Und heuer ſind ſie ſchon ſo reif, daß ſie einem in die Hand fallen, wie die braunen Haſelnüſſe. Nehmt Euch alſo beim Heraufſteigen in Acht, daß nicht gar zu viele fallen, und etliche überbleiben für die armen Leute im Winter. Das thut auch der Weltweiſe von Grübelſtadt, und ein Faulthier greift nicht langſamer von einem Aſt zum andern, als er. Der Geier aber macht ſich auf der an⸗ deren Seite des Baumes ſachte herunter. Denn er will nicht auf das Trinkgeld warten. Bis er aber wieder in ſeinen Schuh ſchlüpft, ruft der Reiſende aus dem Gipfel herab, wo denn die Schuhe hingen? Aber der Schelm will ſich nicht weiter mehr einlaſſen, und ſagt:Trägt er keine Schuhe, ſo trägt der Baum doch einen Narren.

Seit der Zeit pflegt man im Sprichwort zu ſagen:Die Grübelſtädter Weltweiſen verſteigen ſich.

Wegerich. Von O. Glaubrecht.

11. Je lieber Kind, je ſchärſer Ruthe. Es hatte vor mehr als hundert Jahren ein armer Lein⸗

weber in einem kleinen Dorfe der Wetterau einen klugen Sohn. Der das Brod der Armuth in ſeines Vaters

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Guter Kath in

Nütliches Allerlei. (Fortſetzung.)

27. Welche Pflanzen leiſten die Dienſte eines Ba⸗ rometers?*

Es gibt deren ſehr viele, welche die aflru Witterung andeuten. Die verſchiedenen Kleearten ziehen beim Heran⸗ nahen eines Gewitters immer ihre Blätter zuſammen und verkünden das nahende Unwetter ſo ſicher, daß man ſie das Wetterglas des Bauern genannt hat. Die Tulpe und mehre andere verwandte gelbe Blumen ſchließen ſich eben⸗ falls vor dem Regen. Eine Art Sauerklee(Buſchampfer, Oxalis stricta) legt vor dem Gewitter ihre Blätter zu⸗ ſammen, was auch bei der Bauhinia oder dem Bergeben⸗ holz, das zuweilen als Zierpflanze in unſern Gärten ſteht, ſtattfindet.

Wenn der gemeine Gauchheil(Hühnerdorn, Anagallis arvensis coeruleus), welcher vom Juni bis Auguſt blüht, ſeine weiße, gelbe oder mennigrothe Blume ausbreitet, ſo darf man mehre Stunden lang keinen Regen erwarten; bleibt ſie anhaltend in dieſem Zuſtande, ſo wird den ganzen Sommertag hindurch kein Regen eintreten. Verſteckt die Pflanze ihre kleine Blüthe halb, ſo wird der Tag gewöhn⸗ lich einen kleinen Regen bringen; ſchließt ſich die Blüthe aber

Hauſe mit Geduld; aber wo er ein Buch habhaft werden konnte, das las er und lernte ungeheißen und ungeſehen ſoviel, daß man den Vater überredete, den Jungen ſtudiren zu laſſen. So that er ihn denn in Gottes Namen auf die Schule nach Hanau, und der Sohn gedieh und brachte gute Zeugniſſe mit heim. Aber gerade dasHeim konnte er nicht vergeſſen, und ſo oft er das Vaterhaus wieder ge⸗ ſehen hatte, und Abſchied nehmen ſollte, dann ging es an ein Weinen und Lamentiren, daß dem Vater das Herz dabei blutete und er mehr als einmal auf der Zunge hatte, zu ſagen:Bleib daheim und werde, was ich auch bin. Aber des Sohnes Heimweh und des Vaters Kummer da⸗ rüber gefiel der Mutter übel, und als er wieder einmal unter Mühe war zum Haus hinaus perſuadirt worden, da be⸗ gleitete ſie ihn bis in den ſogenanntenlangen Wald. Dort ſchnitt ſie ſich einen Stock aus den Hecken und indem ihr der Sohn die Hand zum Abſchied reichte, ſo ergriff ſie ihn und prügelte ihn aus Leibeskräften durch mit der Be⸗ merkung:So, jetzt gang hin, wirſt ſobald nicht wieder heim mögen! Aus dem Sohn iſt hernach ein tüchtiger Pfarrer geworden, und ich bin gewiß, hätte er damals der Mutter ins Auge ſehen können auf dem Heimwege, er hätte Thränen darin geſehen. Und doch war die Mutterliebe treuer, denn die Vaterliebe,denn weiches Herz macht weiche Zucht.

Ach, was iſt es doch mit der Ruthe in Gottes Hand noch ein viel wunderlicher Ding! Erſt wenn wir einmal ins Vaterauge im Himmel hineinſehen werden, dann werden wir erkennen, daß alle ſeine Ruthen gar gut gemeint geweſen, und werden uns der Trübſal rühmen lernen, was uns hier ſo ſauer vorkommt, wie dort dem heimwehſiechen Schüler die Schläge von Mutterhand!

offenen Briefen.

ganz oder verſchleiert ihre Blätter mit ihrem grünen Man⸗ tel, ſo darf ſich der Wanderer auf einen tüchtigen Regenguß gefaßt machen.

28. Wie bereitet man ſich ein champagnerartiges wohlfeiles Erquickungsgetränk?

Man miſcht 8 Theile doppelkohlenſaures Natron und 5 Th. Weinſteinſäure, nimmt ein Theelöffelchen dieſer Miſchung und rührt es in friſches Waſſer, das man in ein Glas geſchüttet hat, indem man zugleich den ſchäumendſten Champagner trinkt, bei dem ſich Kopf und Kaſſe wohl befin⸗ den. Aus einer Miſchung von 16 Loth doppelkohlenſauren Natrons und 10 Loth Weinſteinſäure kann man gegen 150 Gläſer Champagner bereiten. Man muß aber der Billig⸗ keit wegen die Stoffe zu dem Brauſepulver in guten Droguen⸗

handlungen und in nicht zu kleinen Quantitäten kaufen.

29. Was hat man zu thun, um eine gute Zwiebel⸗ ernte zu erhalten? 1

Man grabe das zum Zwiebelanbau beſtimmte Grund⸗ ſtück ſehr tief um, dünge es reichlich mit Hüh nermiſt und walze es ganz glatt. Hierauf mache man mittels eines eiſer⸗ nen Rechens den Boden der Oberfläche fein und vollkommen eben, worauf die Reihen gezogen und die Zwiebeln geſteckt werden, die in einem derartig zubereiteten Boden reichlich